Lee Cougan erweitert sein Portfolio um ein ausgewachsenes Enduro E-Bike. Das neue Flö kombiniert 160 Millimeter Federweg mit einem leichten Carbonrahmen, Mullet-Laufrädern und dem kräftigen Avinox-M2S-Antrieb. Zwei Modelle starten bei 6.899 Euro.
Seltsamer Name: Aber mit dem Flö wagt Lee Cougan einen bemerkenswert konsequenten Einstieg in die Klasse der Full-Power-E-Enduros. Statt eines elektrifizierten XC-Bikes stellen die Italiener direkt ein 160-Millimeter-Fully mit kräftiger ZEB-Gabel, Enduro-Bereifung und moderner Mullet-Plattform auf die Räder. Bei großen Reach-Sprüngen zwischen den drei Größen ist aber Vorsicht geboten. Wie sich das eher hohe Tretlager und ein niedriger Stack in der Praxis schlagen, muss ein Test zeigen. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
Lee Cougan kennt man bislang vor allem für sportliche Cross-Country-Mountainbikes und Gravelräder. Mit dem auf der Sea Otter Europe präsentierten Flö schlägt die Schwestermarke von Basso nun jedoch eine deutlich gröbere Richtung ein: Das erste Avinox-E-MTB der Italiener bietet jeweils 160 Millimeter Federweg an Vorder- und Hinterrad und positioniert sich damit im abfahrsstarken E-Bike Segment.
Angetrieben wird das Flö vom kompakten Avinox M2S, der mit 130 Nm regulärem Maximaldrehmoment und bis zu 150 Nm im Boost-Modus reichlich Unterstützung bereitstellt. Die Energie liefert bei beiden Modellen ein fest integrierter 800-Wh-Akku. Mit Preisen von 6.899 und 8.699 Euro bleibt Lee Cougan dabei zumindest auf dem Papier unterhalb mancher hochpreisiger Avinox-Konkurrenten. Ein wirklich günstiges Einsteigerrad fehlt aber.
Das Flö trägt seine Abfahrts-Ambitionen offen zur Schau. Die großflächigen Rohrformen gehen fließend ineinander über, ohne dass das Bike übermäßig wuchtig wirkt. Motor und Akku sind sauber in den Carbonrahmen integriert. Lee Cougan gibt für das Rahmenset in Größe M inklusive Hardware ein Gewicht von 2,5 Kilogramm an und spricht selbst vom leichtesten Rahmen seiner Klasse.
Am Heck arbeitet ein Viergelenker mit einem konzentrisch zur Hinterradachse angeordneten Drehpunkt, ähnlich zum Beispiel wie beim BH iLynx (hier im Test). Der stehend vor dem Sitzrohr montierte Dämpfer ist gut zugänglich und dürfte auch den Wechsel zwischen verschiedenen Dämpfermodellen erleichtern. Insgesamt wirkt die Konstruktion funktional.
Interessant ist die Kabelführung: Das auf der Messe gezeigte Bike setzte auf eine klassische Führung am Rahmen. Beim Serienmodell sollen Käufer beziehungsweise Händler jedoch zwischen einer externen Verlegung und einer internen Führung durch den Steuersatz wählen können. Damit überlässt Lee Cougan die Entscheidung zwischen aufgeräumter Optik und besserer Wartungsfreundlichkeit dem Besitzer.
Ab Werk rollt das Flö mit einem 29-Zoll-Vorderrad und einem 27,5-Zoll-Hinterrad auf die Trails. Die Mullet-Konfiguration soll das Überrollverhalten eines großen Vorderrads mit einem beweglicheren Heck verbinden. Über einen Flip-Chip lässt sich der Rahmen alternativ auf ein durchgängiges 29-Zoll-Setup abstimmen. Reifen bis 2,6 Zoll Breite sollen in den Hinterbau passen.
Kurze 160-Millimeter-Kurbeln sollen das Risiko von Pedalaufsetzern reduzieren. Hinzu kommen ein integrierter Kettenführer und vergleichsweise tief einschiebbare Vario-Sattelstützen: In Größe S verbaut Lee Cougan 150 Millimeter Hub, in M und L sind es jeweils 170 Millimeter. Angesichts der kurzen Sitzrohre könnte man sich aber auch noch etwas mehr Hub wünschen.
Der M2S wiegt nach Herstellerangabe rund 2,6 Kilogramm und stellt dauerhaft bis zu 130 Nm zur Verfügung. Im zeitlich begrenzten Boost-Modus steigt das Drehmoment auf 150 Nm. Die Spitzenleistung liegt bei bis zu 1.300 Watt. Bedient wird das System über kabellose Lenker-Controller und das in das Oberrohr eingelassene OLED-Touchdisplay. Eine Schnellladefunktion gehört ebenfalls zum System.
Beim Carbon Pro geht die Integration noch einen Schritt weiter: Das elektronische SRAM-GX-AXS-Schaltwerk wird direkt aus dem Hauptakku des Bikes versorgt. Damit entfällt wie bei vielen Bikes der separate AXS-Akku am Schaltwerk – praktisch, weil vor der Tour nur noch ein Energiespeicher kontrolliert und geladen werden muss.
Bei der Geometrie setzt Lee Cougan auf etablierte Enduro-Werte, bietet das Rad aber nur in drei statt sonst üblichen vier Größen an. Das sorgt für größere Sprünge zwischen den einzelnen Rahmenhöhen. Der Lenkwinkel beträgt in allen drei Rahmengrößen 64 Grad. Das verspricht viel Laufruhe in steilen Abfahrten, ohne das Flö in extrem flache Downhill-Regionen zu rücken. Der 77 Grad steile Sitzwinkel soll den Fahrer beim Klettern zentral über dem Motor und Tretlager positionieren.
Der Reach wächst von 443 Millimetern in Größe S über 467 Millimeter in M bis auf stattliche 500 Millimeter in L. Während Größe M damit ausgewogen und modern ausfällt, ist das große Flö ausgesprochen lang geraten. Interessenten am Übergang zwischen zwei Größen sollten deshalb genau hinschauen: Zwischen M und L liegen immerhin 33 Millimeter Reach.
Die Kettenstreben bleiben über alle Größen hinweg bei 445 Millimetern. Das ist für ein 160-Millimeter-E-MTB weder besonders kurz noch übermäßig lang und dürfte einen sinnvollen Kompromiss aus Traktion, Laufruhe und Kurvenbeweglichkeit darstellen. Weil der Hinterbau nicht mit den Rahmengrößen mitwächst, verändert sich allerdings die Gewichtsverteilung: In Größe L fällt das Verhältnis zwischen 500 Millimetern Reach und 445 Millimetern Hinterbau deutlich frontlastiger aus als beim kleineren Rahmen.
| Empfohlene Körpergröße | 155–170 cm | 170–180 cm | 180–190 cm |
| Reach | 443 mm | 467 mm | 500 mm |
| Stack | 620 mm | 634 mm | 647 mm |
| Sitzrohr | 400 mm | 420 mm | 445 mm |
| Lenkwinkel | 64° | 64° | 64° |
| Sitzwinkel | 77° | 77° | 77° |
| Kettenstreben | 445 mm | 445 mm | 445 mm |
| Radstand | 1.224 mm | 1.255 mm | 1.294 mm |
| Tretlagerhöhe | 348 mm | 348 mm | 348 mm |
| Dropper-Hub | 150 mm | 170 mm | 170 mm |
Die kurzen Sitzrohre fallen positiv auf. Selbst das große Modell kommt lediglich auf 445 Millimeter und bietet damit viel Bewegungsfreiheit in steilem Gelände. Der Radstand wächst von 1.224 auf 1.294 Millimeter – das L-Modell dürfte sich entsprechend besonders auf schnellen und offenen Strecken wohlfühlen. Der eher tiefe Stack und das recht hohe Tretlager könnten aber einer guten Integration des Fahrers entgegenwirken.
Das Flö Carbon bildet für 6.899 Euro den Einstieg. Rahmen, Motor, Akku und Federweg entsprechen dem Topmodell. Beim Fahrwerk setzt Lee Cougan auf eine RockShox ZEB Select mit 160 Millimetern und einen Super Deluxe Select. Damit ist bereits das günstigere Modell klar auf anspruchsvolle Trails ausgelegt.
Geschaltet wird mit einer mechanischen SRAM Eagle 90 Transmission. Verzögert wird mit Magura-MT5-Vierkolbenbremsen. Die Mullet-Laufräder der Baureihe Ursus Pura M bestehen aus Aluminium und tragen Continental-Kryptotal-Reifen mit robuster Enduro-Karkasse. Die Komponentenauswahl wirkt zweckmäßig und dürfte sich insbesondere an Fahrer richten, die eine mechanische Schaltung wegen ihrer einfachen Wartung bevorzugen.
Das Flö Carbon Pro kostet 8.699 Euro. Sein RockShox-Fahrwerk besteht aus einer ZEB Ultimate und einem Super Deluxe Ultimate. Die elektronische SRAM GX Eagle Transmission wird, wie erwähnt, direkt vom Hauptakku gespeist.
Bei den Bremsen wechselt Lee Cougan auf die Magura Gustav Elite. Als weiterer wesentlicher Unterschied kommen Ursus-Pura-M-Carbonlaufräder zum Einsatz. Continental Kryptotal unterstreichen den Enduro-Anspruch.
| Flö Carbon | RockShox ZEB Select / Super Deluxe Select | SRAM Eagle 90 Transmission, mechanisch | Magura MT5 | Ursus Pura M Alu | 6.899 Euro |
| Flö Carbon Pro | RockShox ZEB Ultimate / Super Deluxe Ultimate | SRAM GX Eagle Transmission AXS | Magura Gustav Elite | Ursus Pura M Carbon | 8.699 Euro |

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