Florentin Vesenbeckh
· 09.04.2026
Es war eines der gefragtesten E-MTBs 2025: Das Amflow PL Carbon vom chinesischen DJI-Ableger Amflow. Der Grund: Zum einen war es das erste und lange Zeit einzige Bike mit dem DJI-Motor Avinox M1. Zum anderen kombinierte es maximale Motor-Power mit minimalem Gewicht. Diese Eigenschaften und seine Sonderstellung konnte es auch im BIKE Test unter Beweis stellen. Nach gerade mal gut einem Jahr am Markt haben die Chinesen schon den Nachfolger ihres Erfolgsmodells am Start. Das Amflow PX Carbon mit dem ebenfalls brandneuen Avinox M2S (hier im Test).
Auf den ersten Blick sieht das Bike seinem Vorgänger (Amflow PL Carbon Pro im BIKE Test) sehr ähnlich, die Rahmenform ist in den Grundzügen identisch geblieben und auch die schlanke Silhouette bleibt. Keine Änderung auch beim Federweg: 160 Millimeter an der Front, 150 am Heck. Neu ist dagegen, dass das Bike ab Werk auf dem Mullet-Laufradmix mit 29 Zoll vorne und 27,5 Zoll hinten rollt. Über einen Flipchip kann optional auf Full-29 umgerüstet werden. Beim Vorgänger war es genau andersrum.
Auch wenn das optisch nicht so auffällig ist: Amflow hat den Rahmen komplett neu aufgelegt. Die Geometrie wurde deutlich angepasst, mit kürzerem Sitzrohr, steilerem Sitzwinkel und längerem Reach ist das Bike insgesamt moderner und Trail-orientierter geworden. Interessant: Die Kettenstreben fallen kürzer aus, was zwar zu Gunsten der Agilität, aber auch zu Lasten der Kletterfähigkeiten gehen dürfte. Einen weiteren Kritikpunkt will Amflow auch eliminiert haben. Der Hinterbau soll um 10 % steifer geworden sein.
Grundlage für die Neuauflage ist der Avinox M2S, der Nachfolger des Avinox M1. Schon der Vorgänger war in Sachen Leistung in einer eigenen Liga unterwegs. Doch der M2S legt nochmal eine ganz Schippe drauf. Im Amflow PX Carbon liefert er eine unfassbare Spitzenleistung von 1500 Watt. Beim M1 waren es 1000 Watt. Der Neuling ist also nochmal um 50 Prozent stärker. Das massive Power-Plus hat auch mit dem verwendeten Akku zu tun. Denn diese Spitzenleistung ist nur mit der neu entwickelten 700er-Batterie möglich, die einen höheren maximalen Output liefern soll. Der Akku ist wie beim Vorgänger fest verbaut und soll mit 3,18 kg im Verhältnis zur Kapazität sehr leicht ausfallen.
Das Amflow PX Carbon kommt in zwei Ausstattungsvarianten. Beide sind im Vergleich zum Vorgänger etwas “dicker”, abfahrtsorientierter und robuster ausgestattet. Schwalbe-Reifen mit Gravity-Karkasse, Magura Gustav-Pro-Stopper - doch bei der gabel bleibt Amflow bei Fox’ 36er-Modellen.
Das günstigere Amflow PX Carbon kommt mit den weniger hochwertigen Performance-Federelementen von Fox. Die Gangwechsel laufen schon elektronisch über Funk mit der günstigen S1000-Transmission-Gruppe von Sram. Lenker und Laufräder stammen von der Amflow-Eigenmarke und sind aus Aluminium. Kostenpunkt: 6999 Euro.
Das Topmodell PX Carbon Pro spart mit Carbon-Parts nochmal Gewicht. Felgen und Lenker sind ebenfalls Amflow-gelabelt - hier aber aus Kohlefaser. Das Fahrwerk besteht aus 36 Factory-Gabel und Float X Factory-Dämpfer von Fox inklusive der ikonischen Kashima-Beschichtung. Bei der Schaltung gibt’s ein Update auf die Sram X0 Eagle Transmission, die ebenfalls elektronisch über Funk die Gänge wechselt. Dafür werden 9999 Euro fällig.
Bei Amflow ticken die Uhren offensichtlich anders: Gerade mal eineinhalb Jahre nach der Markteinführung des PL Carbon schicken die Chinesen ein Update hinterher, das sich gewaschen hat. Bei Geometrie und Ausstattung reagiert der Hersteller schnell auf viel geäußerte Kritik und Kundenwünsche - solch eine schnelle Anpassung ist außergewöhnlich. Das gilt auch für die Power des neuen Motors. Das Alleinstellungsmerkmal eines extrem geringen Gewichts büßt das neue PX Carbon ein - hier war der Vorgänger konsequenter ausgelegt. Zugleich macht die Reichweite mit dem kleineren Akku Rückschritte. Wir sind gespannt, wie sich das neue PX Carbon Pro auf den Trails schlägt. Der Test läuft und wir werden berichten.

Redakteur CvD