Neuer DJI-Motor viel stärkerAvinox M2S E-Bike-Motor im Test

Florentin Vesenbeckh

 · 09.04.2026

Im Praxistest beweist der Avinox M2S eine schier unfassbare Spitzenleistung.
Foto: Max Fuchs
Gerade erst kommen mehr E-Bikes mit Avinox-Motor in die Shops - und schon zündet DJI den nächsten Kracher. Mit dem Avinox M2S steht jetzt schon der Nachfolger des Super-Motors in den Startlöchern. Und die Neuerungen sind extrem, vor allem bei der Power. Bis zu 1500 Watt und 150 Nm sind möglich. Wir verraten, was es mit dem Neuling auf sich hat, was er besser macht - und was auch nicht.

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Fazit der BIKE Redaktion

Der Avinox M2S stellt mit seiner extremen Leistung alles auf den Kopf, was bisher im Antriebssegment von E-MTBs galt. In Sachen Leistungs-Gewichts-Verhältnis ist das definitiv Next-Level! Auch bei der Modulation konnten die Chinesen nochmal zulegen, das macht den Motor schwer zu schlagen. Ob die schiere Power - und der damit verbundene Energiehunger - auf der Suche nach dem perfekten E-Mountainbike wirklich zielführend ist, bleibt allerdings mehr als fraglich.

In der Entwicklung von Mountainbikes und Bike-Produkten hat sich ein Produktlebenszyklus von rund drei Jahren eingepegelt. In der Vergangenheit konnte man daran ziemlich gut absehen, wann eine neue Generation ansteht. Doch in China ticken die Uhren anders. E-Bike-Senkrechtstarter DJI zündet nach nur rund 1,5 Jahren die nächste Entwicklungsstufe seines Avinox E-Bike-Systems. Und zwar mit einem Knall! Anstatt sich auf ein dezentes Facelift oder die Softskills zu beschränken, kommt der Avinox M2S mit einem krassen Plus an Power. Dazu muss man wissen: Schon der Vorgänger Avinox M1 (hier im Test) fuhr mit seiner Spitzenleistung die etablierte Konkurrenz in Grund und Boden.

Die harten Fakten: In der Spitze soll der Avinox M2S bis zu 1500 Watt und 150 Newtonmeter maximales Drehmoment liefern. Das ist mal eben die DOPPELTE Leistung eines Bosch Performance CX (zum Test) und ein Leistungsplus von 50 Prozent im Vergleich zum Avinox M1. Die Bauform bleibt dabei nahezu identisch und das Gewicht steigt nur geringfügig um rund 100 Gramm.

Volle Power nur mit speziellem Akku

Spannend beim Thema Spitzenleistung: Seine maximale Power erreicht der neue Motor nur mit besonders leistungsstarken Akkus. Dafür hat Avinox extra eine neue, superschlanke Batterie mit 700 Wattstunden entwickelt, die 3,18 Kilo wiegen soll. Mit dieser stehen kontinuierlich 1500 Watt und 130 Newtonmeter im Datenblatt, per Boost-Funktion werden kurzzeitig bis zu 150 Nm freigesetzt. Mit den neuen entnehmbaren Akkus (600 oder 800 Wattstunden) gibt es die vollen 1500 Watt nur im kurzzeitigen Boost-Betrieb, in den regulären Modi ist bei 1300 Watt Schluss. Und mit den bekannten, festverbauten Akkus mit 600 und 800 Wattstunden, die weiter viele Hersteller verbauen, ist die Spitzenleistung generell auf 1300 Watt beschränkt.

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Die Fakten zum Avinox M2S

  • Spitzenleistung: 1300 oder 1500 Watt (je nach Akku)
  • max. Drehmoment: 130 Nm
  • Boost-Funktion mit bis zu 150 Nm (max. 60 Sekunden)
  • Motorgewicht: 2,65 kg
  • Akkus: 600 (2,84 kg), 700 (3,18 kg) oder 800 (3,74 kg) Wattstunden, meist fest verbaut
  • Neue Wechsel-Akku: 800 Wh (ca. 4 kg) und 600 Wh (2,96 kg)
  • kompatibel mit Bikes, die für den DJI Avinox M1 gebaut wurden
  • Touch-Display
  • Vier Unterstützungsstufen Eco, Trail, Turbo, Auto - in der App individuell konfigurierbar

So fährt sich der Avinox M2S

Kann ein relativ kompakter E-Bike-Motor wirklich noch stärker sein, als der Avinox M1? Auf den ersten Metern im back-to-back-Vergleich der beiden Generationen wird klar: Ja, das geht. Und wie! Der Avinox M2S schiebt nochmal deutlich krasser als sein ohnehin übertrieben starker Vorgänger. Das fühlt sich fast schon unwirklich an. Zur Einordnung: Dieser Eindruck bezieht sich auf die schwächere Variante mit 800er-Akku und damit “nur” 1300 Watt Spitzenleistung.

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Bei der Leistungsentfaltung und dem Fahrgefühl bleibt die hohe Leistung das beherrschende Thema, nicht ein besonders hohes Drehmoment. Der Motor mag es durchaus, mit hoher Kadenz gefahren zu werden. Das heißt nicht, dass es ihm an Drehmoment oder Power bei langsamem Tritt fehlt. Doch so richtig wohl fühlt er sich eben bei Trittfrequenzen über 80 U/min.

Das ist kein Makel, sondern eher eine Wohltat. Denn dieser Charakter gibt dem Motor, trotz aller Über-Power, einen sportlichen und dynamischen Charakter. Statt Stumpf von unten raus zu schieben, reagiert er auf gesteigerten Tretimpuls direkt und spritzig - gefühlt immer in der Lage, noch eine Schippe draufzulegen. Das liegt auch daran, dass Avinox den maximalen Support nicht erhöht hat. Wie beim M1 unterstützt auch der M2S mit bis zu 800 Prozent. Bei höherer Leistung braucht es also auch ein etwas höheres Engagement des Fahrers, um die volle Leistung des Motors abzurufen. Selbstredend ist der neue Avinox auch bei gemütlichem Tritt weit mehr als kräftig genug.

Jenseits der Power haben die Chinesen auch am Fahrgefühl des Motors getüftelt. Tatsächlich fährt sich der M2S noch eine Nummer runder und geschmeidiger als der Vorgänger. Die Reaktion auf Tretimpulse ist feinfühlig und sensibel. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass jedes Bike, das wir bisher mit dem neuen Motor gefahren sind, in kniffeligen Anstiegen mit der schieren Power des M2S überfordert ist. Die enorme Beschleunigung führt in vielen Situationen unweigerlich zu einem steigenden Vorderrad oder Kontrollverlust. Deutlich besser kontrollieren lässt sich das im Auto-Modus oder bei reduzierter Power. Die Frage, ob es so viel Leistung im Gelände wirklich braucht - oder ob sie wirklich hilfreich ist - drängt sich unweigerlich auf. Natürlich gibt es auch gewisse Situationen, in denen der massive Schwung und Schub grenzwertige Anstiege einfach mal zum Kinderspiel macht.

Lautstärke des M2S

Licht und Schatten gibt es bei der Geräuschkulisse. Kurbelt man gemütlich die Forststraße entlang, bleibt der Motor-Sound schön angenehm und geht - je nach Situation - sogar komplett in den Umgebungsgeräuschen unter. Ruft man die volle Power des Motors ab, heult das Aggregat durchaus deutlich auf und das Geräusch wird präsent. In Anbetracht der extremen Leistung ist das Geräusch aber keinesfalls übertrieben laut. Im Gegenteil. Wir würden sagen, dass der M2S in diesen Situationen nur minimal lauter wird, als ein Bosch Performance CX.

Der Avinox M1 hatte einen klaren Makel: Er klapperte bergab auf dem Trail. Avinox will dieses Problem beim neuen M2S eliminiert haben. Tatsächlich waren unsere ersten Testbikes mit M2S klar leiser, als der Durchschnitt der M1-Bikes. Doch völlige Ruhe können wir dem M2S nicht bescheinigen. Da die Geräuschkulisse von E-MTB-Motoren erfahrungsgemäß einer deutlichen Serienstreuung unterliegt und auch von Bike zu Bike variiert und Fahrleistung des Aggregats abhängt, werden wir weiter berichten. Denn in den nächsten Wochen und Monaten stehen viele Tests mit Avinox-Bikes an.

Stärken und Schwächen Avinox M2S

Stärken

  • unfassbare Power
  • schlanke Bauform
  • gutes, dynamisches Fahrgefühl
  • intuitive Bedienung
  • Schnelladegerät

Schwächen

  • meist fest verbaute Akkus
  • teils leichtes Klappern bergab
  • etwas schwerer als Vorgänger

Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.

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