Max Fuchs
· 08.09.2026
Der neue Carbonrahmen des E-Gravelbikes verbindet 50 Millimeter Reifenfreiheit mit zahlreichen Montagepunkten für Gepäck und Zubehör. Dazu steckt im Unterrohr ein 630-Wh-Akku, während der 2,1 Kilogramm leichte SEG-BLM-Motor bis zu 80 Nm Drehmoment und 700 Watt Spitzenleistung liefert. Der serienmäßige 180-Wh-XPro-Rangeextender bringt die Gesamtkapazität auf satte 810 Wh.
Damit schlägt BH beim iGravelX einen anderen Weg ein als die meisten anderen E-Gravelbikes, die vor allem mit möglichst geringem Gewicht und einem Hauch zusätzlicher Unterstützung punkten wollen. Hier geht es um Ausdauer. Um lange Tage im Sattel, viel Gepäck und Strecken, die ohne Motor schnell zur sportlichen Herausforderung werden.
Puristen dürften trotzdem die Stirn runzeln: Bikepacking steht schließlich für Unabhängigkeit, Reduktion und die Freiheit, einfach loszufahren. Ein E-Bike braucht dagegen Strom – und damit unterwegs auch Zeit zum Nachladen. Wer mehrere Tage unterwegs ist, muss seine Route entsprechend planen und Ladepausen an Campingplätzen, in Cafés oder Unterkünften einplanen.
Das ändert allerdings nichts am eigentlichen Reiz des Konzepts. Denn nicht jeder kann oder will ein voll bepacktes Gravelbike über viele Stunden und lange Anstiege aus eigener Kraft bewegen. Der Motor öffnet die Welt des Bikepackings damit einer deutlich größeren Zielgruppe. Vielleicht ist genau das die spannendste Seite des iGravelX: Es macht Bikepacking nicht unabhängiger, aber zugänglicher.
E-Gravelbikes setzen häufig auf möglichst leichte Antriebe und kompakte Akkus. BH geht einen anderen Weg. Im Unterrohr steckt ein üppiger 630-Wh-Akku, dazu gehört bei allen Modellen der 180 Wh große XPro-Rangeextender. Das macht zusammen stolze 810 Wh an Akkukapazität.
BH nennt bis zu 150 Kilometer Reichweite mit dem integrierten Akku allein. Mit montiertem XPro sollen bis zu 190 Kilometer drin sein. Wie weit die Fuhre tatsächlich kommt, hängt natürlich stark von Unterstützungsstufe, Gelände, Systemgewicht und Fahrstil ab.
Interessant klingt die Dual-Discharge-Technologie. Interner Akku und XPro können gemeinsam oder unabhängig voneinander Energie liefern. Das soll eine gleichmäßige Unterstützungsleistung sicherstellen, bietet aber auch die Möglichkeit, für kurze Touren das Bike nur mit dem Rangeextender zu betreiben, um Gewicht zu sparen.
Noch bemerkenswerter als der große Akku: BH verpflanzt einen neuen SEG-BLM-Motor ins iGravelX. SEG Automotive entwickelt und fertigt die Antriebseinheit in Spanien. Der 80 Nm starke Motor soll 2,1 Kilogramm wiegen. Bei der Spitzenleistung nennt BH bis zu 700 Watt.
BH verspricht zudem ein leises Aggregat, gleichmäßige Unterstützung und keinen spürbaren Tretwiderstand bei ausgeschaltetem Motor. Sensoren für Drehmoment, Trittfrequenz und Geschwindigkeit arbeiten kontaktlos und erfassen laut Hersteller bis zu 1.000 Messungen pro Sekunde. Dadurch soll die Unterstützung besonders direkt auf die Pedalbewegung reagieren.
Die Bedienung übernimmt ein Paar iButtons am Lenker. Ein Display im Oberrohr informiert unter anderem über Geschwindigkeit, Unterstützungsmodus, Akkustand, Reichweite, Leistung, Trittfrequenz und Drehmoment. Über die SEG-eBike-App lassen sich zudem fünf Parameter pro Unterstützungsprofil individuell anpassen.
Beim Rahmen setzt BH auf eine neue Carbon-Konstruktion. Das Ballistic Carbon Layup soll geringes Gewicht mit hoher Steifigkeit und Widerstandsfähigkeit verbinden. Zusätzlich kommt die bereits bei anderen Carbonrädern der Marke eingesetzte HCIM-Technologie zum Einsatz. Sie kontrolliert die innere Struktur des Rahmens und soll den Materialeinsatz gezielt optimieren.
Die neue Carbon-Gabel schafft Platz für Reifen bis 50 Millimeter Breite. Damit öffnet BH dem iGravelX die Tür weit in Richtung grober Schotterpisten und leichter Trails. Gleichzeitig verspricht der Hersteller eine Geometrie, die Komfort auf langen Distanzen mit präzisem Handling verbinden soll.
Wer mit dem iGravelX nur schnell zum Bäcker rollt, nutzt sein Potenzial nicht aus. Rahmen und Gabel bieten zahlreiche Befestigungspunkte für Taschen, Gepäckträger und Co. Zusammen mit den 50 Millimetern Reifenfreiheit und dem großen Akku schielt das Bike klar in Richtung lange Touren und Bikepacking-Trips mit viel Gepäck.
Auch an schicken Details hat BH nicht gespart. Die Züge verschwinden dank ACR-System vollständig im Rahmen, die Sattelstützenklemmung integriert BH unsichtbar im Sitzrohr. Dazu kommen UDH-Schaltauge, 12-Millimeter-Steckachsen mit abnehmbaren Schnellspanner und ein abgedichteter Ladeanschluss am unteren Sitzrohr.
BH bringt das iGravelX in fünf Varianten. An der Spitze steht das iGravelX Carbon 2.9 mit Shimano GRX Di2 und Vision TC45 Carbonlaufrädern. Darunter folgen das Carbon 2.8 mit 24-Gang-GRX und das Carbon 2.7 mit 12-Gang-GRX.
Wer weniger Geld investieren möchte, greift zu den Aluminium-Modellen iGravelX 2.4 oder 2.2. Sie unterscheiden sich ebenfalls über ihre Shimano-GRX-Ausstattung mit 24 beziehungsweise 12 Gängen. Die Carbonmodelle gibt es in S, M, L und XL, die Alu-Varianten in S, M und L.
Die Preise starten bei 3.699,90 Euro und reichen bis 6.999,90 Euro für das Topmodell.
Das iGravelX denkt E-Gravelbike und Bikepacking konsequent weiter: 810 Wh, 80 Nm und 50 Millimeter Reifenfreiheit zielen klar auf lange Touren mit viel Gepäck. Zwar macht der Motor regelmäßige Ladepausen nötig, dafür öffnet er das Bikepacking einer größeren Zielgruppe. Das iGravelX macht Bikepacking nicht unabhängiger, aber zugänglicher.
Doch wie seht ihr das? Immer mehr Hersteller nehmen motorisierte Gravel- und Bikepacking-Bikes ins Programm. Eine sinnvolle Entwicklung, die das Abenteuer mehr Menschen zugänglich macht – oder widerspricht die Motorunterstützung dem Grundgedanken von Freiheit und Selbstbestimmung auf zwei Rädern? Muss man sich das Abenteuer selbst erkurbeln? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare – wir freuen uns auf eure Antworten!

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.