Die kleine britische Manufaktur Shand Cycles stammt aus Schottland – und genau das spürt man beim Stramash in jedem Detail. Der Name bedeutet im Schottischen so viel wie „Krawall“ oder „Aufruhr“. Passend für ein Bike, das klassische Gravel-Grenzen bewusst ignoriert. Das Stramash ist der neuste Zuwachs im Shand-Portfolio und wurde für 2026 umfassend überarbeitet. Herzstück bleibt ein in Großbritannien handgefertigter Stahlrahmen aus Columbus-Life-Rohren, kombiniert mit einer Carbon-Gabel und einer Reifenfreiheit bis 700 x 50 mm. Dazu kommen zahlreiche Montagepunkte für Taschen, Schutzbleche und Anything-Cages.
Schon auf den ersten Blick wird klar: Das Stramash versteht Gravel nicht als Rennsport-Disziplin, sondern als Abenteuer-Plattform. Die Geometrie fällt entspannter aus als bei vielen modernen Race-Gravelbikes. Der Lenkwinkel von 70,5 Grad, 435 Millimeter lange Kettenstreben und ein tiefer Tretlager-Drop sollen Laufruhe und Sicherheit auf losem Untergrund bereitstellen. Gerade auf ruppigen Schotterpisten will das Bike seine Stärken ausspielen. Als Everyday-Gravelbike bietet sich das Shand als britscher Gentleman an: kontrolliert und souverän mit einer Portion Charme und Understatement. Gravelbiker, die es auf die Spitze treiben wollen, können das Stramash gegen 500 Pfund Aufpreis auch mit individueller Custom-Geometrie ordern.
In Zeiten ultraleichter Carbonrahmen wirkt ein handgebautes Stahlbike fast rebellisch. Doch genau darin liegt der Reiz. Stahl vermittelt ein einzigartiges Fahrgefühl: lebendig, elastisch und angenehm gedämpft. Gerade auf langen Distanzen entsteht dadurch ein Komfort, den viele Fahrer als „natürlicher“ empfinden. In Gravel-Communities wird genau diese Charakteristik regelmäßig diskutiert. Viele Fahrer beschreiben hochwertige Stahlrahmen als besonders resonant. Shand setzt bewusst auf Stahl – nicht aus Nostalgie, sondern wegen Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Fahrkomfort. Das passt perfekt zur Philosophie des Bikes. Beim Lack können Kunden aus sieben schicken Optionen wählen oder 150 Pfund für eine Custom-Lackierung drauflegen.
Technisch zeigt sich das Shand Stramash außergewöhnlich flexibel. Besonders spannend ist das eigens entwickelte Ausfallende: Es unterstützt moderne UDH-Schaltwerke, Gates-Riemenantriebe und Rohloff-Speedhub-Nabenschaltungen zugleich. Der multifunktionale Tretlagerbereich erlaubt sowohl klassische T47-Lager als auch Exzenterlösungen für Singlespeed- oder Riemenantriebe. Sogar eine SON-Lichtanlage mit Nabendynamo und USB-C-Ladeport kann konfiguriert werden. Je nach Aufbau soll das Stahl-Gravelbike von Shand zwischen neun und elfeinhalb Kilo wiegen.
Die vielfältigen Aufbau-Optionen machen klar: Das Stramash richtet sich nicht nur an klassische Gravelfahrer, sondern auch an Langstrecken-Abenteurer und Bikepacker, die maximale Zuverlässigkeit suchen. Der Preis fällt entsprechend exklusiv aus. Komplettbikes starten bei rund 5.500 Pfund, individuelle Wunschaufbauten treiben den Betrag deutlich nach oben. Wer alle Kästchen im Online-Konfigurator anklickt, landet bei knapp 8100 Britischen Pfund. Die Lieferzeit beträgt zwischen sechs und acht Wochen.
Das Shand Stramash ist mit seinem robusten und kostspieligen Stahlrahmen eben trotz großer Variabilität kein Bike für jedermann. Wer ein leichtes Race-Gravelbike für schnelle Feierabendrunden sucht, findet günstigere und sportlichere Alternativen. Aber genau darin liegt die Stärke des schottischen Gravelbikes: Das Stramash folgt keinem Trend. Es ist ein charakterstarkes Abenteuer-Bike für Fahrer, die Wert auf Handwerkskunst, Langlebigkeit und Vielseitigkeit legen. Ein Bike für die lange Route statt den kürzesten Weg. Und vielleicht ist genau das heute radikaler denn je.
Zum Fuhrpark meiner Familie gehört auch ein Gravelbike von Shand. Mit einem in Großbritannien handgefertigten Stahlrahmen ist es meiner Erfahrung nach extrem robust und zuverlässig. Auch optisch gefällt mit die Arbeit der Schotten. Die Optionen auf Riemenantrieb, Singlespeed oder Nabenschaltung sind ein echter USP. Das Shand Stramash dürfte ein charismatischer Begleiter fürs ganze Leben sein. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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