Mit dem CarboKev schlägt der australische Hersteller Curve Cycling ein neues Kapitel im Highend-Gravelbau auf. Der in Melbourne entwickelte und gefertigte Rahmen kombiniert Carbon und Titan auf ungewöhnliche Weise – und zielt nicht nur auf maximale emotionale Erregung, sondern auch auf eine gut betuchte Käufergruppe. Doch hinter dem spektakulären Materialmix steckt mehr als nur ein Showbike: Der CarboKev ist das Ergebnis intensiver Entwicklungsarbeit, zahlreicher Tests und einer klaren Philosophie.
Das Herzstück des CarboKev ist seine Hybridkonstruktion aus Carbonrohren und 3D-gedruckten Titan-Strukturen. Während viele Hersteller auf reine Werkstoffe setzen, verfolgt Curve einen differenzierten Ansatz: „Das richtige Material am richtigen Ort“. Der Rahmen ist bewusst in zwei Funktionszonen unterteilt:
Im Ergebnis verspricht Curve ein spürbar steiferes Fahrverhalten im Antrieb, ohne die für Titan typische Compliance vollständig aufzugeben. Laut Hersteller liegt der Rahmen zudem rund 250 Gramm unter dem Gewicht vergleichbarer Titanmodelle, wobei die Gewichtsersparnis gar nicht primäres Entwicklungsziel war.
Eine Schlüsselrolle spielen die 3D-gedruckten Titan-Lugs, die als Verbindungselemente zwischen den Carbonrohren dienen. Diese ermöglichen nicht nur komplexe Formen und präzise Materialverteilung, sondern auch eine gezielte Abstimmung von Steifigkeit und Haltbarkeit.
Die Verbindung erfolgt über aufwendige Klebeprozesse mit sogenannten Double-Lap-Joints, die eine besonders große Kontaktfläche und hohe strukturelle Integrität gewährleisten sollen. Diese Bauweise wurde laut Curve gezielt auf Langlebigkeit und Belastbarkeit unter extremen Bedingungen ausgelegt.
Insgesamt will das Curve CarboKev kein klassisches Gravelbike, sondern ein technologisches Experiment mit klarer Rennsport-DNA sein. Die Kombination aus Carbon und Titan ist nicht neu – die konsequente funktionale Trennung der Materialien und die Umsetzung mittels 3D-Druck und aufwendiger Klebetechnik bleibt jedoch etwas Besonderes.
Curve bezeichnet den Gravel-Racer CarboKev als das bisher am intensivsten getestete Modell der Firmengeschichte. Der Rahmen musste zahlreiche Belastungstests über sich ergehen lassen, darunter Labortests nach industriellen Standards sowie reale Extrembelastungen mit wiederholtem Nachbearbeiten, Schleifen und Neubonden einzelner Bereiche. Mit dieser intensive Entwicklungsphase will das australische Label den Anspruch, eine neue Benchmark im Bereich Hybridrahmen zu setzen, unterstreichen – insbesondere im Hinblick auf strukturelle Sicherheit und Dauerhaltbarkeit.
Geometrisch ist der CarboKev klar auf Geschwindigkeit ausgelegt. Ein niedriges Frontend, kombiniert mit breiten Reifenfreigaben bis zu 29 x 2,2 Zoll, zeigt die Ausrichtung auf moderne Gravel-Rennen. Zu den weiteren Features gehört eine vollintegrierte Zugverlegung, eine Race-orientierte Geometrie, welche basierend auf Bikefitting-Daten auch individuell angepasst werden kann und die Kompatibilität mit aktuellen Antriebsstandards.
Trotz Hightech-Anspruch bleibt der Curve CarboKev Rahmen ein Manufakturprodukt. Entwicklung, Ausrichtung, Verklebung und Finish erfolgen in Melbourne. Einzelne Komponenten – etwa Titanteile oder Carbonrohre – stammen von spezialisierten Partnern, werden aber im eigenen Haus verarbeitet. Dieser Ansatz verspricht nicht nur eine hohe Qualitätskontrolle, sondern auch weitreichende Individualisierungsmöglichkeiten für Kunden.
Neben der Technik setzt Curve auch optisch ein Statement: Die serienmäßige „Splatter“-Lackierung ist von der Ästhetik der 90er-Sneakerkultur inspiriert und macht jedes Rad zum Unikat. Individuelle Lackierungen sind selbstverständlich ebenfalls möglich. Angesichts des hohen Preises bleibt das Curve CarboKev Gravelbike allerdings ein exklusives Nischenprodukt – und genau das dürfte Teil seines Reizes sein.
Als ich das Curve CarboKev das erste mal sah, ist mir fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen. So ein aufregendes Gravelbike gibt es nicht an jeder Ecke. Die sünhaft teure Cutsom-Perle vom anderen Ende der Welt hat sich tief in meine Gehirnwindungen eingebrannt. Technisch und optisch ist das Curve CarboKev definitiv eines der aufregendsten Gravelbikes dieses Planeten. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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