Ich bin immer noch auf der Suche nach dem Traum-Gravelbike für meine Frau. Nach Rose Backroad FF und Cube Nuroad SL steigt nun das Propain Terrel CF in den Ring. Mittels Konfigurator lässt sich ein individuelles Traumbike spezifizieren. Aber muss ich dafür unser Budget von 4.000 Euro knacken?
Für mich ist das Propain Terrel CF ein echter Volltreffer. Der vielseitige Baukasten des Herstellers erlaubte es mir, das Rad präzise auf die Komfort-Bedürfnisse meiner Frau abzustimmen – vom kurzen Vorbau bis zum ergonomischen Carbon-Lenker. Gepaart mit den fetten Zipp-Aero-Laufrädern und dem Elektronik-Schnapper bei der Schaltung haben wir ein absolutes Traum-Setup ergattert. Dass meine Frau am Ende glücklich das edle Gold-Design einloggte, machte unseren Samstagabend perfekt.
Man sagt ja, Ehen werden im Himmel geschlossen. Aber die wahre Zerreißprobe findet auf der Erde statt – genauer gesagt im Online-Konfigurator eines Fahrradherstellers. Mein Auftrag war klar, aber keineswegs einfach: Ich suche immer noch das ultimative Traum-Gravelbike für meine Frau. Ihr täglicher Arbeitsweg ist kein sanfter Asphaltstreifen, sondern eine ordentliche Ansage – gut 30 Kilometer Schotter hin und zurück. Das Budget? Solide 4.000 Euro, komplett abgedeckt über das Jobrad-Leasing des Arbeitgebers.
Die Krux an der Sache lag im Anforderungsprofil meiner besseren Hälfte. Gewünscht war ein Bike, das optisch nach messerscharfem World-Tour-Rennpferd aussieht, sich im Fahrverhalten aber anfühlt wie ein tiefenentspannter Haflinger. Schick-racig fürs Auge, aber maximal komfortabel für den Allerwertesten.
Zunächst hatte ich zwei der üblichen Verdächtigen im Visier: Das Cube Nuroad SLX und das Rose Backroad FF. Das Rose-Modell sah zwar verdammt schnell aus, fiel in der Praxis jedoch viel zu sportlich gestreckt aus – Sturzflug-Haltung ist auf dem Weg ins Büro eher semi-optimal. Das etwas komfortablere Cube hatte deshalb lange Zeit die Nase vorn. Doch genau in dem Moment, als ich den Bestellbutton drücken wollte, betrat ein neuer Kandidat den Ring: Das Propain Terrel CF.
Propain? Die Bikeschmiede vom Bodensee kennt man eigentlich nur von abfahrtslastigen Full-Suspension-Mountainbikes, mit denen man sich todesmutig verblockte Alpentrails hinabstürzt. Mit dem Terrel CF haben die Oberschwaben ihr allererstes Gravelbike im Programm. Dass das Bike was drauf hat, weiß ich von unserem Testteam: „Sportlich, komfortabel, clever ausgestattet und richtig schnell“ urteilten die Kollegen.
Besonders spannend: Der Rahmen aus High-Modulus-Carbon bringt echte Mountainbike-Gene mit. Er verfügt über einen flachen Lenkwinkel für enorme Laufruhe und eine massive Reifenfreiheit von bis zu 50 Millimetern. Dazu kommt ein cleveres, klapperfreies Staufach im Carbon-Unterrohr – quasi der integrierte Kofferraum für Windjacke und Energieriegel.
Der größte Trumpf von Propain ist der hauseigene Online-Konfigurator, in dem man fast jedes Bauteil einzeln bestimmen kann. Da die Kollegen warnten, dass das Terrel tendenziell groß und lang ausfällt, griff ich nach Rücksprache mit dem Hersteller und einem Abgleich der biometrischen Daten meiner Frau direkt zu Rahmengröße S. Bloß keine zu gestreckte Sitzposition riskieren!
Beim Cockpit schlug dann die Stunde der Individualisierung. Standardmäßig verbaut Propain einen Alu-Lenker von Sixpack mit stolzen 136 mm Drop (dem vertikalen Abstand zwischen Ober- und Unterlenker). Für ein modernes Gravelbike ist das etwas tief – im Untergriff würde meine Frau schon nach der ersten Pendelwoche eine Bandscheibe vermissen.
Also wechselte ich in die Carbon-Kategorie. Für einen Aufpreis von 130 Euro wanderte der 420 mm breite Sixpack Carbon-Lenker in den Warenkorb. Der bietet nicht nur einen deutlich entspannteren Drop von nur 115 mm, sondern spart im Vergleich zum Alu-Pendant auch noch 120 Gramm Gewicht ein. Kombiniert mit einem großzügigen Spacer-Turm von 30 mm (um die Front anzuheben) und einem mit 70 mm knackig kurzen Vorbau war die Komfort-Geometrie perfekt eingeloggt.
Bei der Schaltgruppe fackelte ich nicht lange. Die standardmäßige, mechanische Shimano GRX 610 ist zwar solide, aber bei einem Budget von 4.000 Euro will man bei einem Direktversender gefälligst elektronisch per Funk schalten. Propain lieferte hier das perfekte Timing: Die SRAM Rival XPLR AXS 1x13 war im Konfigurator reduziert. Statt 490 Euro Aufpreis wurden lediglich 250 Euro fällig! Ein absoluter No-Brainer, der den Zwischenstand auf faire 3.179 Euro schraubte. Auf die teure und ein halbes Kilo schwere Dropper-Post mit 75 mm Hub verzichtete ich dankend – auf der flachen Pendelstrecke ins Büro gibt es glücklicherweise keine alpinen Steilhänge, die ein Absenken des Sattels erfordern.
Damit war noch genug Luft im Budget für das optische Highlight: Die Laufräder. Denn seien wir ehrlich – ein Gravelbike kann noch so gut fahren, ohne Aero-Carbonfelgen dreht sich vor dem Café einfach keiner um. Die standardmäßigen Alu-Laufräder von DT Swiss flogen hochkant raus. Die Newmen Advanced Carbonräder waren mir mit 34 mm Felgenhöhe zu unauffällig, die wunderschön geschwungenen Fulcrum Sharq GR sprengten mit 1.705 Euro Aufpreis jeglichen finanziellen Rahmen.
Die Rettung: Die Zipp 303 XPLR S. Mit einer fetten Profilhöhe von 54 mm verleihen sie dem Bike genau diesen martialischen High-End-Rennlook, den sich meine Frau gewünscht hatte. Aufpreis: 990 Euro. Zusammen mit den stylischen Schwalbe G-One R Pro Reifen inklusive klassischer, beigefarbener Tanwall-Seitenwand war das technische Kunstwerk vollendet.
Ein nervöser Blick auf die Gesamtsumme: 4.169 Euro. Eine Punktlandung! Dank des SRAM-Rabatts lagen wir nur hauchzart über dem Jobrad-Budget. Stolz wie ein spanischer Torero marschierte ich mit dem fertigen Setup zu meiner Frau, um ihr die Schaltpräzision der AXS und die aerodynamischen Vorzüge der 54-mm-Carbonfelgen zu erläutern.
Ihre Aufmerksamkeit hielt sich – gelinde gesagt – in engen Grenzen. Während ich noch über die Vorzüge des geschraubten T47-Tretlagers referierte, war sie längst im Farbtableau von Propain versunken. Und während die technische Konfiguration mich etwa zwei Stunden harte Recherche gekostet hatte, mutierte die Auswahl des Designs zur abendfüllenden Beschäftigungstherapie.
Nach gefühlt hunderten Kombinationen stand das visuelle Konzept fest: Der Rahmen erstrahlt im dezent-edlen "Moon Shine" (einem eleganten, unaufgeregten Ton), kontrastiert durch minimalistische Decals in der Größe Small und der Farbe "Shakima Gold". Auch das metallene Steuerrohr-Emblem an der Front wurde passend in Shakima Gold eingeloggt.
Das Fazit am Samstagabend fiel auf beiden Seiten harmonisch aus. „Saugeiles Bike!“, sagte ich mit Blick auf die Komponenten. „Ja, sieht echt super aus!“, sagte meine Frau mit Blick auf das Gold-Emblem.
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