Premium-Ausstattung um 4.000 EuroCube Nuroad C:62 SLX und Rose Backroad FF im Duell

Josh Welz

 · 16.06.2026

Das Cube Nuroad C:62 SLX: feiner Carbonrahmen, elektronische Sram Force XPLR AXS-Gruppe und High-Profile-Carbonlaufräder von Zipp. Das Edelpaket gibt es für verlockende 3.999 Euro.
Foto: Cube

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​Wer ein schickes Race-Gravelbike im vernünftigen Preissegment sucht, findet im Cube Nuroad C:62 SLX und Rose Backroad FF zwei absolute Traumangebote. Welcher Carbon-Renner bietet das bessere Paket?

Themen in diesem Artikel

​Sagen wir es, wie es ist: Zu Hause habe ich im Grunde wenig zu melden. Wandfarbe, Kindererziehung, Abendprogramm oder Urlaubsziel – das nicke ich meistens nur ab. Doch bei einem Thema überlässt meine Frau mir völlig freie Hand: Fahrräder. Ich darf sie am Wochenende putzen, nach Feierabend reparieren, vor der Ausfahrt aufpumpen... Und nun bekam ich sogar den ultimativen Marschbefehl: Ich darf ihr ein neues Bike anschaffen.

Gesucht wird der perfekte Untersatz für die tägliche 30-Kilometer-Pendelstrecke durch den Perlacher Forst zur Arbeit und zurück. Ohne dass meine Frau es ausspricht, weiß ich, was ihr vorschwebt: ein Gravelbike. Und wie ich meine Frau kenne, soll das Rad im schicken Race-Look erscheinen, sich auf den ruppigen Forstwegen aber so sänftenmäßig fahren, dass man entspannt und ohne Rückenschmerzen im Büro ankommt. Autsch. Ein rassiges Rennpferd mit dem Gemüt eines Haflingers also? Das wird nicht einfach. Der finanzielle Rahmen lässt zumindest etwas Spielraum: Rund 4.000 Euro, denn diese Marke ist mit dem Jobrad-Limit ihres Arbeitgebers abgedeckt.

Die Recherche begann standesgemäß mit einer gehörigen Portion Wehmut. Die italienischen Traditionsmarken treffen in Sachen Style natürlich voll ins Schwarze (nicht nur bei meiner Frau). Doch der Blick in die Preislisten holte mich brutal auf den Boden der Tatsachen zurück: Im Segment um 4.000 Euro bekommt man bei den Südländern oft nur mager ausgestattete Basismodelle – quasi die nackte Pizza Margherita ohne schmackhaften Belag. Realiltätscheck: Wer geht schon mit dem Monatslohn eines Busfahrers zum Luxushopping auf die Maximiliansstraße? Eben. So gesehen ging meine Google-Reise gar nicht erst über den großen Teich zu den hippen Highend-Kultmarken: Wer dort edle Carbonfelgen und eine elektronische Schaltung erwartet, muss erst den Familienurlaub stornieren. Das war bei uns nicht gewollt.

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High-Profile-Carbonfelgen und elektronische Schaltungen

Also, wo bin ich am Ende gelandet? Natürlich bei Cube und - vielleicht nicht ganz so natürlich - bei Rose. Das Cube Nuroad C:62 SLX für punktgenaue 3.999 Euro und das brandneue Rose Backroad FF GRX/XT Di2 für 4.300 Euro. Zwei Gravelbikes, die die klassischen Ausstattungsgewohnheiten in diesem Preisbereich fast schon ins Lächerliche ziehen und zudem mörderschick aussehen. Beide Hersteller schicken ihr bestes Carbongeflecht ins Rennen, garniert mit elektronischen Schaltungen der Oberklasse und verziert mit aerodynamischen High-Profile-Carbon-Laufrädern. Ein Duell auf Augenhöhe, bei dem die Details entscheiden, ob ich zu Hause als Held gefeiert werde oder am Wochenende den ganzen Zweirad-Fuhrpark putzen darf.

Bevor wir tief in den Vergleich der technischen Einzelheiten eintauchen, lohnt sich ein Blick auf die DNA der beiden Kontrahenten. Cube, beheimatet im oberpfälzischen Waldershof, gilt seit Jahrzehnten als der unangefochtene Meister der kalkulatorischen Vernunft. Die Bayern schaffen es durch enorme Stückzahlen immer wieder, Edel-Komponenten an ihre Räder zu schrauben, bei denen der Konkurrenz vor Verzweiflung die Tränen in die Augen schießen. Rose Bikes aus Bocholt wiederum hat das alte biedere Versender-Image längst abgelegt und sich zur designstarken Fahrradschmiede gemausert. Die Bocholter lieben schicke Systemintegration und clevere Ingenieurskunst. Mit der neuen FF-Plattform (Fast Forward) zielt Rose scharf auf die Gravel-Race-Szene, während Cube mit der Nuroad-Serie traditionell den etwas volkstümlicheren Ansatz verfolgt.

Geometrie und Rahmen

Cube setzt beim Nuroad auf seine bewährte C:62 Advanced Twin Mold Technology. Das Narrativ der Oberpfälzer: Durch das Hinzufügen von Nanopartikeln im Harz und einen hohen Anteil an High-Modulus-Fasern erreicht man einen leichten, steifen Rahmen. Hört sich auf jeden Fall gut an. Und auch die Zahlen lesen sich gut: Bei rund 1.150 Gramm in Größe M pendelt sich laut Hersteller das Rahmengewicht auf der Waage ein. Rose kontert beim Backroad FF mit einem hochentwickelten High-Modulus-Carbon-Layup, das verschiedene Steifigkeitsklassen kombiniert. Mit etwa 1.070 Gramm in Größe M soll der Rose-Rahmen sogar etwas leichter als der des Cube.

In der Praxis ist der Charakterunterschied der Geometrien jedoch gravierender als die paar Gramm Gewichtsunterschied. Cube spendiert dem Nuroad eine „Gravel Endurance Geometrie“. Das bedeutet: Ein spürbar höherer Stack, gepaart mit einem moderaten Reach sorgt für eine entspanntere, aufrechtere Sitzposition. Das Rose Backroad FF hingegen macht seinem Namen „Fast Forward“ alle Ehre. Die Geometrie orientiert sich stark am Straßen-Aero-Renner Xlite. Ein niedriger Stack und ein langer Reach zwingen den Piloten in eine tiefere aerodynamische Position, die viel Druck auf die Handgelenke bringt.

Geometriedaten im Vergleich

Cube Nuroad C:62 SLX (Gr. M)Rose Backroad FF (Gr. M/L)
Sitzrohrlänge (mm)490525
Oberrohr horizontal (mm)560564
Steuerrohrlänge (mm)155153
Lenkwinkel (°)71,572,25
Sitzwinkel (°)73,974,5
Kettenstrebenlänge (mm)440420
Radstand (mm)10461030
Reach (mm)393405
Stack (mm)579574
Stack-to-Reach-Verhältnis1,47 (moderat)1,42 (sportlich)

Antrieb und Schaltung

Die Antriebskonzepte könnten unterschiedlicher nicht sein – hier trifft Sram auf Shimano, und Gravel-Komponenten mixen sich mit Mountainbike-Genen. Cube verbaut ein Sram AXS System im sogenannten „Mullet-Aufbau“. Vorne arbeitet eine noble Sram Force XPLR E1 Kurbel mit 40 Zähnen, während hinten ein robustes Sram GX Eagle AXS Transmission Mountainbike-Schaltwerk direkt am Rahmen (UDH-Standard) montiert ist. Dieses bedient eine riesige Kassette mit 10-52 Zähnen. Ein echter Clou: In der Kurbelachse ist bereits ab Werk ein Sram Force Powermeter zur Leistungsmessung integriert.

Rose geht einen völlig neuen Weg und präsentiert einen im doppelten Wortsinn elektrisierenden Komponentenmix. Kombiniert wird eine Shimano GRX 820 Kurbel (42 Zähne) mit dem neuen, elektrischen Shimano Deore XT Di2 Mountainbike-Schaltwerk. Geschaltet wird über die ergonomischen GRX Di2 ST-RX825 Hebel. Die Kassette: Rose nutzt ein spezielles 1x12-System mit einer Übersetzung von 9 bis 45 Zähnen. Auch Rose geizt nicht und spendiert dem Backroad FF einen hochwertigen 4iiii Precision 3+ Powermeter auf dem linken Kurbelarm.

Also, welcher Antrieb punktet höher? Geschmacksache. Die Sram Transmission am Cube schaltet extrem präzise unter voller Last, reagiert aber einen Hauch langsamer als das blitzschnelle Shimano Di2-System am Rose. In puncto Wertigkeit und Anschaffungskosten liegen die Sram Force Komponenten leicht über dem Shimano GRX/XT-Mix. Die Bandbreite des Cube ist mit 520 % dank des 52er-Rettungsrings gigantisch – ideal für steilste Rampen im Gelände. Rose bietet mit 500 % kaum weniger Bandbreite, punktet aber durch das kleinere 9-Zähne-Ritzel auf schnellen Asphaltpassagen mit einer engeren, sportlicheren Gangabstufung im mittleren Bereich.

Bremsen

Die Verzögerung wird bei beiden Boliden komplett hydraulisch gelöst und lässt keine Wünsche offen. Cube vertraut vollumfänglich auf die Sram Force AXS E1 Bremsanlage. Diese glänzt mit überarbeiteten Ergonomie-Hebeln, die im Vergleich zu den Vorgängern deutlich schlanker bauen und eine exzellente Hebelweiteneinstellung bieten. Bestückt ist das Nuroad mit 160-mm-Bremsscheiben an Front und Heck. Die Dosierbarkeit ist hervorragend, der Druckpunkt knackig, und auch bei langen Abfahrten zeigt die Force-Bremse keinerlei Fading.

Rose setzt auf die bewährte Shimano-Bremskompetenz und kombiniert die GRX ST-RX825 Di2-Schaltbremshebel mit den hydraulischen BR-RX820 Flat-Mount-Bremssätteln. Auch hier kommen standardmäßig 160 mm große Scheiben zum Einsatz. Shimano ist bekannt für seine Servo-Wave-Technologie, die dafür sorgt, dass die Beläge schnell anliegen und die Bremskraft danach sehr fein dosiert werden kann. Die GRX-Hebel bieten durch ihre geriffelte Oberfläche und die höhere Daumenauflage starken Grip im harten Gelände. Ein klares Unentschieden auf hohem Niveau.

Cockpit und Sattelstütze

Große Unterschiede in Sachen Cockpit: Cube wählt einen klassischen, wartungsfreundlicheren Ansatz. Zum Einsatz kommt ein zweiteiliges System aus einem Cube CIS Vorbau mit cleverer, unsichtbarer Kabelführung durch den Steuersatz und einem Newmen Advanced Gravel Bar Carbon-Lenker. Das bietet den Vorteil, dass Lenkerbreite oder Vorbaulänge unkompliziert angepasst werden können. Am Heck dämpft eine klassische, runde Newmen Advanced Carbon-Sattelstütze im Standardmaß von 27,2 mm.

Rose zieht beim Backroad FF alle Register moderner Aero-Integration. Im Werk in Bocholt wurde ein einteiliges Gravel-Carbon-Cockpit entwickelt, dessen abgeflachte, geschwungene Form an Adlerflügel erinnert. Die Kabel sind komplett unsichtbar. Dieses Cockpit sieht unverschämt gut aus und bietet super Aerodynamik, erlaubt jedoch keinerlei nachträgliche Anpassung von Vorbauwinkel oder -länge. Ähnliches auch bei der Sattelstütze: Die Rose Aero D-Shape Carbon-Stütze hat ein aerodynamisch optimiertes Profil und soll sehr gut flexen.

High-Profile-Carbon-Laufräder und Reifen

Die Laufräder sind ein weiteres Prunkstück dieser beiden Angebote. Cube montiert die brandneuen, 54 mm hohen ZIPP 303 XPLR S Carbon-Laufräder, die speziell für den modernen Gravel-Einsatz entwickelt wurden. Sie verfügen über eine üppige 32 mm breite Innenmaulweite und sind auf breite Reifen optimiert. Zipp steht für hohe Haltbarkeit und lebenslange Garantie. Als Reifen kommen die brandneuen Schwalbe G-One RX Pro in satten 45 mm Breite zum Einsatz. Das Nuroad bietet zudem eine maximale Reifenfreiheit von bis zu 50 mm.

Rose verbaut die hauseigenen GC50 Carbon-Laufräder mit einem 50 mm hohen Aero-Profil, die im Windkanal auf maximalen Speed getrimmt wurden. Sie sind im Set minimal leichter als die Zipp-Laufräder, im Aftermarket jedoch etwas günstiger einzustufen. Bei der Reifenwahl setzt Rose dem Einsatzbereich entsprechend auf den schnellen Maxxis Reaver Reifen in 45 mm Breite. Die maximale Reifenfreiheit des Rose-Rahmens ist auf 45 mm limitiert – mehr geht aufgrund der kurzen Kettenstreben und der Aero-Bauweise nicht.

Das Cube Nuroad C:62 SLX im Überblick

  • Preis: 3.999 Euro
  • Verfügbare Rahmengrößen: XS, S, M, L, XL
  • Rahmenmaterial: C:62 Carbonrahmen mit voll integrierter Zugführung
  • Maximale Reifenfreiheit: 50 mm
  • Antrieb/Schaltung: Sram Force XPLR AXS (1x12-fach Mullet-Setup) mit Sram GX Eagle AXS Transmission MTB-Schaltwerk, 40er Force-Kurbel inklusive integriertem Powermeter und 10-52er Eagle-Kassette
  • Bremsen: Hydraulische Sram Force AXS Scheibenbremsen (160/160 mm)
  • Laufräder: ZIPP 303 XPLR S Carbon-Laufradsatz mit 32 mm Innenmaulweite
  • Reifen: Schwalbe G-One RX Pro, 45 mm Breite
  • Gesamtgewicht: ca. 8,3 kg (Herstellerangabe)

Das Rose Backroad FF GRX/XT Di2 im Überblick

  • Preis: 4.300 Euro >> hier erhältlich
  • Verfügbare Rahmengrößen: XS, S, M, M/L, L, XL
  • Rahmenmaterial: Rose High-Modulus Race-Carbonrahmen und einteiligem Aero-Carbon-Cockpit
  • Maximale Reifenfreiheit: 45 mm
  • Antrieb/Schaltung: Shimano 1x12 GRX/XT-Di2-Mix: XT Di2 MTB-Schaltwerk, GRX 820-Hebel und -Kurbeln (42T) inklusive einseitigem 4iiii Precision 3+ Powermeter und 9-45er Kassette
  • Bremsen: Hydraulische Shimano GRX BR-RX820 Scheibenbremsen (160/160 mm)
  • Laufräder: Rose GC50 Carbon
  • Reifen: Maxxis Reaver, Exo, 45 mm Breite
  • Gesamtgewicht: ca. 8,1 kg (Herstellerangabe)

Fazit und Kaufentscheidung

Sowohl Cube als auch Rose liefern mit diesen Modellen absolute Traumbikes zu Sensationspreis. Wer maximale Aerodynamik, ein vollintegriertes Design und ein messerscharfes Handling sucht, greift zum Rose Backroad FF. Wer hingegen Wert auf Vielseitigkeit, große Reifenfreiheit, ein robustes Sram-Transmission-Schaltwerk und ein hohes Maß an Komfort legt, findet im Cube den perfekten Begleiter.

In puncto Preis-Leistungs hat das Cube Nuroad C:62 SLX hauchdünn die Nase vorn. Für 3.999 Euro bietet es das robustere Sram Transmission-Schaltwerk, die namhafteren Zipp Carbon-Laufräder sowie einen voll integrierten zweiseitigen Spindle-Powermeter. Zudem ist es 300 Euro günstiger als das Rose.

Und welches Bike bekommt meine Frau? Das Cube Nuroad C:62 SLX wird ihren Erwartungen besser gerecht. Das Rose Backroad FF ist ein sportliches Racebike, das im Alltag schnell unkomfortabel werden kann. Das Cube sieht ebenfalls extrem schick aus, hat aber die entspanntere, aufrechtere Sitzposition. Der gutmütige Haflinger im Kostüm eines Rennpferdes eben.

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Josh Welz

Josh Welz

Chefredakteur

Josh Welz ist studierter Sportjournalist und prägt als Chefredakteur die publizistische Ausrichtung der BIKE. 2016 griff Welz den E-Trend auf und entwickelte den Titel EMTB. Entsprechend bewegt er sich gerne zwischen den Welten. Da seine Begeisterung für knackige Trails aber größer ist als sein Trainingsfleiß, schlägt das Pendel häufig in Richtung „E“ aus.

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