​Gravel-GabelÖhlins federt jetzt auch Schotter

Dimitri Lehner

 · 22.10.2026

Braucht man im Schotter eine Federgabel? Öhlins meint: ja!
Foto: Öhlins
40 Millimeter Federweg, 1249 Gramm Gewicht, 895 Euro Preis: Mit der GXF30 M.1 bringt Öhlins seine erste Gravelgabel. Sie soll Hände schonen und Reifen am Boden halten – ohne aus dem Gravelbike ein Mountainbike zu machen.

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Gravelbikes sind Rennräder für Menschen, denen Asphalt langweilig geworden ist und Verkehr zu nervig. Doch mit dem Abenteuer kamen Waschbrettpisten, Wurzeln und müde Unterarme. Öhlins hält eine Federgabel für die passende Antwort.

Die GXF30 M.1 ist die erste Gravelgabel des schwedischen Fahrwerksspezialisten. Sie bietet 40 Millimeter Federweg, wiegt laut Hersteller 1249 Gramm und kostet 895 Euro. Seit dem 21. Oktober 2026 ist sie erhältlich – vorerst allerdings nur in einer weltweit auf 300 Exemplare begrenzten Startauflage. Passend zum 50. Firmenjubiläum trägt sie das bekannte Öhlins-Gelb. Dezente Zurückhaltung sieht anders aus.

40 Millimeter müssen reichen

Öhlins hat die GXF30 M.1 nicht einfach aus einer gekürzten Mountainbike-Gabel geschnitzt. Chassis und Dämpfung wurden eigens für Gravelbikes entwickelt. Der Federweg ist auf 40 Millimeter festgelegt. Wer später mehr oder weniger Hub möchte, müsste die Kolbenstangeneinheit tauschen. Zum Marktstart gibt es deshalb nur diese eine Variante.

Die Standrohre messen 30 Millimeter. Damit soll die Gabel leicht bleiben, aber präzise genug lenken. Laut Öhlins erreicht das Chassis etwa die Steifigkeit der hauseigenen XC-Plattform mit 100 Millimetern Federweg. Die schmaleren Gravelnaben sollen dabei helfen, den geringeren Rohrdurchmesser auszugleichen.

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Von der Starrgabel trennt die GXF30 ein Komfortpolster, von der Mountainbike-Gabel eine klare Grenze. Sie soll kleine Schläge glätten und das Vorderrad auf losem Untergrund beruhigen. Für Sprünge, grobe Trails und heldenhafte Fehlentscheidungen sind 40 Millimeter weiterhin wenig.

Drei Modi für den Arbeitstag

Im Inneren arbeitet die neue FTX14-Kartusche. Dabei handelt es sich um ein kompaktes Monotube-System, das Öhlins für den kurzen Federweg neu abgestimmt hat. Teile der Kolben- und Schaftkonstruktion stammen aus der aktuellen Cross-Country-Plattform; Ölführung und Ventile wurden dagegen an das Gravelbike angepasst.

Der Fahrer kann die Druckstufe am Gabelkopf verstellen. Zur Wahl stehen drei charmant benannte Modi: Business, Grind und Sprint. Offen arbeitet die Gabel sensibel, in der mittleren Stellung straffer, im Sprint-Modus verriegelt sie vollständig. Letzteres empfiehlt sich auf Asphalt und langen Anstiegen – oder immer dann, wenn Federbewegung hauptsächlich Energie und gute Laune kostet.

Zusätzlich lässt sich das Verhalten im offenen Modus fein abstimmen. Öhlins verspricht hohe Sensibilität bei kleinen Unebenheiten und genügend Gegenhalt bei stärkeren Schlägen. Ob das gelingt, muss ein Fahrtest klären. Das Press Kit fährt naturgemäß immer auf perfekter Linie.

Passt sie an jedes Gravelbike?

Nein. Die Einbauhöhe beträgt 445 Millimeter. Damit verändert die Gabel bei einem nicht dafür ausgelegten Rahmen möglicherweise Geometrie und Fahrverhalten. Vor dem Kauf sollte deshalb geklärt werden, ob der Rahmenhersteller eine Federgabel dieser Länge freigibt. Sonst wird aus mehr Komfort schnell ein flacherer Lenkwinkel samt höherem Cockpit.

Für die Bremse nutzt Öhlins den Flat-Mount-Standard. Vorgesehen ist eine 160-Millimeter-Scheibe. Reifen dürfen bis zu 52 Millimeter breit sein. Mit montiertem Schutzblech bleiben 47 Millimeter.

Der Luftdruck richtet sich nach dem Fahrergewicht. Öhlins empfiehlt beispielsweise 80 bis 93 psi für Fahrer zwischen 55 und 65 Kilogramm. Bei 75 bis 85 Kilogramm sind es 107 bis 121 psi, bei 95 bis 105 Kilogramm 134 bis 148 psi. Diese Werte dienen als Ausgangspunkt. Persönliche Vorlieben und Gepäck kennt auch die beste Tabelle nicht.

Für wen lohnt sich die GXF30?

Vor allem für Fahrer, die ihr Gravelbike häufig über schlechte Forstwege, steinige Pisten und ausgewaschene Abfahrten bewegen. Dort kann eine Federgabel die Hände entlasten, den Bodenkontakt verbessern und auf langen Touren Kräfte sparen. Auch bei schnellen Gravelrennen könnte mehr Traktion einen Vorteil bringen.

Dagegen stehen 1249 Gramm Gewicht, zusätzlicher Wartungsbedarf und ein Preis von 895 Euro. Eine gute Carbongabel ist leichter, einfacher und schweigt auch nach Jahren noch über einen fälligen Service. Wer überwiegend Asphalt und glatten Schotter fährt, wird die GXF30 deshalb eher besitzen wollen als benötigen. Manche Gravelbiker gehen noch weiter: für sie ist eine Federgabel am Gravelbike ein Anachronismus. Ein Stilbruch wie eine Pickup-Ladefläche am Porsche. Denn das Motto lautet: keep it simple, keep it light. In unseren Augen ist eine Federgabel als Komfortplus nur sinnvoll, wer sein Gravelbike in anspruchsvolles Gelände steuern will.

Zum Start verkauft Öhlins lediglich 300 gelbe Exemplare über sein Fast-Forward-Programm. Weitere Ausführungen dürften folgen, bestätigt sind sie im Press Kit jedoch nicht.

Die GXF30 M.1 schließt die Lücke zwischen starrer Gravelgabel und leichtem Cross-Country-Fahrwerk. Sie macht aus einem Gravelbike kein Mountainbike. Aber vielleicht aus einer ruppigen Abfahrt eine, bei der man unten noch Gefühl in den Fingern hat.

Öhlins GXF30 M.1: die Daten

  • Federweg: 40 mm
  • Standrohre: 30 mm
  • Dämpfung: Öhlins FTX14
  • Druckstufe: drei Positionen inklusive Lockout
  • Einbauhöhe: 445 mm
  • Gewicht: 1249 g
  • Bremse: Flat Mount, 160-mm-Scheibe
  • Reifenfreiheit: 52 mm, mit Schutzblech 47 mm
  • Preis: 895 Euro
  • Marktstart: 21. Oktober 2026
  • Startauflage: 300 Stück weltweit
  • Farbe: Öhlins Racing Yellow

Über Öhlins

​Öhlins baut Fahrwerke für Menschen, denen „passt schon“ nicht präzise genug ist. Motocrosser Kenth Öhlin gründete die Firma 1976 bei Stockholm; zwei Jahre später gewann Gennady Moiseev den ersten WM-Titel auf schwedischer Federung. Mehr als 460 Weltmeisterschaften folgten. Die gelben Federn und goldenen Gabelrohre wurden in MotoGP, Formel 1 und Rallyes zum Markenzeichen. Bekannt ist Öhlins vor allem für seine fein abstimmbare TTX-Zweirohrtechnik.

Ins Mountainbiking stieg die Marke 2013 ein. Zum wichtigsten Aushängeschild wurde der fünffache Downhill-Weltmeister Loïc Bruni, dessen Specialized-Team seit 2017 mit Öhlins arbeitet. Zudem unterstützt der Hersteller weitere Downhill- und Nachwuchsteams sowie im Cross-Country das BMC Factory Racing Team. Das Programm reicht von leichten XC-Gabeln bis zur DH38-Doppelbrückengabel und zum TTX22-Stahlfederdämpfer.

Seit 2025 gehört Öhlins zu Brembo, 2026 feiert die Marke ihr 50-jähriges Bestehen. Geblieben ist die alte Idee: Viel Leistung hilft wenig, wenn das Fahrwerk sie nicht auf den Boden bringt.

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Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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