Adrian Kaether
· 20.09.2026
Der Name ist etwas seltsam, zugegeben. Aber am Stand von Cykl (s. u.) haben wir die neue Gravel-Schaltung mit 14 Gängen schon entdeckt. Bislang gelten selbst 13 Gänge wie etwa bei Campagnolo in der Welt von Sram und Shimano mit 12 Gängen als exotisch. Das Argument: Mit 418 Prozent Bandbreite soll die R7 eine möglichst feine Abstufung bieten, ohne auf eine Zweifach-Kurbel angewiesen zu sein. Die asiatische Firma will hier eine neue Benchmark setzen und gleichzeitig bezahlbar bleiben. Schon jetzt ist die Schaltung komplett kabellos. Der Akku im Schaltwerk wird einfach per USB-C geladen und eine App ist auch geplant.
Die trauen sich was: Die kleine Carbon-Schmiede Eiros aus der Nähe von Barcelona hat kurz vor dem Sea Otter Festival ein neues E-MTB mit Mahle M40 Motor vorgestellt. Das Empor-E soll mit nur 18,5 Kilo trotz Mahle M40 Full-Power-Motor, 800 Wattstunden und Enduro-Komponenten das leichteste E-MTB seiner Klasse sein. Eiros greift dabei auf langjähriges Know-How aus der Carbon-Produktion für Supersportwagen zurück und will so bei einem auf 100 Stück limitierten E-MTB den Traumwert an der Waage schaffen. Dabei nimmt Eiros keine Rücksicht auf den Preis. Neben Kurbeln und Cockpit sind sogar Sattelklemme und Bremsaufnahme aus Carbon. Jedes der nur 100 exklusiv ausgestatteten Bikes wird voraussichtlich um 19.000 Euro kosten.
Am Stand der noch jungen deutschen Marke Avona konnten wir ein 32 Zoll Gravelbike entdecken. Das Rad sieht schon sehr seriennah aus, ist aber noch nicht offiziell vorgestellt. Ungewöhnlich: Das Avona gibt es auch in besonders kleinen Größen für FahrerInnen ab 1,65 Metern. Die Formen scheinen aerodynamisch optimiert. Bei der Ausstattung wie Kettenblatt, Sattelstütze und sogar den hauseigenen Faserwerk-Laufrädern hat Avona offenbar viel Arbeit in die Details gesteckt. Kein Wunder: Hinter Avona steckt viel technisches Know-How von Entwicklungs-Ingenieur Jonas Müller (Ex Arc8, BMC, Santa Cruz, DT Swiss).
Fast jede kleine Marke zeigt auf dem Sea Otter ein E-MTB mit Avinox-Motor. Ebenfalls mit dabei ist aber auch ein echter Riese aus der Motorrad-Industrie: Ducati. Anders als früher werden die neuen Ducati Bikes nicht mehr von Thok entwickelt sondern sind komplett eigenständige Produkte. Die E-MTBs 160 R (All Mountain, Mullet) und 170 RR (Enduro, Full-29) bieten zahlreiche Flip Chips an Dämpfer, Sitzstrebe und Kettenstrebe um die Geometrie auf die Präferenzen des Fahrers anpassen zu können. Neben den E-MTBs hat Ducati auf eigene Rennräder und Gravelbikes im Programm. Die bleiben technisch etwas unauffälliger, wirken aber mit gewebtem Carbon das von Motorrad-Zulieferer Diamant in Italien laminiert wird besonders edel.
Mit Firmengründer Antoine Lemur setzt ausgerechnet ein Carbon-Mann auf Titan. Der Franzose hat 2022 seine eigene Firma für Gravelbikes und Rennräder aus Titan nach Maß gegründet und sich mit seinem neuen Projekt “Faast” ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Dank einer Kombination aus Schweißen und 3D Druck soll der Rahmen vergleichbar leicht und vor allem aerodynamisch wie ein Carbon-Rahmen sein. Ein Blickfang ist die organisch geformte Titan-Optik des Bikes auf jeden Fall. Aktuell hat das Rad noch Prototypen-Status.
Außerdem gibt’s auf dem Sea Otter Europe eine ganze Reihe spannender 32 Zoll Konzepte zu sehen, die aber meist noch in unfertigem Erlkönig-Look auf dem Festival auflaufen. Der Star bei den Mountainbikes ist das neue KTM Scarp in 32 Zoll. Mit dem Prototyp des neuen Cross-Country-Bikes ist Langstrecken Ass Andreas Seewald bereits vor wenigen Tagen Weltmeister geworden und konnte sich das Regenbogen-Trikot überstreifen.
Auch Megamo aus Girona präsentiert gleich zwei 32er Konzepte. Das Cross Country Fully der Katalanen wirkt noch etwas prototypenartiger, während das 32 Zoll Gravelbike gleich mehrfach auf dem Festival zu finden war und bis auf wenige Details schon sehr seriennah aussieht.

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