Barbara Merz-Weigandt
· 29.06.2026
Das Kölner Unternehmen Igus präsentiert auf der Eurobike Messe eine elektrifizierte Version seines Kunststofffahrrads. Das Vorgängermodell legte auf einer Welttournee durch 25 Länder 6.000 Kilometer zurück und bewährte sich in verschiedenen Klimazonen. Diese Praxiserfahrungen flossen in die Entwicklung der E-Bike-Variante ein.
Jens Boldt, Leiter des Geschäftsbereichs Igus Bike, erklärt: “Wir sind überzeugt davon, ein E-Bike auf den Markt zu bringen, das nicht nur besonders langlebig ist, sondern konsequent im Kreislauf gedacht wird.” Alle Komponenten werden vor dem Einsatz im hauseigenen Testlabor geprüft.
Ein belgischer Partner sammelt verlorene Fischernetze von Booten in Küstennähe auf, reinigt diese und verarbeitet sie zu Kunststoffpulver. Laut Umweltschutzorganisation WWF besteht ein Drittel des weltweiten Plastikmülls in den Meeren aus Fischereigeräten wie Netzen und Tauen.
Die Materialwissenschaftler von Igus entwickelten ein Verfahren, bei dem 50 Prozent des Kunststoffs für den Fahrradrahmen aus diesem Recyclingmaterial bestehen. Die Herstellung erfolgt durch ein spezielles Verfahren, mit dem sich nahtlose und robuste Hohlkörper fertigen lassen. Die verfeinerte Methode ermöglicht eine höhere Steifigkeit des Rahmens.
Gleichzeitig konnten die Wandstärken reduziert werden, was ein schlankeres Rahmendesign erlaubt. Die neue Konstruktion mit Sitz- und Kettenstreben auf beiden Seiten verleiht dem orange-schwarzen Fahrrad eine markante Optik. Sattelstützen und Lenker fertigt Igus im Spritzgussverfahren. Wir konnten uns die Entstehung eines Igus Bikes bereits bei einem Werksbesuch ansehen.
Das für den Stadtverkehr konzipierte E-Bike arbeitet mit einem 60 Nm-Hinterradmotor. Ein Zahnriemen aus Carbonfasern und Kunststoff überträgt die Kraft. Der Akku ermöglicht eine Reichweite von bis zu 120 km. Das Singlespeed-E-Fahrrad wiegt 20 kg.
Metall kommt nur dort zum Einsatz, wo es technisch notwendig ist: bei der Federgabel, den Bremsscheiben und Bremszügen. Vom Fahrradrahmen über die Laufräder und die Sattelstütze bis hin zum Lenker besteht das E-Bike zu 50 Prozent aus Kunststoff.
Fahrräder, die im Stadtverkehr oft im Regen stehen, entwickeln häufig Rost an Kette, Sattelstütze, Speichen und Schweißnähten am Rahmen. Besitzer müssen Teile aufwendig reinigen, regelmäßig warten oder komplett ersetzen. Das Igus Bike kann jahrelang im Regen stehen, ohne zu korrodieren.
An den Lagerstellen entsteht auch kein Wartungsaufwand. Igus verwendet schmierfreie Gleitlager aus Hochleistungskunststoff an Bremshebeln, Pedalen und Dämpfern. Integrierte, mikroskopisch kleine Festschmierstoffe sollen einen dauerhaft reibungsarmen Trockenlauf ohne Schmieröl ermöglichen.
Das Igus Bike mit E-Bike-Motor reiht sich in den aktuellen Fahrradmarkt als eine umweltbewusste, technologische Innovation ein. Gleichzeitig positioniert sich Igus Bike im urbanen E-Bike-Segment, wo wartungsarme und wetterfeste Räder gefragt sind. Die Konstruktion spricht vor allem Flottenbetreiber oder auch Bike-Sharing-Anbieter an.
Im Vergleich zu klassischen E-Bikes, die oft aus Aluminium oder Stahl bestehen, nutzt Igus hier einen Rahmen aus recyceltem Kunststoff. Das verschafft ihm einen klaren Nachhaltigkeitsvorteil, denn es senkt den Bedarf an Neumaterial und gibt Plastik ein zweites Leben.

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