Sandra Schuberth
· 06.09.2026
Radfahren ist keine Selbstverständlichkeit. Spezialfahrräder wollen mehr Menschen das Radfahren ermöglichen und damit ein Stück Mobilität und Freiheit geben. Solche Spezialfahrräder sind zum Beispiel Dreiräder. Was aber, wenn man nicht allein Radfahren kann oder darf? Hier kommt dir vielleicht ein Tandem in den Sinn. Das neue Kettwiesel Two von Hase Bikes ist ein Parallel-Tandem, das heißt beide sitzen nebeneinander. Das Konzept ist dabei alles andere als neu, die Umsetzung hingegen schon: Hinter dem Two steckt eine Idee, die Firmengründer Marec Hase vor über 38 Jahren als Jugendlicher entwickelt hat – damals für einen blinden Freund, heute als serienreifes E-Bike mit Bosch-Antrieb und moderner Vollausstattung.
Dreiräder haben das Potenzial, echte Erlebnisse zu schaffen, sie ermöglichen Mobilität, Bewegung, frische Luft auch Menschen, denen Zweiräder zu unsicher sind oder die kein Fahrrad fahren können oder dürfen. Das Kettwiesel Two ist sicher kein Produkt für jede und jeden. Aber es gibt wohl mehr Menschen, denen ein solches Gefährt zu mehr Lebensqualität verhelfen würde, als man vermuten würde – Menschen in der Pflege, Paare mit unterschiedlicher Fitness, Familien mit eingeschränkten Angehörigen.
Allerdings gibt es auch Aufholpotenzial auf Seiten der Infrastruktur: Radwege und Radfahrstreifen, die schon für normale Fahrräder knapp bemessen sind, werden für ein Paralleltandem, wie auch für so manches Lastenrad zur echten Herausforderung. Wie breit das Kettwiesel Two ist, verrät weder die Webseite noch die Pressemitteilung. Lediglich das Packmaß – 117 cm Breite – wird genannt.
Wie zu erwarten muss für das Kettwiesel Two tief in die Tasche gegriffen werden: knapp 13.000 Euro für das Basismodell, ähnlich viel kostet auch das Strada Magic von Urban Fahrradbau, das wir kürzlich ausprobiert haben. Ein Tandem-Dreirad, bei dem beide hintereinander sitzen, die Köpfe aber nah beieinander sind, was Gespräche vereinfacht.
Fun Fact am Rande: Ich dachte seit Jahren, das Rad heißt Kettenwiesel – bis ich beim Schreiben dieses Artikels feststellte, dass es Kettwiesel heißt. Was habt ihr immer wieder falsch gelesen, falsch verstanden und irgendwann gecheckt, dass es eigentlich ganz anders heißt? Schreibt es in die Kommentare!
Das Kettwiesel Two ist vollständig gefedert: Eine Federgabel übernimmt vorne die Dämpfung, hinten sorgt ein MacPherson-Fahrwerk für Komfort auch auf unebenem Untergrund. Beide Sitze sind drehbar, das erleichtert den Einstieg aber auch den Umstieg aus dem Rollstuhl. Sitzposition, Neigung und Lenker lassen sich individuell anpassen, sodass das Rad wirklich auf zwei sehr unterschiedliche Menschen abgestimmt werden kann.
Angetrieben wird das Kettwiesel Two vom Bosch Performance Line CX mit 100 Nm – einem Motor, der auch bei Steigungen oder hoher Beladung (bis 240 kg) zuverlässig und feinfühlig unterstützt. Die Beleuchtung kommt von Busch & Müller und wird direkt über den Motorakku gespeist. Serienmäßig an Bord ist außerdem ein Korb vorne, der AtranVelo Duo Basket.
Für den Transport und die Lagerung lässt sich das Rad erheblich verkleinern: Sitzlehnen und Lenker werden eingeklappt, der Rahmen zusammengeschoben. Mit 180 × 117 × 69 cm und einem Gewicht ab 57,5 kg lässt es sich zu zweit aufrecht auf einen Pkw-Heckträger heben – Hase nennt hier Träger der Marke Allround als geeignete Option. Für das Heben auf den Heckträger müssen vielleicht Nachbarn, Freunde oder Bekannte eingespannt werden, wenn das selbst nicht geht.
Mit Zubehör lässt sich das Kettwiesel Two individualisieren: Armlehnen, Fußablagen und Sicherheitsgurte sind ebenso erhältlich wie Transportlösungen für Rollator, Rollstuhl oder Gehhilfen.

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