Urban Fahrradbau Strada Magic​Sicher zu zweit Radfahren

Sandra Schuberth

 · 23.08.2026

Längst nicht jeder kann Radfahren. Manche haben es nie gelernt, andere haben Einschränkungen. Spezialfahrräder wie das Magic von Urban Fahrradbau bieten Lösungen.
Foto: Nick Rotter
​Fahrräder sind der Inbegriff von Freiheit. Sie verleihen Mobilität, mit ihnen lassen sich Wege schnell zurücklegen, kleine und große Abenteuer erleben und Lasten transportieren. Aber es gibt Situationen, in denen kommt das klassische Zweirad an seine Grenzen. Manchmal reicht ein Motor, manchmal ein einfaches Anbauteil. Und manchmal braucht es ein Spezialfahrrad.

Themen in diesem Artikel

Uns begegnen immer wieder Menschen, die nicht oder nicht mehr allein Rad fahren können oder dürfen. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich. Aber es gibt Lösungen – sogenannte Spezialräder. Wie zermürbend es ist, plötzlich nicht mehr Rad fahren zu können, können wir nur erahnen: eine Erkältungspause zählt nicht. Wir wollten wissen: Was gibt es, und wie fährt es sich? Konkret suchten wir ein Rad, das Menschen mit Einschränkungen – etwa Gleichgewichtsstörungen nach einem Schlaganfall – das Fahren wieder ermöglicht, und das gleichzeitig einen sportlichen Aspekt bietet. Das Strada Magic von Urban Fahrradbau erfüllte unsere Kriterien: Drei Räder, zwei Menschen, geländetauglich.

​Das Strada Magic ist ein sportliches Rad, das Menschen mit körperlichen Einschränkungen neue Mobilität und Fahrspaß ermöglicht. - Sandra Schuberth, BIKE-Redakteurin

Drei Räder, zwei Menschen

Der Name Urban Fahrradbau ist nicht an das städtische Leben angelehnt. Alexander Urban gründete seine Firma 2012 – aber die Geschichte beginnt früher. Um das Jahr 2000 baute er nebenberuflich das erste Spezialrad als Einzelanfertigung für einen Bekannten. Daraus wurde ein Vollzeitbetrieb. Urban Fahrradbau entwickelt Räder für Menschen, für die das Standardangebot nicht reicht. Das gefragteste Modell ist der Cruiser – ähnlich konzipiert wie das Magic, aber nicht zerlegbar. Wer Transportflexibilität braucht, greift zum Magic, das in den Kofferraum passt. Bei der Montage muss die Kette ausgerichtet werden, dazu sitzt eine kleine Wasserwaage am Ausleger. Das Ausrichten funktioniert am besten auf ebenem Untergrund.

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Das Fahr-Konzept ist so einfach wie durchdacht: Die Person vorn liegt in einem gefederten Sitz und tritt mit, wenn sie kann und will. Wenn nicht, macht sie Pause, dafür gibt es hier eine Freilauffunktion. Den Rest übernimmt seit neuestem der Bosch CargoLine Motor mit bis zu 120 Nm – er gleicht aus, wenn vorn weniger getreten wird, und unterstützt bei Steigungen souverän. Die Person hinten sitzt aufrecht, lenkt und bestimmt das Tempo.

Doppelt bremst besser: Zwei Bremsen an einer Bremsscheibe verzögern zuverlässig.Foto: Nick RotterDoppelt bremst besser: Zwei Bremsen an einer Bremsscheibe verzögern zuverlässig.

Im vorderen Sitz

Der für den vorderen Fahrer montierte Liegesitz lässt sich in der Härte justieren, der Ausleger in der Länge verstellen. Je nach Bedarf sind Kurbellängen von 115 bis 165 mm oder eine längenverstellbare Kurbel verfügbar. Klickpedale könnten sinnvoll sein, um mit den Füßen fester auf dem Pedal zu stehen.

Am Lenker

Das Fahrverhalten eines Dreirads unterscheidet sich spürbar von dem eines Zweirads. Gewöhnungsbedürftig ist, dass sich das Rad auf einem seitlich geneigten Weg ebenfalls in Schräglage begibt – bedingt durch die zwei nebeneinanderliegenden Vorderräder. Als Radfahrer lehnt man sich instinktiv gegen diese Schräglage, auch wenn das Rad gar nicht kippt. Es braucht ein paar Kilometer, bis die Gewöhnung einsetzt. Der Wendekreis ist erwartungsgemäß groß und die Breite, die für viel Stabilität und Sicherheit sorgt, braucht auch mehr Platz auf dem Fahrradweg. Beim Fahren überrascht uns, wie gut wir uns während der Fahrt unterhalten können, weil die Köpfe der beiden Fahrer näher beieinander sind als bei einem klassischen Tandem.

Das Umdrehen mit dem Spezialrad erfordert etwas Geduld und Übung.Foto: Nick RotterDas Umdrehen mit dem Spezialrad erfordert etwas Geduld und Übung.

Praktisch gedacht

Licht und Gepäckträger sind serienmäßig verbaut. Die offene Gepäckfläche hinter dem Liegesitz kann bei zwei Personen mit Taschen aber schnell eng werden, weshalb Packbänder zum sicheren Verstauen Pflicht sind – weiteres Gepäck kommt auf den Gepäckträger. Optionales Zubehör wie ein Speicheneingriffschutz zeigt, dass Urban Fahrradbau verschiedene Einschränkungen mitdenkt.

Fazit

Das Strada Magic ist kein Kompromiss. Es ist ein Rad, das für eine spezifische Situation gebaut wurde – und diese Situation sehr gut löst. Wer nicht allein fahren kann oder darf, findet hier ein Fahrzeug, das Mobilität zurückgibt, ohne auf Fahrspaß zu verzichten. Und das ist letztlich der Punkt: Es ist kein Hilfsmittel. Es ist ein tolles Gefährt, wenn man trotz körperlicher Einschränkungen sportlicher unterwegs sein will.

Mit Hife der Wasserwage lässt sich das Rad nach dem Transport im Auto wieder richtig einstellen – vorausgesetzt, der Boden ist eben.Foto: Nick RotterMit Hife der Wasserwage lässt sich das Rad nach dem Transport im Auto wieder richtig einstellen – vorausgesetzt, der Boden ist eben.

Urban Fahrradbau Strada Magic

BesonderheitenTandem-Dreirad für zwei Personen, zerlegbar und im Kombi transportierbar, hydraulische Scheibenbremsen, serienmäßiges Licht und Faltgepäckträger. Umfangreiches Zubehör wie Speicheneingriffschutz, Beckengurt, 5-Punkt-Gurt, Kopfstütze oder Fußauflage macht das Rad für verschiedene Einschränkungen nutzbar.
MotorBosch CargoLine Motor mit maximal 120 Nm
AkkuBosch PowerPack mit 800 Wh
KörpergrößenVorne: je nach Tretlagerausleger ab 6 Jahren bis 2 Meter Körpergröße. Hinten: ca. 1,55 bis 2 Meter Körpergröße
ZuladungMaximal 249 kg, einschließlich Fahrer, Beifahrer und Gepäck
GewichtCa. 45 kg inklusive Akku
Geeignet fürMenschen, die nicht allein fahren können oder dürfen und trotzdem sportlich unterwegs sein möchten
PreisAb 13.690 Euro

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Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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