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Tokio 2020: Zwischen Abgeschiedenheit und Enge

BIKE Magazin

 · 24.07.2021

Tokio 2020: Zwischen Abgeschiedenheit und EngeFoto: Lynn Sigel,Lexware Mountainbike Team

Max Brandl ist Deutschlands Hoffnung für das olympische Mountainbike-Rennen. Mit Tagebucheinträgen gibt er uns einen Einblick hinter die Kulissen seiner ersten Spiele.

Es ist das Highlight seiner bisherigen Karriere: Maximilian Brandl vom Lexware Mountainbike Team steht am kommenden Montag am Start des olympischen Mountainbike-Rennens. Nur 38 Startplätze für Fahrer aller Kontinente gibt es für den Olympia-Wettkampf in Tokio. Der 24-jährige Brandl ist neben Manuel Fumic einer der beiden deutschen Mountainbiker. Gemeinsam mit dem Nationalteam verbrachte er bereits eine Woche am Fuße des Fuji im Trainingslager, um sich vom Jetlag zu erholen und an das Klima anzupassen. Seit Dienstag lebt er im Olympischen Dorf der Radsportler auf der Halbinsel Izu, gut zwei Autostunden von Tokio entfernt. Für uns hat er seine bisherigen Erlebnisse in einem Blog zusammengefasst:

„Meine ersten Olympischen Spiele – und sie finden unter strengen Corona-Regularien statt. Im Prinzip befinden wir uns für 14 Tage in etwas gelockerter Quarantäne. Das bedeutet: Kein Kontakt zu anderen Sportlern, tägliche PCR-Tests und außerhalb des Olympischen Dorfes dürfen wir Athleten uns nur auf direktem Weg zum Trainingsgelände bewegen. Außer am Buffet oder zufällig auf den Gängen gibt es keine Gelegenheit zum Austausch. Ohne Corona ist der olympische Charakter sicherlich mehr zu spüren. Aber was mir gefällt: Wir alle haben die gleichen Bedingungen. Alle essen das gleiche, schlafen auf den gleichen Betten, haben denselben Tagesablauf. Bei anderen Wettkämpfen ist man nie so eng und so lange mit seinen Konkurrenten unter einem Dach. Obwohl es eigentlich Abstand zu halten gilt, kommt man trotzdem mit dem ein oder anderen Konkurrenten ins Gespräch, beim Streckentraining oder auf dem Flur. Es entsteht schon eine Art Gemeinschaftsgefühl hier. Nach dem Training bin ich gemeinsam mit Henrique Avancini und Alan Hatherly zurück zum olympischen Dorf gefahren. Es ist klar, wir haben das wichtigste Rennen der letzten Jahre vor uns, aber wir genießen es auch, hier zu sein.
Kontakt zu Einheimischen gibt es aufgrund der Umstände keinen. Die ersten Tage verbrachte die deutsche Mannschaft in der Begleitung eines einheimischen Guides – denn obwohl die Natur zwar zunächst europäisch wirkt (Anm. d. Red.: Brandl kennt sich aus. Er studiert Biologie), kann die Orientierung und Verständigung schwierig sein. Am letzten Abend in unserem Trainingslager hat unser Guide uns sogar typisch japanische Desserts mitgebracht – das war lecker.
Den 4,1 Kilometer langen Kurs durften alle Biker erst am Freitag das erste Mal befahren. Die Strecke gilt als eine der schwersten Olympia-Strecken bisher. Eigens für die Spiele angelegt, ist sie mit vielen kurzen und steilen Anstiegen und Abfahrten versehen. Künstlich gebaute Hindernisse, hauptsächlich aus großen Steinen, prägen den Kurs. Das erste Streckentraining lief super, der Kurs macht richtig Laune. Doch neben der Strecke spielt das Klima eine große Rolle. Beim Rennen wird es auch darum gehen, wer seine Höchstleistung unter den humiden Bedingungen am besten abrufen kann.
Denn die Temperaturen steigen um die Mittagszeit auf bis zu 38 Grad bei gleichzeitig sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Das ist vor allem in den intensiveren Einheiten der limitierende Faktor. Mitentscheidend für das Rennen ist, wer am besten mit diesen extremen Bedingungen zurechtkommt. Deshalb waren Manuel Fumic, Elisabeth Brandau und Ronja Eibl und ich die letzten Tage damit beschäftigt, die Kühlungsstrategie für das Rennen auszutesten. Die hauchdünnen Rennanzüge verfügen über eine Membran, die Schweiß von innen nach außen dringen lässt, aber das Wasser von außen abperlt. Wir werden uns deshalb vermutlich mit Eiswürfeln in Nylonstrümpfen kühlen, die wir unter dem Trikot tragen. Zwischen den Schultern hält das ganz gut und kann in der Feedzone ausgetauscht werden. Das Beispiel zeigt schon: Hier wird man viel lernen, aber ich will auch ein gutes Rennen abliefern. Ein Platz in den Top 10 oder Top 8 ist realistisch, das wäre ein sehr gutes Ergebnis.”


Das deutsche MTB-Team mit Elisabeth Brandau, Ronja Eibl, Max Brandl und Manuel Fumic beim Trackwalk.

Das Rennen der Mountainbiker in Tokio findet am 26. Juli um 15 Uhr Ortszeit und 8:00 Uhr deutscher Zeit statt und wird vom ZDF per Livestream übertragen. Die Damen starten am Dienstag, den 27. Juli, ebenfalls um 15 Uhr Ortszeit.

  Sind auch bei Olympia in Tokio im deutschen Nationaltrikot am Start: Manuel Fumic, Max Brandl, Elisabeth Brandau und Ronja Eibl (von links). Zusammen mit Leon Kaiser (rechts) holten sie 2018 im Staffelrennen WM-Silber.Foto: Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion
Sind auch bei Olympia in Tokio im deutschen Nationaltrikot am Start: Manuel Fumic, Max Brandl, Elisabeth Brandau und Ronja Eibl (von links). Zusammen mit Leon Kaiser (rechts) holten sie 2018 im Staffelrennen WM-Silber.

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