BIKE: Thomas, ihr habt tagelang geschaufelt, gebaut und riskiert – dann konntest du nicht einmal starten. Wie bitter ist das?
Thomas Genon: Natürlich bin ich enttäuscht. In so einer Rampage-Linie stecken enorm viel Arbeit und noch mehr Stress. Wenn dann alles vorbei ist, bevor du auch nur einmal oben losfahren konntest, tut das weh.
Warum wurde das Finale nicht einfach um einen Tag verschoben?
Das müsst ihr die Veranstalter fragen. Allein der Umzug der Kameratechnik vom Gelände der Frauen zu dem der Männer dauert wohl einen ganzen Tag. Vermutlich war eine kurzfristige Verschiebung deshalb kaum möglich. Außerdem regnete es an den folgenden drei Tagen weiter. Etwa eine Stunde nach dem Abbruch öffnete sich zwar noch einmal ein Wetterfenster. Aber das konnte in diesem Moment niemand vorhersehen.
Clemens Kaudela sagte uns einmal, eine Rampage-Teilnahme koste rund 15.000 Euro. Nun habt ihr alle Ausgaben, aber keinen Lauf. Bleibt nur: schlucken und weitermachen?
Offenbar soll das gesamte Preisgeld zu gleichen Teilen unter uns Fahrern aufgeteilt werden. Finanziell könnte ich damit sogar besser dastehen als mit einem vierten oder fünften Platz. Trotzdem bleibt das Gefühl: Wir hatten alle unangenehmen Teile des Prozesses bereits hinter uns. Nur dieser eine letzte Schritt fehlte. Vielleicht hätte am Ende der Heilige Gral gewartet. Vielleicht auch nicht. Genau das werden wir nie erfahren.
Wie war die Stimmung unter den Fahrern, die nicht mehr starten konnten – bei Cam Zink, Tomas Lemoine und den anderen?
Extrem frustrierend. Der Start bei Rampage bedeutet uns sehr viel. Wenn du nicht droppen darfst, verlierst du nicht nur einen Lauf, sondern auch eine Antwort: Hätte die Linie funktioniert? Wie hätte sie ausgesehen? Wo wäre sie im Vergleich zur Konkurrenz gelandet? All das bleibt offen.
Kannst du deine Linie im nächsten Jahr erneut fahren? Wird das Event mit demselben Fahrerfeld wiederholt?
Das weiß im Augenblick niemand. Vermutlich werden einige Monate vergehen, bevor wir mehr erfahren. Bis dahin bleibt nur abzuwarten.
Welcher Lauf war für dich das Highlight?
Ich schaue mir vor meinem eigenen Start grundsätzlich keine Läufe an. Sonst mache ich mich nur unnötig nervös. Diesmal hatte diese Strategie allerdings einen Haken: Mein Start kam nie.
Was sagst du zu Szymon Godzieks riesigem Sprung am Ende seiner Linie?
Das war ein verdammt großes Ding, Bro.
Wie hätte deine Linie im Vergleich zu Godzieks ausgesehen? Wäre der Sieg möglich gewesen?
Das lässt sich nicht seriös beantworten. Ob eine Linie gut aussieht und konkurrenzfähig ist, erfährst du erst, wenn du sie komplett gefahren und sauber gelandet hast. Auf dem Papier kann alles siegfähig wirken. Der Berg liest leider kein Papier.
Konntet ihr oben am Start verfolgen, was während der Unterbrechung geschah?
Wir standen in direktem Kontakt mit den Veranstaltern. Wenn das Event angehalten wird, sprechen wir live mit ihnen und bekommen die Informationen unmittelbar.
Im vergangenen Jahr gab es schwere Stürze, unter anderem von Adolf Silva und Emil Johansson. Viele Fans fanden, Rampage sei zu weit gegangen. Waren die Fahrer diesmal vorsichtiger?
Das hatte ich erwartet. Ich dachte, alle würden etwas konservativer planen und fahren. Danach sah es allerdings nicht aus. Es fühlte sich an wie eine ganz normale Rampage – falls man bei Rampage überhaupt von normal sprechen kann.
Die Frauen hatten besseres Wetter. Konntest du ihre Läufe sehen?
Ja, ich habe die Übertragung verfolgt. Die Frauen haben richtig abgeliefert. Hannah Bergemann war unglaublich schnell unterwegs, ihr Lauf sah stark aus. Und ich habe mich riesig gefreut, dass Chelsea endlich voll durchgezogen und einen kompletten Lauf ins Ziel gebracht hat.

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