Laurin Lehner
· 10.05.2026
Lois Eller (16) ist aus deutscher Sicht der Mann der Stunde. Nach seinem eindrucksvollen Gesamtsieg im iXS European Downhill Cup 2025 startet er nun in seine erste Wordcup-Saison. Der Radsport liegt Eller im Blut: Sein Vater Holger Meyer und seine Mutter Karen Eller können beide auf eine erfolgreiche Rennsport-Karriere zurückblicken. Diese Veranlagung und die intensive familiäre Betreuung machen ihn zu einem heißen Kandidaten für Podiumsplätze. Vor allem auf technischen Strecken gilt Lois Eller auch bei nassen und rutschigen Bedingungen als außergewöhnlich schnell. In Südkorea reiste Lois mit Papa Holger an und feierte sein Worldcup-Junioren-Debüt. Wir haben mit ihm kurz danach telefoniert.
Lois, wie enttäuscht bist du – aber auch: Wie happy über diese drei grünen Split-Zeiten in der Quali? (Anm. d. Red. Lois war in der Quali schneller als alle anderen in den ersten drei Segmenten)
Ehrlich gesagt bin ich gar nicht traurig. Beim Platten – das ist nicht in meiner Kontrolle, das passiert einfach. Als ich unten ins Ziel kam, war ich schon sauer, weil die mir dann auch noch sagten: "Du fährst voll schnell oben." Da war ich extra sauer. Aber dann: Schwamm drüber. Nach vorne schauen. Wäre ich gestürzt aus eigenem Fehler? Anderes Thema. Aber beim Platten – das ist einfach Pech.
Du fährst jetzt deine erste Worldcup-Saison. Wann kam der Entschluss: Ich will Worldcup fahren?
Früher in Serfaus-Fiss-Ladis hab ich Jackson Goldstone kennengelernt. Mein Idol. Wir sind zusammen gefahren, er war schon älter. Da dachte ich: Das will ich auch. Von klein auf war Worldcup mein Ziel. Fahrradfahren als Job, Rennen fahren – das wollte ich immer. Freeride? War nie eine Option. Ich mag das Adrenalin. Das Gefühl, wenn nach dem Race-Run alles perfekt lief.
Kannst du dich an den Moment erinnern, als du schneller warst als dein Papa?
Nicht wirklich. Irgendwann hab ich immer vorne gefahren. Irgendwann war ich: "Papa, du fährst so langsam, lass mich jetzt mal." Seitdem fahr ich vorne. Ich, Papa, meine große Schwester Leni, dann Mama. Aber einen genauen Moment? Weiß ich nicht mehr.
Korea – wie war das Reisen mit dem Vater? Du warst davor in Neuseeland, kennst andere Junioren. Dein Resümee?
Ich hab viele Freunde, die Worldcup fahren. Es ist wie eine Family, wenn du ankommst. Aber es ist schon anders als vorher. Mehr Druck. Du hast einen Quali-Run, du musst ins Finale. Sonst hast du kein Rennen. Bei anderen Rennen war's egal. Jetzt musst du abliefern. Mental krasser. Und jeder fährt richtig gut – wirklich jeder.
Warst du vorher schon mal bei einem Worldcup als Zuschauer?
Ja, ein paar Mal. Ich hab auch Trackwalks gemacht. Aber im Startgate zu stehen – das ist was anderes.
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Die Strecke in Korea – wie fandest du die?
Ganz cool eigentlich. Nicht so ein Bikepark-Ding, eher natürlich. Wir haben daheim in Garmisch nicht so richtige Anlieger, ist mehr so wie in Neuseeland. Viele waren skeptisch. Es wäre besser gewesen, hätten die Veranstalter vorher ein paar Rider durchgelassen, damit Spuren reinkommen. Aber es war frisch, noch gar nichts eingefahren.
Südkorea – erstes Mal da?
Ja, echt cool. Die Leute sind witzig, alles anders. Und das Essen? Sehr lecker, war echt überrascht. Koreanisches BBQ, Fisch in Seoul. Einmal haben wir einen lebenden Oktopus in einer Pfanne gesehen. Crazy shit. Das haben wir nicht gegessen.
Deine größte Angst vor dem Rennen?
Ich hab probiert, keine Erwartungen zu haben. Ein bisschen Angst hatte ich, dass am Rad was ist, was Papa und ich nicht fixen können. Wir sind nicht die besten Mechaniker. Deswegen hatten wir ein zweites Rad dabei. Sonst? War entspannt.
Führe mich durch deinen Race-Run. Wie bleibst du am Start cool?
Kurz vor dem Start hab ich Papa nochmal umarmt. "Wir sehen uns später." Im Startgate war ich dann nervös. Jetzt wird's ernst.
Du hast einen Mentalcoach. Was hilft dir?
Ich probier ruhig zu bleiben, durchzuschnaufen. 97 Prozent – die Zahl ist in meinem Kopf geblieben. Komische Zahl, aber die funktioniert. Im Race-Run gibst du eh automatisch mehr, aber ich will nicht overpacen.
Und dann?
Ich bin raus gestartet. Ich visualisiere viel, hab alles so gemacht wie visualisiert. Erste Kurve war loose, dann kam der Flow. Hab alles bekommen, wie ich wollte, aber nicht alles gegeben. Einfach gut runterkommen, nicht alles riskieren. Die Section vor dem Platten dachte ich noch: "Alter, war das schnell."
Dann kam der Platten.
Genau. Dann war ich: "Oh, nee."
Die Stelle, wo alle Platten hatten?
Ja. Man muss in den Drop vorspringen, kleiner Drop, aber du bremst nicht, weil du Speed brauchst. Und dann liegen nur Steine. 50:50-Chance. Viele haben sich da Platten geholt.
Was ging dir durch den Kopf?
Ich hab den Schlag gehört, die Luft rausgehen gehört. „Oh, nee.“ Aber ich dachte: „Egal, ich fahr trotzdem weiter, qualifizier mich trotzdem.“ Drei Kurven später hat‘s mich auf die Fresse gelegt. Reifen hinten weggerutscht, gar keine Luft mehr drin.
Wehgetan?
Bisschen am Zeh. Nichts Schlimmes.
Papa angerufen?
Erst im Ziel. Ich habe gesehen, dass er angerufen hat. Ich habe zurückgerufen: „Alles gut, hatte bloß Platten.“ Ihn haben oben alle gefragt, was los war. Erst grün, dann rot.
Was ist das Coolste beim Reisen mit Papa – und wo nervt‘s?
Wir können uns aufeinander verlassen. Er weiß, was ich brauche. Bei Nervosität, was hilft. Fühlt sich an wie zu Hause. Was nervt? Manchmal bei Afterpartys früher heimgehen. „So, jetzt nach Hause.“ Aber sonst? Papa ist cool.
Kontakt zur Elite – Jackson Goldstone kennst du ja. Labert man da?
Die großen Pros sieht man fast gar nicht. Die anderen – Henry Kiefer oder so – da redet man kurz. „Hey, wie geht‘s, wie findest du die Strecke?“ Aber man konzentriert sich eher auf sich. Nach dem Rennen redet man mehr.
Was war das Hauptthema bei den Fahrern?
Die Strecke ist loose. Das war das größte Topic. Aber am Ende fanden viele sie gut.
Wer ist der Champion bei den Junioren?
Johnty Williamson, Neuseeländer. Zweites Jahr Junior, letztes Jahr schon ein paar Podiums. Hat jetzt auch gewonnen.
Mit wem bist du eng?
Mit vielen gut, aber niemand so richtig tight. Mit ein paar Neuseeländern. Und Levin Klausmann, mit dem trainiere ich ab und zu. Er ist professionell, das ist cool. Doch hier war er nicht dabei.
Beim Worldcup macht nicht jeder alles zusammen. Jeder konzentriert sich auf sich.
Findest du das gut?
Auf der einen Seite ja, man nimmt's ernster. Auf der anderen Seite ist's halt ernst. Nicht mehr: Zusammen fahren, dann Rennen, schauen was rauskommt. Aber ich mag Rennen fahren, das passt schon.
Wo hast du noch am meisten Potenzial?
Beim Material. Mir ist es egal, ich will einfach Fahrradfahren. Aber Federweg testen, sowas – da kann ich noch viel rausholen. Bin da noch zu unprofessionell. Wenn Papa sagt: "Probier das", denk ich: "Ja, ja, will nur fahren."
Wem drückst du bei Elite die Daumen?
Jackson natürlich. Auch wenn viele sagen: "Der hat schon viel gewonnen." Und Henri Kiefer. Mit dem rede ich ab und zu, der ist echt nett. Dem gönn ich's.
Wer ist der stylischste Fahrer?
Max Alran Der fährt göttlich. Du siehst ein Video, denkst: "Boah, geil."
Wie hilft dir dein Papa?
Bei vielen kleinen Sachen. Kocht für mich, macht Fahrrad sauber, ich kann entspannen. Und Erfahrung hat er auch. Sind oft Kleinigkeiten, die helfen.
Wie läuft's in der Schule? Exotenstatus?
Ich bin auf einer Wintersportschule, viele Skifahrer fehlen ständig. Die verstehen's. Manchmal sind sie genervt, wenn wir wieder eine Befreiung einreichen. Aber läuft schon. Und jetzt habe ich die neuseeländische Schule – ein Halbjahr mache ich nur Digital-Unterricht. Da ist Downhill Nationalsport. Die verstehen's vollkommen.
Promibonus bei den Mädels?
Die sehen, ich hab ein paar Follower auf Instagram. Aber dass ich Worldcup fahre? Wissen nicht so viele. Downhill kennt hier nicht jeder.
Du fährst auch gut Ski. Hast du dich bewusst für Downhill entschieden?
Früher bin ich Skirennen gefahren, wollte das professionell machen. Aber die sind so ernst, und das schon so früh. Das ist nix für mich. Vor 3–4 Jahren wusste ich: Ich will Downhill-Profi werden. Letzten Winter haben wir gesagt: Ich trainiere fürs Rad. Jetzt gehe ich zum Spaß Freeskien – zum Spaß.
Worauf freust du dich jetzt?
Auf den nächsten Worldcup: Loudenvielle in Frankreich. Den ganzen Sommer, alle Worldcups. Besonders Leogang – wie zu Hause, nicht weit weg. Und Worldchamps Val di Sole. Mag die Strecke echt gern.
Wie schwer fällt dir Training, Kraftsport?
Kraftsport bringt mir was. Ich fühl mich selbstbewusster auf dem Rad. Jedes Mal, wenn ich den Schweinehund überwunden hab – cooles Gefühl. Das gehört dazu. Aber klar: Fahrradfahren macht mehr Spaß.
Dein Ziel für diese Saison?
Zwei Jahre Junior-Worldcup. Dann UCI-Team. Das ist der Plan. Nächstes Mal vier grüne Splits, haha.
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