Young GunsDiese U19-Youngster stürmen den Downhill-Weltcup

Josh Welz

 · 30.04.2026

Überflieger Asa Vermette bei der Red Bull Hardline.
Foto: Red Bull/Brett Hemmings

Beim Weltcup-Auftakt in Südkorea blasen die U19-Junioren zum Angriff auf die Elite-Klasse. Denn die Youngster fahren mittlerweile Zeiten, die das etablierte Feld das Fürchten lehren.

​Die diesjährige Downhill-Saison startet erstmals im südkoreanischen Pyeongchang (1.-3.5.). Auf der laut Beobachtern harten, schnellen Strecke im Yongpyong Ski Resort wird voraussichtlich deutlich werden, was Experten seit Monaten beobachten: Die Grenze zwischen der U19-Klasse und der Weltelite verschwimmt zusehends. Getrieben durch professionellere Nachwuchsprogramme, Furchtlosigkeit und progressive Riding-Skills rücken die Junioren der Elite auf den Pelz. Top-Fahrer wie der amerikanische Youngster Asa Vermette oder die Alran-Brüder aus Frankreich wären letztes Jahr mit ihren Zeiten schon mehrfach in den Top-Rängen der Elite gelandet. Dieses Jahr müssen sie sich im Oberhaus der Profis beweisen.

Doch der Nachschub lässt nicht auf sich warten. Auch die Nachrücken fahren auf einem Niveau, das einen direkten Vergleich mit den Schnellsten des Elite-Feldes erlaubt. Ein 1:1-Vergleich der Streckenzeiten ist allerdings nur bedingt möglich. Denn da die U19-Fahrer früher auf den Racetrack gehen, finden sie meist eine frischere Piste vor, zumindest so lange die Witterungsverhältnisse konstant sind. Während die Elite-Fahrer mit tiefen Bremswellen und ausgefahrenen Rinnen kämpfen, können die jungen Wilden oft noch die Ideallinie nutzen. Dennoch ist der Speed der Youngster kein reines Produkt der Streckenbedingungen. Das hat zuletzt Asa Vermette bei den Rennen der Red Bull Hardline in Wales und Tasmanien gezeigt, wo er in einem hochklassigen Profi-Feld jeweils schnellster war.

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Kasper Hickman (FIN) – Der fliegende Finne

Aus dem hohen Norden kommt Kasper Hickman, der für Cube Factory Racing startet. Mit gerade einmal 18 Jahren ist er die große Hoffnung Finnlands. Hickman brachte sich durch starke Ergebnisse im European Downhill Cup (EDC) ins Gespräch und schaffte 2025 mit einem 6. Platz im Weltcup-Gesamtranking den Durchbruch. Er ist ein Kraftpaket: Physisch gehört er zu den stärksten Fahrern im Feld, was ihm besonders auf Tretpassagen Vorteile verschafft. Seine Vita ist geprägt von harter Arbeit auf den felsigen, kurzen Strecken Skandinaviens, was ihn zu einem Spezialisten für technische Sektionen macht, in denen man das Rad aktiv "pushen" muss.

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Lois Eller (GER) – Der deutsche Hoffnungsträger

Lois Eller ist der Mann der Stunde aus deutscher Sicht. Nach seinem fulminanten Gesamtsieg im iXS European Downhill Cup 2025 nimmt er nun seine erste Weltcup-Saison in Angriff. Eller hat den Radsport im Blut: Sein Vater Holger Meyer und seine Mutter Karen Eller blicken beide auf eine erfolgreiche Rennsport-Karriere. Diese Gene und die intensive familiäre Betreuung machen ihn zu einem Kandidaten für Überraschungserfolge. Lois Eller gilt besonders auf technischen Stecken, auch bei nassen, rutschigen Bedingungen, als extrem schnell. Und er zeichnet sich nicht nur durch Talent, sondern auch durch seine mentale Stärke aus – eine Eigenschaft, die er im engen Finale von Kranjska Gora unter Beweis stellte. Obwohl er sich als Rookie in der Weltcup-Hierarchie erstmal beweisen muss, trauen ihm Experten aufgrund seiner EDC-Zeiten, die oft nur hauchdünn hinter der Elite lagen, Top-Ergebnisse zu.

Überflieger: Lois Eller aus Garmisch-Partenkirchen könnte in seiner ersten World-Cup-Saison für die eine oder andere Überraschung gut sein.Foto: Julian OswaldÜberflieger: Lois Eller aus Garmisch-Partenkirchen könnte in seiner ersten World-Cup-Saison für die eine oder andere Überraschung gut sein.

Levin Klausmann (GER) – Das Erbe des Rekordmeisters

Levin Klausmann ist der Name, der in Deutschland ebenfalls Hoffnungen weckt. Als Sohn der Downhill-Legende Marcus Klausmann – dem 15-fachen Deutschen Meister – wuchs er in Mahlberg am Rande des Schwarzwalds quasi zwischen Federgabeln und Weltcup-Geschichten auf. Dass er den „Klausmann-Speed“ geerbt hat, bewies er spätestens 2025, als er bei seinem allerersten U19-Weltcup in Polen direkt auf den 16. Platz raste. Seine Stärke liegt in einer extrem sauberen, fast schon klinischen Bike-Beherrschung. Spannend ist auch der ebenso freundschaftliche wie leidenschaftliche Wettbewerb zwischen ihm und Lois Eller. Während Eller im letzten Jahr durch seinen Gesamtsieg im European Cup (EDC) die internationale Bühne etwas lauter betrat, lieferten sich die beiden auf nationaler Ebene packende Duelle. In der U17-Klasse und bei den deutschen Meisterschaften waren es oft nur Zehntelsekunden, die das Pendel mal zugunsten von Ellers aggressivem „Alles-oder-nichts“-Stil und mal zugunsten von Klausmanns technischer Präzision ausschlagen ließen. Dieser interne deutsche Zweikampf hat beide auf ein Niveau gehoben, das sie nun in der U19-Weltspitze konkurrenzfähig macht.

Dass Levin Klausmann den Speed seines Vaters geerbt hat, bewies er spätestens 2025, als er bei seinem allerersten U19-Weltcup in Polen direkt auf den 16. Platz raste.Foto: PrivatDass Levin Klausmann den Speed seines Vaters geerbt hat, bewies er spätestens 2025, als er bei seinem allerersten U19-Weltcup in Polen direkt auf den 16. Platz raste.

Tyler Waite (NZL) – Das neuseeländische Naturtalent

Neuseeland produziert am Fließband Weltklasse-Downhiller, und Tyler Waite ist das neueste Produkt dieser Schmiede. Waite ist bekannt für seinen extrem ruhigen Oberkörper, selbst wenn es unter ihm drunter und drüber geht. Sein Werdegang ist klassisch: Erfolge bei den Oceania Championships führten ihn direkt in die Notizbücher der Werksteams. Er liebt staubige, lose Untergründe, wie man sie in Südkorea finden wird. Sein Speed in offenen Kurven ist legendär und wird oft als Referenz für junge Fahrer herangezogen.

Rafaël Pelletier (CAN) – Der kanadische Shredder

Aus dem Mekka des Mountainbikens, British Columbia, stammt Rafaël Pelletier. Er verkörpert den typischen kanadischen Stil: spielerisch, aber verdammt schnell. Pelletier hat den Vorteil, dass er das ganze Jahr über auf Weltklasse-Strecken trainieren kann. Sein Fokus liegt in dieser Saison klar auf den Weltcup-Podien. In der Vergangenheit hatte er mit Verletzungen zu kämpfen, doch wenn er fit ist, gehört er zu den wenigen, die Asa Vermette in Sachen Linienwahl das Wasser reichen können.

Luke Wayman (AUS) – Der Beständige

Wayman ist die personifizierte Konstanz. Er fährt selten "über dem Limit", was ihn zu einem Punktesammler für die Gesamtwertung macht. In der australischen Nationalmannschaft genießt er hohes Ansehen für seine akribische Vorbereitung. Er analysiert Strecken stundenlang per Video, um die effizienteste Linie zu finden. Diese strategische Herangehensweise zahlt sich besonders auf neuen Strecken wie in Südkorea aus, wo noch keine Erfahrungswerte vorliegen.

Bode Burke (USA) – Der Newcomer

Bode Burke ist ein Teamkollege von Vermette und profitiert enorm vom gemeinsamen Training. Während Vermette die Schlagzeilen dominiert, arbeitet sich Burke still und heimlich nach oben. Er hat im letzten Jahr massiv an seiner Physis gearbeitet und konnte seinen Speed in den unteren Streckensektionen deutlich steigern. Burke gilt als Geheimtipp für den Auftakt in Südkorea, da ihm das Layout der Strecke laut ersten Berichten sehr entgegenkommt.

Fazit

Die U19-Klasse ist 2026 keine "Nachwuchsklasse" mehr im klassischen Sinne, sondern eine Parallel-Elite. Mit Lois Eller hat Deutschland nach Levin Klausmann ein weiteres heißes Eisen im Feuer. Eller hat das Potenzial, die Dominanz der Franzosen und US-Amerikaner zu brechen. Der Weltcup in Südkorea wird zeigen, ob die "jungen Wilden" dem Druck der großen Bühne bereits gewachsen sind.

Josh Welz

Josh Welz

Chefredakteur

Josh Welz ist studierter Sportjournalist und prägt als Chefredakteur die publizistische Ausrichtung der BIKE. 2016 griff Welz den E-Trend auf und entwickelte den Titel EMTB. Entsprechend bewegt er sich gerne zwischen den Welten. Da seine Begeisterung für knackige Trails aber größer ist als sein Trainingsfleiß, schlägt das Pendel häufig in Richtung „E“ aus.

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