Laurin Lehner
· 04.09.2026
“Mountainbiken gehört an den Berg”, behauptet Jan Timmermann. | Foto: Georg Grieshaberd
Downhill-Bikes sind für Berge gemacht. Für loses Geröll, Wurzelteppiche, steile Waldpfade. Für Orte, an die man erst mit dem Lift hochfahren muss, bevor man mit Vollgas wieder runterfährt.
Genau das ist die Idee hinter City Downhill – und sie ist so simpel wie wahnsinnig: Man nehme eine historische Altstadt, sperrt die Straßen, baut ein paar Sprünge ein und lässt die weltbesten Downhiller durch Gassen rasen, die eigentlich für Fußgänger und Touristenscharen gebaut wurden. Pflastersteine statt Schotterpisten. Hauswände statt Bäume, Absperrgitter statt Bergkulisse.
Die Cerro Abajo Series hat dieses Format zur Weltklasse-Bühne gemacht. Valparaíso, Genua, nun Stuttgart. Die Serie führt die Elite des City-Downhills in lateinamerikanische Kolonialstädte bis in Europäische Metropolen, wo enge Treppen, steile Kopfsteinpflaster-Rampen und haarscharfe Häuserkanten die Rennstrecke bilden.
Das Terrain ist alles andere als ideal – und genau das macht es so fesselnd. Wenn ein Bike, das für Wurzelabfahrten und Bikepark-Trails entwickelt wurde, plötzlich zwischen Balkonen hindurchschießt und über Kirchentreppen fliegt, entsteht eine Spannung, die kein Worldcup-Hang der Welt reproduzieren kann.
Kritiker sehen jedoch eine Zweckentfremdung in dem Format. Mountainbikes, wie der Name schon sagt, gehört besonders in dieser Königsdisziplin ins Gelände.
City-Downhills sind spektakulär, die Atmosphäre unvergleichlich – und das Risiko kaum höher als bei einem Worldcup. Volles Tempo durch enge Gassen, Two-Wheel-Slides auf Kopfsteinpflaster, Treppen-Gaps mit schulterbreiten Geländern links und rechts. Die Stadt, die jeder vom Bummeln kennt, wird für einen Tag zur Spielwiese der Downhiller. Den Profis beim Ritt durch die Gassen zuzuschauen ist ein einmaliges Erlebnis – und eines für die ganze Familie. Worldcup-Rennen finden an abgelegenen Berghängen statt; City-Downhills bringen die Faszination direkt vor die Haustür. Zuschauerzahlen von 30.000 Menschen sind keine Seltenheit.
Lars Scharl, Action-Fotograf
Ja okay, auch ich bin als Jugendlicher in die Innenstadt gefahren, um dort den ganzen Tag lang Treppen-Gaps zu springen. Heute sage ich aber: Im Wald ist das viel geiler! Das urbane Spekatakel hat in meinen Augen doch eher etwas von Straßen-Kirmes. Da rollen Oma und Opa mit den Augen, jeder bekommt ein Eis und wenn man Glück hat sieht man mal einen Radfahrer in den Asphalt einschlagen. Um die Faszination am Biken zu vermitteln braucht es für mich weder vollgestopfte Städte noch das zusätzliche Risiko. Mountainbiken gehört an den Berg: Wurzeln, Steine, echte Erde. Das Wow-Erlebnis mag ersetzlich sein, Trails sind es nicht.
Jan Timmermann, BIKE Redakteur
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