BIKE: Das Red Bull Cerro Abajo Stuttgart steht in den Startlöchern. Am 5 und 6. September ist es so weit. Dann geht’s “d’Stäffele nonder” wie die Schwaben sagen. Fischi, wirst du langsam nervös?
Johannes Fischbach: Ich bin immer nervös.
BIKE: Du warst schon in Stuttgart. Wie viel kennst du von der Strecke?
Praktisch nichts. Wir waren zweimal dort: für Videoaufnahmen und eine Pressekonferenz. Vom echten Kurs kenne ich vielleicht die ersten 150 oder 200 Meter. Wie die Strecke verläuft und was danach kommt? Keine Ahnung.
BIKE: Die Stadt ist nicht gerade für alpines Gefälle bekannt.
Ultra steil wird es wohl nicht. Deshalb muss der Kurs das Tempo halten. Wenn du zu viele enge Kurven einbaust, ist der Speed weg. Die Strecke wird von den künstlichen Hindernissen leben. Angeblich gibt es einen riesigen Drop von einer Brücke. Das klingt schon mal ordentlich.
BIKE: Wer baut so etwas?
Soweit ich weiß, ein deutsches Team mit Erfahrung vom Red Bull District Ride. Jeder Austragungsort hat seine eigenen Streckenbauer. In Genua war es ein italienisches TEam. Aber ich habe da volles Vertrauen. Inzwischen gibt es genügend Leute, die wissen, wie man eine Rampe baut.
BIKE: Wie ist deine Form?
Gut. Keine ernsthaften Verletzungen, das Training lief durch, die Motivation ist sehr hoch. Eigentlich sogar unanständig hoch. Ich pushe gerade ziemlich, aber der Körper macht mit. Ich bin fit und will vorne mitfahren – möglichst richtig weit vorne.
BIKE: Du klingst selbstbewusst.
Ich fühle mich gut. Trotzdem hängt viel von der Strecke ab. Wenn etwas dabei ist, das mir überhaupt nicht liegt, kann das einen Strich durch die Rechnung machen. Aber eine Ausrede suche ich erst, wenn ich eine brauche.
BIKE: Hast du wieder ein technisches Ass im Ärmel – etwa deinen selbst gebauten Reifen?
Das entscheide ich, sobald ich den Kurs sehe. Dieser Reifen funktioniert nur auf Asphalt und Pflaster. Sobald Dirt, Wiese oder Schotter auftauchen, kannst du ihn vergessen. In Genua war er perfekt. Solche Strecken sind allerdings selten.
BIKE: Und das Rad?
Ich habe gerade einen eigens für Stuttgart lackierten Rahmen bekommen – mit der Skyline der Stadt. So etwas Geiles habe ich noch nie ausgepackt. Der sieht wirklich pervers gut aus.
BIKE: Hoffentlich fährt er auch so.
Das wäre hilfreich.
BIKE: Wer sind die gefährlichsten Gegner?
Das Feld dürfte extrem stark werden. Tomáš Slavík ist wieder dabei. Er hat sich zwei oder drei Monate herausgenommen und steigt jetzt wieder voll ein. Dazu kommen Fahrer, die zuletzt verletzt waren oder andere Prioritäten hatten. In Stuttgart wird das Niveau vermutlich höher sein als zuletzt in Genua.
BIKE: Freut man sich wirklich, wenn Siegfahrer wie Slavík oder Juanfer Vélez zurückkommen?
Klar. Die Sportart braucht solche Typen. Fahrer, bei denen du weißt: Wenn alles passt, hauen die einen Lauf raus, bei dem alle mit offenem Mund dastehen. Genau das will man doch sehen.
BIKE: Man könnte auch denken: Prima, wenn der Stärkste fehlt, steigen meine Chancen.
Das wäre weder besonders sportlich noch besonders befriedigend. Du bist nicht der Beste, nur weil die anderen verletzt sind oder keine Startfreigabe bekommen. Ich will gegen die höchste Konkurrenz fahren – und dann sehen, was geht.
BIKE: Wer steht noch auf deiner Liste?
Roger Vieira. Der ist gerade richtig am Fliegen. Beim Weltcup in Les Gets war er an einer Zwischenzeit Dritter, bevor er gestürzt ist. Wenn er einen sauberen Lauf herunterbringt, fährt er ganz vorne mit.
BIKE: Und Bernard Kerr?
Er war bisher nicht konstant. Ich glaube, noch nie in den Top Fünf. Aber er kann jederzeit einen Superrun auspacken. Bei solchen Fahrern muss nur Strecke, Form und Tagesgefühl zusammenpassen. Unterschätzen darfst du keinen.
BIKE: Du hast den Weltcup in Les Gets verfolgt. Juckt es dich noch, selbst klassisch Downhill zu fahren?
Brutal, wie die ein Fahrrad bewegen. Vielleicht steige ich irgendwann noch einmal auf den Downhiller und melde mich bei einem Rennen an.
BIKE: Trotz dieser „Downhill-Vollgastypen“ können auch Allrounder noch überraschen.
Genau das finde ich so spannend. Martin Maes kommt aus dem Enduro, fährt Flatpedals und mischt trotzdem vorne mit. Solche Leute zeigen, dass man nicht aus einer einzigen Schablone kommen muss. Auch bei den Frauen ist das Niveau inzwischen unglaublich. Die fahren schnell, aggressiv und zugleich richtig stilvoll. Denk an die Britin Harriet Harnden, die in Les Gets gewonnen hat. Sie kommt vom Cross-Country und Cyclecross, dann fuhr sie Enduro und jetzt gewinnt sie einen Downhill-Worldcup. Wie geil ist das!
BIKE: Südamerika ist für seine fanatischen Zuschauer bekannt. Können die Deutschen da mithalten?
Warum nicht? Deutschland ist ein radsportverrücktes Land. Beim Weltcup in Willingen waren brutal viele Menschen, in Offenburg ging es beim Cross-Country ab, beim District Ride sowieso. Wenn das Wetter passt und nicht 13 Grad und Dauerregen angesagt sind, wird Stuttgart ein Kracher.
Du erwartest also keine höflich klatschende Fußgängerzone?
Ganz sicher nicht. Aus meinem Bekanntenkreis fahren gefühlt schon hundert Leute hin. Das Marketing funktioniert, das Interesse ist riesig. Bei einem normalen, schönen Wochenende wird die Stadt voll.
BIKE: Wie voll?
Stuttgart platzt. Hoffentlich erst nach meinem Lauf.

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