BIKE: Tarek, warum ziehen Events wie Cerro Abajo Stuttgart solche Menschenmassen an?
Tarek Rasouli: Weil Deutschland ein riesiges Mountainbike-Land ist, echte Action-Events aber selten sind. In Stuttgart kam beides zusammen: spektakulärer Sport und eine Strecke mitten in der Stadt.
BIKE: Dein altes District-Ride-Rezept: Bring die Action zu den Menschen.
Rasouli: Genau. Niemand muss erst ins Auto steigen, in die Berge fahren und einen halben Tag wandern. Die Leute verlassen das Café – und plötzlich fliegt ihnen ein Fahrer über den Kopf. Niedrigere Zugangshürden gibt es nicht.
BIKE: Warum funktioniert das besser als mancher klassische Wettkampf?
Rasouli: Weil man den Sport sofort versteht. Da ist eine steile Straße, dort kommt ein Fahrer herunter – sehr schnell und ziemlich spektakulär. Dafür braucht niemand ein Regelbuch.
BIKE: Die Zuschauer in Stuttgart waren nicht zufällig da. Sie kamen gezielt.
Rasouli: Das ist der zweite Punkt: Ohne Community geht nichts. Red Bull hat Cerro Abajo über Jahre aufgebaut und bekannt gemacht. Dazu kommt eine starke Mountainbike-Szene in und um Stuttgart. Gute Werbung trifft dort auf ein Publikum, das längst bereitsteht.
BIKE: In Groningen kamen zum District Ride rund 20.000 Menschen. Warum weniger?
Rasouli: Für die Niederlande war das Format neu. Stuttgart hatte mit Cerro Abajo bereits eine internationale Serie im Rücken. Bekanntheit muss wachsen. Selbst ein spektakulärer Kurs füllt nicht automatisch die Straßen.
BIKE: Eine Fahrradnation allein reicht also nicht?
Rasouli: Nein. Viele Fahrräder machen noch kein Bike-Event. Sonst wäre vor jedem Supermarkt Weltcup-Stimmung.
BIKE: Klassische Rennen können ebenfalls riesige Kulissen bieten. Les Gets etwa.
Rasouli: Les Gets liegt in einer starken Bike-Region. Dazu kommen französische Stars wie Loïc Bruni oder Amaury Pierron. Nationalhelden verändern alles. Die Fans sehen nicht nur Sportler – sie sehen ihre Leute.
BIKE: Brauchen Events also bekannte Gesichter?
Rasouli: Unbedingt. Eine gute Strecke liefert Bilder, ein Held liefert Gefühle. Wenn beides zusammenkommt, entsteht Atmosphäre.
BIKE: Und genau das fehlt manchen Veranstaltungen?
Rasouli: Manchmal ja. Perfekte Organisation allein reicht nicht. Ein Event kann sportlich bedeutend sein und sich trotzdem leer anfühlen. Menschen wollen Nähe, Geschichten und jemanden, mit dem sie mitfiebern können.
BIKE: Stuttgart wirkte eher wie ein Volksfest als wie ein Mountainbike-Rennen. Oder wie Rider Tommaso Francardo sagte: „Ich fühlte mich in Stuttgart wie ein Fußballstar beim Länderspiel”.
Rasouli: Das ist die Stärke von einem Event wie Red Bull Cerro Abajo Stuttgart. Wer wegen des Sports kommt, bleibt wegen der Stimmung. Und wer zufällig wegen der Stimmung kommt, entdeckt den Sport. Urbane Events erreichen nicht nur die Kernszene.
BIKE: Kritiker verweisen auf Aufwand und CO₂-Bilanz solcher Stadtstrecken.
Rasouli: Die Diskussion ist berechtigt. Aber auch ein Event in den Bergen bewegt Tausende Menschen und Fahrzeuge. Entscheidend ist, wie verantwortungsvoll man plant. Die Stadt hat zudem einen Vorteil: Viele Zuschauer erreichen die Strecke mit Bus, Bahn oder Fahrrad.
BIKE: Was ist nun die Formel für ein erfolgreiches Publikumsevent?
Rasouli: Spektakuläre Action, eine starke Community, bekannte Fahrer und eine Strecke, die zu den Menschen kommt. Dann muss man das Ganze noch gut erzählen. Red Bull hat für Cerro Abajo ziemlich wirksam die Werbetrommel gerührt.
BIKE: Klingt einfach.
Rasouli: Die Formel ist einfach. Die Umsetzung ist brutal.
BIKE: Hat das Format Zukunft?
Rasouli: Ganz sicher. 90.000 Zuschauer bei der ersten Ausgabe in Stuttgart sind ein starkes Signal. Solche Events werden dem Weltcup zwar nicht den Rang ablaufen. Aber sie zeigen, wie groß Mountainbike sein kann, wenn man den Sport aus dem Wald holt und mitten ins Leben stellt.

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