Massensturm beim DH-Worldcup in Les Gets​Wenn Jubel den Atem raubt

Dimitri Lehner

 · 25.08.2026

Massensturm: Max Alran hat noch nicht seinen Run beendet beim Worldcup-Finale in Les Gets und schon stürmen die Fans.
Foto: Getty Images/Billy Ceusters
Downhill-Worldcup in Les Gets: Erst rast der Sieger durchs Ziel, dann stürzt der Mob hinterher. Wie Fan-Ekstase zur lebensgefährlichen Falle wird – und wie du im Getümmel überlebst.

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Der Mob stürmt die Zielarena

Finale im Downhill-Worldcup, Les Gets. Max Alran jagt als letzter Starter ins Tal. Grüne Zwischenzeiten, Bestzeit, Ekstase. Die Hänge beben, Kettensägen kreischen, Fanfaren dröhnen. Doch schon vor der Zieldurchfahrt bricht das Chaos aus: Ein entfesselter Fanschwarm reißt die Absperrungen ein und flutet die Zielarena, während Max noch auf den Zielbogen zufährt. Aus Jubel wird Knochenbruch. Selbst Sieger Alran muss flüchten. Der Hype der letzten Jahre, von Social Media befeuert, schlägt in gefährlichen Krawall um.

​„Das war ne krasse Nummer. So was habe ich noch nicht erlebt. Aufgeheizte Stimmung, schon fast gefährlich. Wenn du dir den POV-Run von Max Alran anschaust, siehst du wie dicht das war. Die Organisatoren müssen sich für Les Gets wirklich was einfallen lassen. Denn es gab Verletzte. Menschen wurden überrannt.“

​Canyon Marketing-Mann Sebastian Maag stand auf dem Zielhang in der Menge.

Menschliche Moleküle im Druckkessel

Was als Party beginnt, wird Physik. Ab einer Dichte von sechs Personen pro Quadratmeter greift das Herdenverhalten. Die Menge reagiert nicht mehr individuell, sondern bewegt sich wie Wasser – unkontrollierbar und in Wellen. Wer in diesem Strudel stürzt, wird übertrampelt; wer gegen Zäune prallt, gequetscht. Katastrophenforscher warnen: Schuld ist selten das Individuum, sondern meist ein überfordertes Sicherheitskonzept.

Todesursache Atemnot: Die stille Gefahr

Die größte Bedrohung bei Massenaufläufen sind nicht Sturzverletzungen, sondern die sogenannte Kompressionsasphyxie. Wenn hunderte Körper gleichzeitig drücken, wirkt auf den Brustkorb eine zentnerschwere Last. Die Betroffenen können die Lunge nicht mehr ausdehnen. Nach wenigen Minuten führt dieser extreme Druck zum Erstickungstod – noch bevor die Hilfe eintrifft.

Überlebensregeln für das Getümmel

Damit aus dem Festival kein Notfall wird, gelten im Dichtgedränge klare Verhaltensregeln:

  • Frühzeitig ausweichen: Areal verlassen, bevor der Raum eng wird. Fluchtwege vorab einprägen.
  • Engstellen meiden: Halten Sie Abstand zu Zäunen, Mauern und Nadelöhren.
  • Standfest bleiben: Auf den Beinen halten. Stürzen ist lebensgefährlich.
  • Brustkorb schützen: Verschränken Sie die Arme vor der Brust wie ein Boxer, um Luftraum zum Atmen zu sichern.
  • Mit dem Strom fließen: Niemals gegen die Masse stemmen, sondern diagonal seitlich herausarbeiten.

Wir appellieren: Feier ja, Krawall nein!
Veranstalter müssen die Sicherheitskonzepte drastisch nachbessern. Doch auch die Fans stehen in der Pflicht: Echter Sportsgeist schützt Leben, statt für das nächste Viral-Video die eigene Gesundheit zu riskieren.

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Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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