Interview mit Elias SchwärzlerGuinness-Speed-Rekord auf dem Scott Gambler

Laurin Lehner

 · 05.12.2022

Interview mit Elias Schwärzler: Guinness-Speed-Rekord auf dem Scott GamblerFoto: Anton Brey
Elias Schwärzler im Interview
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Elias Schwärzler (26) knackte kürzlich den Speed-Rekord mit seinem Scott Gambler (272 km/h), angezogen durch ein Motorrad. Am liebsten fährt der Freerider aber im Bikepark. Hier verrät er, was ihm wichtig ist, und warum er lieber andere schrauben lässt.

FREERIDE: Zum Aufbau von deinem Scott Gambler – was ist Serie, was Custom?

Elias Schwärzler: Das ist ein Serienrahmen, wie man ihn im Shop kaufen kann. Ich bin klein, ich fahre Größe M. Statt der 29-Zoll-Laufräder stecke ich 650B-Laufräder ins Rad. Das macht das Bike handlicher. Zudem bin ich nur 1,70 Meter groß. Ich fahre ein Marzocchi-Fahrwerk. Vorne vertraue ich auf Sattel, Griffe und Lenker von meinem Sponsor SQlab. Insgesamt kommt mein Rad mit Pedale auf 15,6 Kilo. Damit ist es leichter als manches Enduro.

„Mit dieser Sonderlackierung hat mich mein Sponsor Scott überrascht. Cool! Und ich habe schon wieder ein Neues gekriegt. Demnächst fahre ich ein Bike ganz in Pink – das ist Wahnsinn.“ Foto: Anton Brey
„Mit dieser Sonderlackierung hat mich mein Sponsor Scott überrascht. Cool! Und ich habe schon wieder ein Neues gekriegt. Demnächst fahre ich ein Bike ganz in Pink – das ist Wahnsinn.“

Hast du beim Cockpit bestimmte Vorlieben?

Für mich sind breite 800er-Lenker nichts. Denn was wenige wissen: Die Lenkerbreite solltest du von deiner Schulterbreite abhängig machen. Meine Schultern sind eher schmal (leider!), so hab’ ich meinen Lenker auf 770 Millimeter gekürzt. Damit komme ich besser zurecht. Der Lenker hat sieben Prozent Backsweep und 25 Millimeter Rise. Ich habe herausgefunden, dass besonders der Backsweep enorm gegen Armpump hilft. Ich benutze die Griffe mit dem kleinsten Durchmesser, die es gibt – denn ich hab’ kleine Hände. Der Druckpunkt meiner Bremse muss schnell und hart kommen.


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Wie eine Action-Figur: Powerranger Elias mit Powerbike Scott Gambler. Das Serien-Bike gibt’s ab 4700 Euro, das Top-Modell kostet 9600 Euro. Foto: Anton Brey
Wie eine Action-Figur: Powerranger Elias mit Powerbike Scott Gambler. Das Serien-Bike gibt’s ab 4700 Euro, das Top-Modell kostet 9600 Euro.

Bei den Einstellungen deines Fahrwerks – gehst du nach Gefühl oder nach Plan?

Nach Gefühl. Ich bin kein Fan von zig Verstellmöglichkeiten. Deshalb feiere ich mein Marzocchi-Fahrwerk. Da hab’ ich Zugstufe und Compression – fertig! Den restlichen Kram brauchen vielleicht die Worldcupper, aber nicht ich. Ich kann es nicht oft genug sagen: Du benötigst als Nicht-Racer diesen Rädchenwahnsinn nicht. Die Feder des Dämpfers wechsle ich relativ oft. Für dicke Sprünge nehme ich eine richtig harte Feder: 650 –700er. Für den Downhill eine weichere. Die Zugstufe fahre ich, besonders hinten, auffällig langsam. Da wundern sich viele drüber, mir liegt das aber. Die Gabel stelle ich eher schnell ein.

Viele Freerider schwören auf Flatpedals. Ich fahre Klickies. Damit stehen die Füße felsenfest, selbst im Wurzel-Rumpeldipumpel. So geil!

Gab irgendwelche Speed-Rekord-Modifikationen an deinem Bike?

Mein Rekord-Bike steht in meinem Haus und ist nur noch zum Angucken da. Es ist auch ein Scott Gambler, allerdings mit etlichen Änderungen. Um den Rekord von 272 km/h zu erreichen, schraubte ich die Schaltung ab. Schließlich ließ ich mich bei dem Rekord von einem Rennmotorrad anschleppen. Außerdem steckte ich eine Singlecrown-Gabel ins Steuerrohr und zog Cross-Country-Reifen auf. So kam das Rad auf gerade mal 13,2 Kilo.

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Schraubst du am liebsten selbst an den Bikes oder lässt du schrauben?

Ich jobbte eine ganze Weile in einem Bikeshop und habe daher die Fähigkeiten, das Nötigste an meinem Bike zu reparieren. Glücklicherweise genieße ich aber das Privileg, mein Bike hin und wieder für einen Service in den Bikeshop bringen zu dürfen. Ich freue mich dann jedes Mal, wenn ich es wieder abhole. Denn danach fährt es sich wie neu – super!

Teilt die MTB-Nation: eher Putzfimmel oder Schmutzfink?

Picobello muss das Bike nicht sein, doch dreckverkrustete Bikes findest du bei mir im Fahrradkeller nicht. Ich habe meine Lektion gelernt. Wenn du nach einem Parkride auf die Basics verzichtest, rächt sich das schnell. Also spritze ich mein Bike zumindest ab und öle die Kette.

„Die Kettenstreben fahre ich meist in der kurzen Einstellung (435 mm). Das erzeugt viel Spieltrieb. Hier sind noch die Reifen Conti Kaiser montiert, mittlerweile rolle ich auf den neuen Continental Kryptotal, vorne wie hinten.“ Foto: Anton Brey
„Die Kettenstreben fahre ich meist in der kurzen Einstellung (435 mm). Das erzeugt viel Spieltrieb. Hier sind noch die Reifen Conti Kaiser montiert, mittlerweile rolle ich auf den neuen Continental Kryptotal, vorne wie hinten.“

Tubeless oder Schlauch?

Alle schwärmen von tubeless, mir ganz egal. Ich mag Schläuche im Reifen. Kein Nachpumpen, kein Milchwechseln, keine Sauerei. Platten fahre ich eh selten. So kann ich voll in die Kurve burpen, ohne Angst haben zu müssen, dass Luft entweicht. Vorne fahre ich meist 1,6 Bar, 1,7 Bar hinten. Bei dicken Sprüngen pump’ ich auf 2,5 Bar. In meinem Rad stecken Carbon-Laufräder von E*Thirteen, die gefallen mir gut, denn sie sind nicht ganz so steif wie andere Carbon-Felgen.

„Ich liebe Coil-Dämpfer. Das Ansprechverhalten eines Luftdämpfers kann da nicht mithalten. Per Flipchip kann man beim Gambler die Geometrie anpassen. Ich fahre im High-Modus – also der etwas steileren Geo-Einstellung. Die hat sich für mich auf Parkstrecken bewährt.“ Foto: Anton Brey
„Ich liebe Coil-Dämpfer. Das Ansprechverhalten eines Luftdämpfers kann da nicht mithalten. Per Flipchip kann man beim Gambler die Geometrie anpassen. Ich fahre im High-Modus – also der etwas steileren Geo-Einstellung. Die hat sich für mich auf Parkstrecken bewährt.“

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