Interview Lukas Knopf​50 Liegestütze, ein Kefir, volle Sendung

Dimitri Lehner

 · 20.10.2026

Lukas Knopf: Publikumsliebling, Youtube-Star, Slopestyle-Profi. Hier beim Superwettkampf Red Bull Joyride in Whistler.
Foto: Bartek Wolinski / Red Bull
Profi-Biker und Youtube-Star Lukas Knopf liebt alte Motocross-Tricks, laute Zuschauermassen und Fahrer mit Stil. Morgens trainiert er sein Mikrobiom, danach den Rest des Körpers. Ein Gespräch über große Momente, kleine Routinen und die Kunst, an einer Klimmzugstange nicht vorbeizukommen.

Themen in diesem Artikel

Fersen überm Lenker

BIKE: Lukas, welcher Trick macht dir am meisten Spaß?

Lukas Knopf: Der Heel Clicker. Der kommt aus dem Motocross: Man schlägt die Fersen über dem Lenker zusammen. Ziemlich oldschool, aber er macht Eindruck – wohl auch, weil ihn kaum noch jemand zeigt.

Bist du früher Motocross gefahren?

Nein. Nur auf der PlayStation. Dazu kamen alte Filme, Metal Mulisha und der ganze Wahnsinn. Ich fand das immer cool. Außerdem mache ich gern Dinge, die nicht jeder macht.

Was war der Höhepunkt deiner Slopestyle-Karriere?

Der District Ride 2022 in Nürnberg. Ich weiß nicht mehr, ob ich Achter, Neunter oder Zehnter wurde. Aber mein Lauf war stark, und ich war richtig zufrieden. Von den Judges hätte ich gern noch zwei oder drei Punkte bekommen. Aber gut: Fahrer zählen anders als Punktrichter.

Und das Publikum?

Unglaublich. Nach jeder Kurve Lärm und Stimmung. So etwas vergisst man nicht.

Der Algorithmus belohnt Ausdauer

Welches Video brachte deinen YouTube-Kanal ins Rollen?

Ein frühes Tutorial, in dem ich sechs Bike-Tricks erklärt habe. Gleichzeitig dokumentierte ich meine ersten Contests in Amerika. Diese Mischung funktionierte plötzlich. Der Kanal wuchs schnell.

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Das Erfolgsrezept?

Dranbleiben. Immer wieder geht ein Video viral, aber darauf kann man nicht warten. Den Unterschied macht, dass man auch danach weitermacht.

Du warst beim City-Downhill in Stuttgart. Was hat dich beim Cerro Abajo im Schwabenland besonders beeindruckt?

Die Masse an Menschen. Oben startest du fast ohne Publikum. Dann schießt du aus dem Kurs heraus – und plötzlich schlägt dir eine Wand aus Lärm entgegen. Unter dem Helm und im Rennfokus hört man alles etwas gedämpft. Aber diese Energie lässt sich nicht ausblenden.

Welches Hindernis lag dir am besten?

Das Roadgap von der Brücke und die Treppen danach waren stark. Mein Favorit war aber der Sprung hinter der Schikane. Dort konnte ich einen Suicide No Hand zeigen. Der passte perfekt zu mir – und dort standen besonders viele Zuschauer.

Warst du nur zum Spaß dabei?

Noch ja. Ich wollte keinem jungen Downhiller einen Startplatz wegnehmen. Zum Glück durften viele deutsche Nachwuchsfahrer antreten. Aber ich habe Blut geleckt.

Woran musst du arbeiten?

Vor allem an der Linienwahl. In der Videoanalyse sieht man, wie erfahrene Downhiller die Kurve anders anfahren, agiler herauskommen und früher wieder antreten. Da meldet sich der Sportler in mir: Das will ich lernen.

Style schlägt Spektakel

Welches Bike-Edit verursacht bei dir Gänsehaut?

Die Filme von Brandon Semenuk. Seine neueren Sachen sind stärker vom Freeride geprägt, trotzdem baut er Tricks ein – und alles hat diesen unverwechselbaren Stil. Parallel III ist wieder ein Brett.

Wer sind deine drei Style-Favoriten?

Emil Moser ist ein deutscher Newcomer, der richtig gut fährt. Den sollte man auf dem Schirm haben. Dann Brandon Semenuk, weil er Tricks und Stil wie kaum ein anderer verbindet. Und Kade Edwards: schnell im Downhill, verspielt auf dem Bike, stark bei Tricks. Aber drei Namen sind eigentlich unfair. Es gibt wahnsinnig viele gute Fahrer.

Und dein eigenes überraschendstes Hobby?

Ich setze jeden Morgen Kefir an. Ernährung ist mir wichtig, vor allem das Mikrobiom und die Darmgesundheit. Andere scrollen morgens durch Instagram. Ich kümmere mich um Mikroorganismen.

Was herumliegt, wird trainiert

Wie hältst du dich fit?

Mit Beständigkeit. Ich mache jeden Morgen 50 Liegestütze und dazu Mobility-Übungen, um den Körper hochzufahren. Zu Hause trainiere ich mit Kettlebells und an der Klimmzugstange.

Dein bester Trainingstipp?

Die Geräte so platzieren, dass man ihnen nicht ausweichen kann. Muss die Kettlebell erst aus dem Keller geholt werden, bleibt sie dort. Hängt die Klimmzugstange im Türrahmen und liegt die Yogamatte auf dem Boden, macht man automatisch mehr.

Faulheit ist oft nur eine Frage der Einrichtung.

Welche Serie hat dich zuletzt gepackt?

The Walking Dead. Zombies und Horror sind eigentlich nicht mein Ding. Ich brauchte eine Weile, dann hatte mich die Serie. Meine bessere Hälfte und ich haben sie komplett verschlungen.

Wann hast du zuletzt auf dem Bike laut gelacht?

Gestern auf der Hot Shots Strecke in Leogang. Ein Kollege sprang ganz weit links in eine separate Landung. Ich zog einfach hinterher. Solche Momente sind der Grund, warum ich fahre.

Ein Tag Ken Roczen

Mit welchem Sportler würdest du für einen Tag tauschen?

Eigentlich bin ich sehr gern ich. Aber für einen Tag würde ich Ken Roczen wählen. Mich würde interessieren, wie sein Training aussieht, welche Routinen er hat und wie sich sein Tempo auf einer Motocross-Strecke anfühlt.

Und danach?

Wäre ich vermutlich komplett zerstört.

Wie kommst du nach Trubel, Drehs und Wettkämpfen wieder herunter?

Ganz einfach: mit meiner besseren Hälfte und meinem kleinen Sohn im Wald spazieren gehen. Danach auf die Couch und eine Serie schauen. Viel ruhiger geht es nicht – und genau deshalb funktioniert es.

​Wer ist Lukas Knopf?

Lukas Knopf, Jahrgang 1996, ist Mountainbike-Profi, Content Creator und Selfmade-Unternehmer aus dem Raum Chemnitz. Mit zwölf bekam er sein erstes Dirtjump-Bike, später startete er bei internationalen Slopestyle- und Freeride-Contests. Zu seinen Erfolgen zählen Podiumsplätze bei der FMB World Tour sowie ein vierter Platz bei den Crankworx in Rotorua. Bekannt wurde Knopf weit über die Wettkampfszene hinaus durch Bike-Videos auf seinem Youtube-Kanal: Dirtjump, Downhill, Freeride – Hauptsache, es geht kreativ zur Sache. 2018 gründete er zudem die Bike- und Streetwear-Marke The Motion Brand. Sein Motto fasst Karriere und Fahrstil treffend zusammen: „Life’s short – stunt it!“

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Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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