Bike-Ikone Hans Rey„Ist Freeriding tot oder putzmunter?“

Dimitri Lehner

 · 19.05.2026

Bike-Legende Hans Rey in seiner Wahlheimat Kalifornien: Nach über 30 Jahren bei GT jetzt bei Santa Cruz Bikes.
Foto: Carmen Rey
Früher gab es Mountainbiker. Heute gibt es Enduristen, Downhiller, Dirtjumper, Gravel-Biker, Freerider und E-Biker. Klingt nach Spaltung. Für Hans Rey ist es das Gegenteil. Hans sagt: Mountainbiken war nie vielfältiger – und nie freier.

Themen in diesem Artikel

Früher: ein Bike für alles

Was ist Freeride oder was ist Mountainbiking? Gar nicht leicht, das zu beantworten. Es könnte eine kurze Antwort sein: „Spaß“, aber höchstwahrscheinlich wird es keine kurze Antwort sein, um das Wort Freeride zu beschreiben, obwohl die Quintessenz lautet: „Spaß“.

Wenn früher jemand das Wort Mountainbike in den Mund nahm, horchte jeder von uns Fette-Reifen-Freaks auf. Wir waren alle eine große Familie und wir waren alle Mountainbiker. Aber die Dinge haben sich im Laufe der Jahre geändert. Heute gibt es viele verschiedene Arten von Mountainbikern und viele Subkulturen. Für jede Subkultur gibt es andere Fahrräder und sogar eine andere Mode und einen anderen Slang.

Beim Mountainbiking gibt es jetzt viele verschiedene Stämme. Ich finde das großartig und ich finde es toll, dass man einen Mountainbiker nicht in einem Satz als monotone Figur beschreiben kann. Ich bin mir sicher, dass jeder Sport seine Subkulturen hat, aber nicht viele sind so vielfältig wie die Biker.

Die Garage als Identitätskrise

Ich persönlich mag all die verschiedenen Disziplinen und Kulturen, von Trial über Freeriding bis hin zu Cross Country und allem, was dazwischen liegt. E-Bikes sowieso. Und so sieht auch meine Garage aus: Ich habe mindestens sieben verschiedene Mountainbikes, damit ich immer das richtige Bike für die richtige Gelegenheit habe. Gut, dass ich gesponsert werde, sonst wäre es schwer, sich all diese Räder zu leisten.

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Früher war es ganz einfach – man hatte ein Fahrrad für alles. Manchmal vermisse ich diese Einfachheit. Man nahm an den alten Etappenrennen teil, bei denen jeder Fahrer XC, DH und Trial fahren musste – die meisten fuhren das alles mit demselben Fahrrad. Stell dir das heute vor!

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Das GT Zaskar ist das einzige Bike, das jemals ein Weltcup-Rennen in XC, DH, Trial und Slalom gewonnen hat. Und ich bin mir sicher, dass es nie wieder ein Modell geben wird, das das schafft.

Zurück zu meiner Garage: Ich habe ein 26-Zoll-Trial-Bike, ein 20-Zoll-Trial-Bike, ein Dirt-Jump-Bike, ein Freeride-Bike, ein Downhill-Bike, ein Hardtail-XC, ein 3,5-Zoll-Fully-XC, ein 4,5-Zoll-Fully-XC und ein Freeride-XC. Und inzwischen natürlich auch E-Bikes. Denn ehrlich gesagt hat E-Mountainbiken den Freeride-Gedanken noch einmal erweitert. Plötzlich macht nicht nur das Bergabfahren Spaß, sondern auch das Hochfahren. Man sucht kreative Linien bergauf wie bergab. Man spielt mit dem Gelände in beide Richtungen. Ich weiß manchmal selbst nicht mehr, was mir mehr Spaß macht.

Auch beim E-Biken sind die Motivationen und Fahrertypen vielfältig. Ein großer Pluspunkt: Der Spaßfaktor setzt oft schon im Uphill ein, der für mich genauso wichtig und unterhaltsam ist wie die Abfahrt. Wer möchte, kann die klassische „Quälerei“ dank Motorunterstützung einfach umgehen. Gleichzeitig kenne und schätze ich aber auch die andere Seite – das belohnende Gefühl, einen schweißtreibenden, harten Anstieg aus eigener Kraft bezwungen zu haben.

Zu viele Bikes, zu viele Schubladen?

So wie es für den Verbraucher verwirrend ist, ist es auch für die Hersteller und Fahrradgeschäfte schwierig. Jetzt müssen sie viele verschiedene Fahrräder für spezielle Zwecke bauen, und oft gibt es keine großen Märkte für bestimmte Spezialräder.

Die Fahrradläden haben das gleiche Problem: Sie können nicht alle verschiedenen Modelle vorrätig halten. Deshalb gibt es bereits einige Fahrradgeschäfte, die sich nur auf Freeride- oder Komfort- und Transiträder spezialisiert haben.

Auch für die Bike-Medien ist es schwierig, da sie versuchen, alle Aspekte des Sports abzudecken. Die Chancen stehen gut, dass sie viele ihre Leser und User übersehen und nicht genug über jede Subkultur schreiben, um alle zufrieden zu stellen.

Die vielen Stämme vom Berg

Wir haben nicht nur einen großen Unterschied zwischen XC-Fahrern und Freeridern, sondern auch innerhalb dieser Kategorien extreme Unterschiede. Der XC-Rennfahrer unterscheidet sich von einem Marathonfahrer oder einem Tourenfahrer.

Oder schaut euch das Freeride-Segment an, zumindest noch vor einigen Jahren gab es: Northshore-Rider, Urban-Rider, Dirtjumper, Trial-Fahrer, Big-Drop-Freerider, Mega-Avalanche-Rider, Freeride-Tourenfahrer, Downhill-Racer, Free-Racer – und jede dieser Subkulturen hat weitere Subkulturen.

Aber was soll's: Das ist alles Mountainbiking

Mountainbiking wurde als Individualsportart erfunden und klassifiziert – jeder kann es also auf seine Weise interpretieren. Jeder Mensch ist anders und jeder kann Mountainbiken so ausüben, wie er will. Deshalb sind wir ein individueller Sport – und genau das ist das Tolle daran.

Es spielt keine Rolle, ob du Tattoos oder rasierte Beine bevorzugst, ob du Lycra oder Jeans magst, ob du dich einklickst oder ausrastest. Es ist alles gut. Der Kern ist geblieben.

Gary Fisher und die ursprünglichen Fahrer aus Marin County, denen man nachsagt, dass sie den Sport erfunden haben, unterschieden sich gar nicht so sehr von den modernen Freeride-Kids.
Eines hat sich jedenfalls nie geändert:
Sie hatten Spaß. Und wir hoffentlich auch noch.

Liebe Grüße, Euer Hans Rey


Wer ist Hans Rey?

Hans Rey (geboren am 4. Juni 1966 als Hansjörg Rey in Kenzingen, Baden-Württemberg) ist eine lebende Legende des Mountainbike-Sports. Hans gilt als einer der wichtigsten Pioniere des Trial- und Freeride-Mountainbikens weltweit.

Bekannt unter seinem Spitznamen „No Way“ Rey, prägte er die Mountainbike-Szene der 1980er- und 1990er-Anfänge entscheidend durch seine extremen Stunts, Show-Auftritte und Abenteuer-Expeditionen.

Karriere und sportliche Erfolge

Hans Rey begann seine Karriere im klassischen Fahrrad-Trial (Fahrtechnik-Wettkämpfe auf speziellen 20-Zoll-Rädern) und wechselte später auf Mountainbikes.

  • Erfolge im Wettkampf: Er ist mehrfacher Trial-Weltmeister (Sieg bei der UCI-Weltmeisterschaft 1989) sowie mehrfacher US-amerikanischer und Schweizer Meister.
  • Pionier des Freeride: Zusammen mit anderen Fahrern der ersten Stunde erfand er das „Extreme Mountainbiking“ (heute Freeride). Er zeigte, dass man mit einem Mountainbike über fast jedes Hindernis springen, klettern oder balancieren kann.
  • Hall of Fame: Im Jahr 1999 wurde er für seine Verdienste und seinen Einfluss auf den Sport in die Mountain Bike Hall of Fame aufgenommen.

Soziales Engagement: Wheels 4 Life

Im Jahr 2005 gründete Hans Rey zusammen mit seiner Frau Carmen die gemeinnützige Hilfsorganisation „Wheels 4 Life“.

Die Non-Profit-Organisation spendet Fahrräder an Menschen in Entwicklungsländern (vor allem in Afrika, Zentralamerika und Asien). Das Ziel ist es, Menschen in abgelegenen Regionen Mobilität zu schenken, damit sie Schulen erreichen, medizinische Versorgung nutzen oder Waren zum Markt transportieren können.

Hans Rey heute

Hans Rey besitzt sowohl die deutsche als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und lebt seit vielen Jahren in Laguna Beach, Kalifornien. Er ist nach wie vor als Botschafter für den Mountainbike-Sport aktiv und setzt sich weltweit für den Bau von Mountainbike-Strecken und sogenannten „Flow Trails“ ein. Über 30 Jahre war Hans Rey von GT Bikes gesponsort. Nach dem Konkurs der US-Marke fährt Hans heute für Santa Cruz.

Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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