Filmemacher aus Südbaden„Es geht nicht darum, wer am krassesten ist"

Laurin Lehner

 · 19.09.2026

Filmemacher aus Südbaden: „Es geht nicht darum, wer am krassesten ist"Foto: Bela Waltz
Bela Waltz
​Bela Walz, 24, Elektrotechnikstudent aus Freiburg, will den deutschen Mountainbike-Film wiederbeleben. Ohne Budget. Ohne Rücksicht auf den Algorithmus. Aber mit einer Menge Vibe.

​Es gab eine Zeit, da warteten Mountainbiker auf Filme. Wochenlang, manchmal monatelang. New World Disorder war nicht einfach ein Film, sondern ein Ereignis. Die DVD wanderte von Hand zu Hand, die Bilder brannten sich ins Gedächtnis, Fahrer wurden zu Legenden und Tricks zu Meilensteinen. MTB-Filme zeigten nicht nur, was möglich war – sie gaben der Szene eine Richtung.

Heute rauscht die nächste spektakuläre Line schon über den Bildschirm, bevor man die letzte überhaupt verarbeitet hat. Ein Backflip, ein Cliff Drop, ein 20-Sekunden-Clip – wischen, staunen, weiter. Das Netz ist voll von Bildern, die früher einen ganzen Film getragen hätten. Spektakulär ist heute fast alles. Und genau darin liegt das Problem: Inmitten dieser permanenten Reizüberflutung wird es immer schwieriger, Bilder zu schaffen, die nicht nur den Daumen stoppen, sondern auch im Kopf bleiben.

Doch es gibt einen Filmemacher, der will den alten Spirit wieder aufleben lassen. Statt aufwendig inszeniert, einfach draufhalten mit der “Dad-Cam” und Spaß haben. Bela ist so jemand.

Interview: “Der guten, alten Zeit wegen”

“Wir haben kein Budget, 0 Euro, zero”, sagt Bela WaltzFoto: Bela Waltz“Wir haben kein Budget, 0 Euro, zero”, sagt Bela Waltz

Bela, du planst einen neuen MTB-Film, nach deinem Youtube-Film “Schwarzwälder Kirschtorten Racing”.

Genau, der Film ist nun gut drei Jahre her. Ich kam damals auf die Idee, als verletzungsbedingt im Krankenhaus lag und plötzlich jede Menge Zeit zum Nachdenken hatte. Ich habe mir dort diese alten Bike-Filme nochmal reingezogen – die 50to01-Sachen, die Slice-of-Pie-Videos – und dachte: Digger, genau das will ich eigentlich machen.

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Du willst bei dem neuen Film wieder ein 30 bis 45 Minuten Video produzieren. Das klingt in einer Zeit, wo die Leute nach 15 Sekunden weiterswischen, fast schon naiv. Warum hält man 2026 an einem Konzept fest?

Weil der Markt mit genau dem übersättigt ist, was gerade alle machen. Superedits, Hochglanz, immer höher, immer weiter, immer gefährlicher. Das ist handwerklich beeindruckend, aber irgendwie kalt. Was mir beim ersten Film so viel bedeutet hat – und das hat mir unser Promi-Protagonist Jasper Jauch später selbst bestätigt, er hat's sogar im Podcast erwähnt – war, dass es einer der geilsten Drehs war, auf denen er je war. Nicht weil die Shots perfekt waren. Sondern weil es ums gemeinsame Fahren ging. Nicht darum, wer der Beste ist. Genau das fehlt mir gerade im Sport.

Jetzt könnte man auch sagen: Du machst das vor allem für dich. Du willst mit deinen Leuten in den Wald, Biken - das geht auch ohne Filmen, oder?

Das wäre zu kurz gedacht. Klar, ich freue mich darauf, die Leute wiederzusehen und zusammen Fahrrad zu fahren. Aber das Ziel ist, dass genau dieses Gefühl auf den Zuschauer überschwappt. Ich habe bei der Premiere des ersten Films hinten gestanden und einfach die Leute beobachtet, wie sie den Film angeschaut haben. Du hast gesehen, wie sie gelacht haben, wie sie sich richtig damit identifiziert haben. Das ist der Moment, für den man das macht. Dass jemand danach sagt: Ich hole mein Fahrrad wieder aus dem Keller und will den Wald gehen ballern.

Und wer kommt diesmal Prominentes im Film vor?

Das wird eine Überraschung, haha. Die tollsten Menschen: von den absoluten Rennikonen des deutschen Radsports wie Jasper Jauch, Texi und vielen weiteren über den Nachwuchs wie Lois Eller bis hin zur Sparte Fun, also vielen aus den sozialen Medien wie Andi oder Jay. Wir haben ein sehr gemischtes und homogenes Feld an Menschen. Wichtig ist uns nicht die Reichweite, sondern die Person dahinter.

Ein absoluter Traum wäre Danny MacAskill, mein absolutes Vorbild. Ich habe über EVOC einen Kontakt bekommen, die E-Mail ist raus. Ab jetzt heißt es hoffen, dass er es einbauen kann, haha.

Wo finden die Aufnahmen statt?

Auf Trails im Südschwarzwald und in den Vogesen.

Und das Budget für das alles?

Keinen Cent. Null. Alle machen es aus Überzeugung. Marcel Schlupf, der hinter dem ganzen Medienpart steckt, hat eine Agentur und zieht das zusammen mit mir durch. Den Schnitt übernehme ich größtenteils selbst – ich will die Kontrolle über den Stil des Films behalten. Sieben Filmer insgesamt, drei Wochenenden, sechs verschiedene Spots, Lagerfeuer, Grillen, Anreise Freitagabend. Kein Sponsor, kein Druck. Einfach machen.

Und die Premiere dann wieder beim Bike Festival Freiburg?

Genau. Freitagabend, erster Tag – das wird die Premiere. Ob das direkt auf dem Festival-Gelände oder in einer Halle daneben wird, schauen wir noch. Aber der Rahmen steht. Und ich kann es ehrlich gesagt kaum erwarten.

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Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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