Dimitri Lehner
· 02.08.2026
Elias Schwärzler, geboren am 13. September 1995, wuchs mit drei älteren Brüdern auf. Als kleiner Elias war er zunächst vom Fußball fasziniert. Sein Idol: Lionel Messi. Nicht nur wegen der Technik – sondern wegen des Willens, sich durchzusetzen. Mit elf Jahren begann er mit dem Radfahren und wurde später Dritter bei den österreichischen Staatsmeisterschaften. Die drei älteren Brüder halfen dabei wenig: Sie hatten mit Biken nichts am Hut. Zwei wurden Ärzte, der dritte Finanzmanager. Elias wurde Weltrekordhalter.
2014 zog Schwärzler zum Studieren nach Innsbruck. Dort lernte er ein Jahr später den Osttiroler Fabio Wibmer kennen. Wibmer studierte Sportmanagement, Schwärzler Betriebswirtschaft. Sie merkten schnell, dass beide das Biken liebten und verrückte Ideen Sie drehten erste Filmclips zusammen. In den Videos ging es nicht um Rennfahren, sondern um alltägliche Situationen, um Mutproben, um Quatsch mit dem Bike. Ab 2016 entstand daraus die Sick Series. Die erfolgreichste Videoserie im Radsport – mit über 500 Millionen Aufrufen. Das Erfolgsgeheimnis? Action allein reicht nicht. Es gibt viele, die das besser können. Man braucht eine Geschichte. Schwärzlers erfolgreichster Solo-Clip: „Dreamgirl" kommt auf 39 Millionen YouTube-Aufrufe. 2019 trennten sich die Wege der beiden. Die Freundschaft blieb.
Schwärzler ist fasziniert von Rekorden. Sein Ziel war die 300-km/h-Marke – von einem Motorrad gezogen. Am Ende reichte es für 272 km/h – aber immerhin: offizieller Weltrekord. Auf einem handelsüblichen Downhiller Scott Gambler. Guinness-zertifiziert. Den nächsten Versuch plant er mit einem Formel-1-Auto als Zugmaschine. Ob das klappt, ist offen. Dass er es versucht, steht fest. Den Weltrekordversuch nennt er selbst seine größte Mutprobe. Er habe dafür all seinen Mut zusammenkratzen müssen.
Der bislang verrückteste Stunt: Mountainbiken, Ballonfahren und Basejumping in einer einzigen, durchgehenden Aktion – zwei Jahre Vorbereitung, 70.000 Euro Budget, ein Team von 20 Personen, gedreht in Bulgarien, weil dort niemand zu viele Fragen stellte. Schwärzler rollte über die Haut eines Heißluftballons in die Tiefe, drehte Frontflips im freien Fall, ließ das Bike los und zog den Fallschirm. Den ersten Versuch musste er wiederholen, weil die Foto-Drohne versagte. Am Ende berichteten 200 Fernsehsender weltweit darüber – kumulierter Medienwert: drei bis fünf Millionen Euro.
In seiner Videoserie „Paradise of Pirates" reiste Schwärzler auf eine Insel vor der Küste Somalias, berüchtigt für Piraterie – auf der Suche nach der schönsten Abfahrt der Welt. Sieben Tage ohne Strom, ohne Internet, abgeschnitten von der Außenwelt. Parallel dazu: sein Projekt „Bike the World" – erste Stationen waren Bolivien und Japan. Nebenher läuft das Unternehmen: In seiner Senders Academy in Rankweil beschäftigt Schwärzler 20 Vollzeitangestellte. 180 Workshops werden angeboten. Das Programm für Nachwuchsfahrer umfasst nicht nur Fahrtechnik, sondern auch Workshops zu Sponsoring, Social Media und dem Weg zum Profi. Sein Traum darüber hinaus: ein eigener Bikepark, ein eigenes Mountainbike-Gymnasium – und irgendwann ein Weltmeister, der aus seiner Akademie kommt. Seine Vision: ein eigenes Sportgymnasium für Mountainbiker mit dazugehörigem Bike-Park. Wie man bei Elias Schwärzler weiß, ist das nicht nur ein Traum, der Schaum bleibt. Die ersten Schritte hat er unternommen, das Projekt läuft. Schwärzler eben.
Ruhm als Selbstzweck? Interessiert ihn wenig. Autogramme stundenlang zu geben ist weniger befriedigend als wenn jemand sagt: Wegen dir habe ich das Wheelie gelernt – oder aufgehört, Weed zu rauchen, und fange jetzt an zu biken.

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