Johannes Fischbach zwischen Willingen und Genua„Druck ist normal!“

Dimitri Lehner

 · 30.05.2026

Urban-Racer Johannes Fischbach beim BIKE-Festival Willingen: „Ein Rennen muss sein!“
Foto: D. Lehner
Eigentlich wollte Johannes Fischbach beim BIKE Festival Willingen den Downhill fahren. Doch weil das Rennen ausgebucht war, startet der Urban-Downhill-Star kurzerhand bei der Deutschen Meisterschaft im E-Enduro. Warum er sich dort nicht zu den Favoriten zählt, weshalb ihm die Beine explodieren könnten und warum ihn die Silbermedaille von Genua nicht unter Druck setzt, verrät er im Gespräch mit BIKE.

BIKE: Johannes, schön dich in Willingen zu treffen. Was bedeutet dir das BIKE Festival?

Johannes Fischbach: Ich finde das Festival einfach geil. Und wenn dann noch die Sonne scheint, ist es sowieso perfekt. Eigentlich wollte ich den Downhill fahren. Die letzten fünf Jahre konnte ich mich immer noch nachmelden. Diesmal ging das nicht mehr.

BIKE: Warum?

Angeblich gibt es ein neues Zeitmesssystem und nur 500 Transponder. Die 500 Startplätze waren weg. Also war das Thema erledigt.

BIKE: Deshalb jetzt die Deutsche Meisterschaft im E-Enduro?

Genau. Irgendwas will ich schließlich fahren. Ganz ohne Rennen geht's nicht.

BIKE: Du bist mitten in der Vorbereitung für Red Bull Cerro Abajo. Da müsste die Form doch stimmen.

Fit bin ich schon. Aber nicht unbedingt für ein E-Enduro-Rennen. Das ist etwas völlig anderes. Die technischen Uphills werden für mich wahrscheinlich die größte Herausforderung.

BIKE: Kennst du das Format überhaupt?

Ein bisschen. Beim Bike Festival Garda Trentino bin ich die Bosch eMTB Challenge gefahren. Dort gab es diese No-Feet-Zonen. Wenn du den Fuß setzt, bekommst du fünf Strafsekunden. Zusätzlich zu der Zeit, die du ohnehin verlierst. Das summiert sich schnell.

BIKE:Wie bist du dort abgeschnitten?

Siebter.

BIKE: Was ist das Ziel hier in Willingen? Deutscher Meister?

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Wollen schon. (lacht) Aber ich würde mich definitiv nicht als Favoriten bezeichnen.

BIKE: Warum so zurückhaltend?

Weil ich das Gelände nicht kenne. Die Wertungsprüfungen werden blind gefahren. Wer hier regelmäßig unterwegs ist und die Trails kennt, hat einen klaren Vorteil.

BIKE: Mit welchem Bike gehst du an den Start?

Mit meinem Raymon-Enduro Tarok. 160 Millimeter Federweg vorne, 150 hinten. Optisch wirkt es wie ein Light-E-Bike, hat aber ordentlich Leistung. Verbaut ist der Avinox-Motor M2S, allerdings reglementbedingt auf 750 Watt begrenzt.

BIKE: Wie machst du es? Rucksack odert oder Race-Modus?

Race-Modus. Ich nehme so wenig wie möglich mit. Eine Trinkflasche, einen Energieriegel, Schlauch und Pumpe. Mehr nicht. Und dann hoffe ich, dass alles hält.

BIKE: In wenigen Wochen wartet das große Urban DH-Race: Red Bull Cerro Abajo in Genua. Wie ist deine Stimmungslage?

Mental völlig entspannt. Körperlich fühle ich mich auch gut. Allerdings habe ich fast ausschließlich auf kurze Belastungen trainiert. Deshalb könnte mir hier beim E-Enduro die Beine explodieren (lacht).

BIKE: In Genua musst du deine Silbermedaille vom Vorjahr verteidigen. Spürst du Druck?

Nein, keinen besonderen. Druck ist normal. Druck gehört immer dazu, wenn du bei solchen Rennen an den Start gehst. Das kenne ich seit Jahren. Damit kann ich gut umgehen.

BIKE: Was wäre für dich in Genua ein erfolgreiches Ergebnis?

Wenn ich mein Potenzial abrufen kann. Im Urban Downhill entscheidet oft eine Kleinigkeit. Aber wenn alles zusammenpasst, möchte ich wieder ganz vorne mitfahren.

BIKE: Dann wünschen wir viel Erfolg – für die Deutsche Meisterschaft und für Genua.

Danke. Wir sehen uns im Ziel.

Tatsächlich: Johannes Fischbach wird Deutscher E-Enduro-Meister 2026 vor Christian Textor auf Platz 2 und Erich Emmrich auf Platz 3. Wir gratulieren!

Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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