Der beste Trail in Willingen“Unbedingt fahren!“

Dimitri Lehner

 · 30.05.2026

Der beste Trail in Willingen: “Unbedingt fahren!“
BIKE-Redakteur mit Fahrtechnik-Coach Marc Brodesser (re): „Fahr den Flow Country in Willingen!“ | Footo D. Lehner
BIKE: Marc, du wohnst praktisch vor der Haustür von Willingen. Wenn ich Willingen nicht kenne – welchen Trail muss ich unbedingt fahren?


Beim BIKE Festival in Willingen trafen wir Fahrtechnik-Coach Marc Brodesser. Der Willingen-Local verrät seine Lieblingsstrecken, erklärt, warum Skinnies heute anders aussehen als früher – und weshalb die meisten Stürze nicht auf dem schwierigsten Trail passieren.​

Marc Brodesser: Ganz klar den Propain Trail. Der gehört zwar offiziell zum Green Trail Center, läuft aber parallel zu den Flowtrails des Bikeparks. Er hat etwas Flowtrail-Charakter, fühlt sich aber deutlich natürlicher an. Du fährst komplett durch den Wald, nicht ständig von Anlieger zu Anlieger. Für mich persönlich ist das dem Mountainbiken näher als vieles, was heute als Flowtrail verkauft wird.

BIKE: Also weniger Autobahn, mehr Trail?

Brodesser: Genau. Nicht extrem technisch, aber natürlicher.

BIKE: Und wenn jemand etwas mehr Herausforderung sucht?

Brodesser: Dann die Enduro-Strecke im Bikepark. Die wird ständig weiterentwickelt und bietet deutlich mehr technischen Anspruch. Wer gerne Wurzeln, Steine und knifflige Passagen fährt, ist dort richtig.

BIKE: Wenn du nur eine Strecken heute fahren dürftest, welche würdest du dir heraus suchen?

Brodesser: Die Flow Country. Die hat Didi Schneider gebaut, und man merkt einfach, wenn eine Strecke handwerklich richtig gut gemacht ist. Klar, sie ist eher einfach. Aber selbst einfache Trails fühlen sich für jedes Fahrkönnen gut an, wenn sie richtig designt sind. Die Flow Country In Willingen gehört für mich dazu.

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BIKE: Wie anspruchsvoll ist die Downhill-Strecke? Muss man Angst haben?

Brodesser: Nein. Sie ist clever gebaut. Du kannst praktisch jeden Sprung umfahren. Es gibt schwere und einfache Linien. Natürlich sollte man ein gewisses Fahrkönnen mitbringen – es ist steil, wurzelig und stellenweise ruppig. Aber es ist keine Strecke, auf der Normalfahrer automatisch in Schwierigkeiten geraten.

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BIKE: Als ich zuletzt hier war, gab es noch Northshores und Skinnies. Gibt es die noch?

Brodesser: Ja, aber deutlich entschärft. Früher standen wir teilweise mehrere Meter über dem Boden auf schmalen Holzbalken. Das war oft mehr Mutprobe als Fahrtechnik. Heute gibt es solche Elemente noch, aber meist in vernünftiger Höhe.

BIKE: Vermisst du die alte Freeride-Zeit als Northshore-Stunts die harte Währung waren im Freeriding?

Brodesser: Ein bisschen schon. Technisch anspruchsvolle Skinnies finde ich immer noch spannend. Aber die Konsequenzen müssen nicht mehr dazugehören. Knifflig darf es sein. Gefährlich muss es nicht sein.

BIKE: Was ist der häufigste Fehler von Bikepark-Besuchern. Gerade an einem Event wie dem BIKE-Festival in Willingen?

Brodesser: Fehlende Selbsteinschätzung. Viele fahren Strecken oder Geschwindigkeiten, die nicht zu ihrem Können passen. Das sieht man ständig.

BIKE: Ist Ermüdung auch ein Thema.

Brodesser: Oh ja. Viele saßen noch nicht oft auf dem Bike. Dann kommen sie zum Festival und reihen eine Liftfahrt an die nächste. Der Lift hier ist schnell, ruckzuck bist du wieder oben. Man macht einen Run nach dem anderen. Irgendwann lässt die Konzentration nach, obwohl man sich noch fit fühlt. Genau dann passieren die meisten Fehler. Das ist wie beim Skifahren: Die letzte Abfahrt ist oft die gefährlichste.

BIKE: In Willingen gibt es mittlerweile jede Menge Rennen und Challenges. Was reizt dich noch?

Brodesser: Der Marathon. Den gibt es seit 26 Jahren, und ich mag einfach die Atmosphäre. Für mich geht es dabei nicht um Zeiten oder Platzierungen. Aber das Erlebnis war jedes Mal großartig. Ich bin den Marathon oft gefahren und habe danach nie auf die Ergebnisliste geschaut.

BIKE: Ernsthaft?

Brodesser: Wirklich. Ich mag den Start, die Stimmung, die Leute. Wer Ehrgeiz hat, kann dort natürlich Vollgas geben. Aber man muss nicht. Das gefällt mir.

BIKE: Viele schrecken schon beim Wort Marathon zurück.

Brodesser: Völlig unnötig. Es gibt auch kurze Distanzen. Man bekommt trotzdem die schönsten Trails und die beste Stimmung mit. Für viele Besucher wäre das wahrscheinlich sogar mein Geheimtipp für ein Willingen-Wochenende.

BIKE: Dein Fazit zu Willingen?

Brodesser: Die Vielfalt macht's. Flowtrail, Enduro, Downhill, Green Trails, Marathon – hier findet jeder etwas. Und das ist vermutlich der größte Unterschied zu früher. Heute musst du dich nicht mehr entscheiden, welche Art Mountainbiker du sein willst. Du kannst alles an einem Wochenende fahren.

Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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