Motorschaden E-MTB Motorschaden E-MTB

Umfrage: Motorschaden am E-MTB

Auswertung Umfrage: War Ihr Motor schon defekt?

Adrian Kaether am 11.08.2020

Antriebsschäden am E-MTB sind ärgerlich – aber leider keine Seltenheit. Daher startete EMTB die Umfrage "Motorschäden am E-MTB", über 1900 E-MTB Fans nahmen teil. Jetzt sind die Antworten ausgewertet.

Immer wieder erhalten wir hier in der Redaktion Zuschriften von Lesern, die mit defekten Motoren und Akkus, oder anderen Antriebsfehlern kämpfen. Kein Wunder, denn schließlich ist das umfangreiche Elektronikpaket eine ganz neue, sensible Komponente am E-MTB. In Vorbereitung auf die kommende Ausgabe EMTB 04/20 haben wir deshalb eine Umfrage gestartet – "Motorschaden am EMTB?" – die die vereinzelten Leserzuschriften auf eine etwas breitere Basis stellen sollte.

Mit einer derartigen Resonanz hatten wir aber nicht gerechnet: Rund 1900 EMTB-Fans haben an unserer Umfrage teilgenommen. Das allein bestätigt, was wir ohnehin vermutet hatten – Motorschäden am E-MTB sind leider keine Seltenheit. Hier nun der Überblick über die Ergebnisse im Einzelnen.

Hinweis: Trotz der verhältnismäßig hohen Teilnehmerzahl ist die Umfrage nicht repräsentativ. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte zufällig, zudem konnte nur die Zahl der Teilnehmer mit Motorproblemen den jeweiligen Herstellern zugeordnet werden, nicht aber diejenige derer ohne Motorprobleme. Rückschlüsse auf eine tatsächliche Ausfallquote bei den einzelnen Herstellern können daher nicht gezogen werden. Vor dem Hintergrund dieser Grenzen der Umfrage bitten wir darum, die folgenden Ergebnisse nur als grobe Tendenz zu verstehen.

Bosch und Brose als Spitzenreiter – nur 43 Prozent ohne Motorprobleme

Zunächst zum Offensichtlichen: Bosch und Brose liegen in absoluten Zahlen leider deutlich vorne. 454 Teilnehmer, das heißt 22 Prozent gaben Probleme mit Bosch an, 449 Teilnehmer (21 Prozent) hatten schon Probleme mit Brose. Beide Hersteller liegen also fast gleichauf, während Shimano mit 5 Prozent (111 Teilnehmer) deutlich dahinter liegt, ebenso wie der Sammelpool "anderer Hersteller" mit 9 Prozent. (Zum Zusammenhang zwischen absoluten Zahlen und Prozent s. u.1 )

Umfrage Q1: Brose, Bosch, Shimano

Brose und Bosch sind die "Spitzenreiter", Shimano liegt deutlich weiter hinten.

Dass nur 43 Prozent der Teilnehmer angaben, bisher keine Probleme gehabt zu haben, ist wohl der Fragestellung unserer Umfrage ("Motorschaden am E-MTB?") geschuldet. Zudem liegt nahe, dass diejenigen E-Mountainbiker, die bereits schlechte Erfahrungen mit ihren Antrieben gemacht haben, eher gewillt sind, sich die Zeit für die Teilnahme an der Umfrage zu nehmen. Die Zahl der E-MTB-Fahrer, die bislang von Problemen verschont geblieben sind, liegt in der Realität mit Sicherheit höher.

Bosch und Brose gleichauf: Was bedeuten die Zahlen?

Sind die Antriebe von Bosch und Brose also gleichermaßen problembehaftet? Diese Frage können wir leider aufgrund der oben angegebenen Grenzen der Umfrage nicht abschließend beantworten. Wer sich schon länger mit dem Thema E-MTB beschäftigt, wird aber vermuten, dass absolut betrachtet deutlich mehr Fahrer auf Bosch-Motoren unterwegs sind, als auf Brose-Antrieben. Das relativiert die vermeintlich hohe Fehlerquote der Bosch-Antriebe.

Um die Marktanteile der Motoren zumindest grob einzuordnen, hilft ein Blick auf unsere große Leserumfrage 2020 mit rund 9000 Teilnehmern: Fast dreimal so viele Leser sind mit einem Bosch-Motor unterwegs, wie mit einem Brose-Antrieb. Shimano lag dort deutlich hinter Bosch aber sogar noch vor Brose. Natürlich kann man die absoluten Zahlen dieser beiden, voneinander unabhängigen Befragungen, nicht direkt zueinander in Beziehung setzen. In der Tendenz zeichnet sich jedoch ab, dass die Ausfallquote bei Brose am höchsten liegt, während Shimano demnach kaum Probleme zu bereiten scheint.

Detailvergleich: Viele Probleme mit Drive S Mag und CX Gen2

Auffällig neben den absoluten Zahlen ist auch der Zusammenhang zwischen den einzelnen Antworten. So lässt sich durch eine genauere Analyse erkennen, dass die Teilnehmer, die Probleme mit Brose angaben, deutlich häufiger Probleme mit dem aktuellen Topmodell hatten (Drive S Mag: 63,4 %, älteres Modell: 36,6 %), als die Teilnehmer, die Probleme mit Bosch vermeldeten (CX Gen4: 37 %, älteres Modell: 63 %). 

Motorschaden E-MTB

Bosch-Biker meldeten in unserer Umfrage eher Schwierigkeiten mit dem älteren Perfomance CX Gen2 (bis 2019), während Brose-Fahrer deutlich häufiger mit dem aktuellen Topmodell Drive S Mag hadern.

Erstaunlich ist vor diesem Hintergrund auch, dass bei Bosch nur 21 Prozent der Teilnehmer angeben, schon mindestens mit dem zweiten Austauschmotor unterwegs zu sein, während die Quote bei Brose immerhin bei 31,2 Prozent liegt – dabei treten die Probleme bei Brose mehrheitlich mit aktuelleren Modellen auf, die im Vergleich mit den älteren Bosch-Modellen eine deutlich kürzere Laufzeit aufweisen sollten.

Die Zahlen, gestützt durch die Kommentare der Teilnehmer, bestätigen damit zwei viel diskutierte Problempunkte: Boschs Vorgänger des aktuellen Topmodells machte verhältnismäßig häufig Probleme. Eine schwächelnde Dichtung am Performance CX Gen2 (bis Modelljahr 2019) ließ Schmutz und Wasser eindringen, die Folge: mahlende Geräusche im Getriebe. Bei Brose kam es beim aktuellen Topmodell Drive S Mag auffällig häufig zu Rissen des Antriebsriemens im Motor.

Brose und Specialized haben bereits auf die Problematik reagiert. Alles zum neuen Softwareupdate für Brose-Antriebe und die Garantieverlängerung bei Specialized finden Sie hier.

Garantie und Service

In Sachen Garantie und Service scheinen sich die beiden Kontrahenten allerdings nicht viel zu nehmen: Nur rund 40 Prozent der Umfrageteilnehmer bei Brose wie bei Bosch geben an, dass Service und Garantieabwicklung "schnell und unkompliziert" verliefen. Die Antwortmöglichkeit "schleppend und langsam" wählten 22 Prozent der Teilnehmer mit Brose- und 27 Prozent der Teilnehmer mit Bosch-Problemen.

Wo steht Shimano?

Und bei Shimano? Nur 111 Teilnehmer gaben insgesamt an, Probleme mit Shimano zu haben, die Datenmengen in den Detailfragen sind leider noch geringer. Aufgrund dessen ist eine valide Detailauswertung kaum möglich. Zum Service der Japaner können wir sagen: Die Teilnehmer hatten im Vergleich zur Konkurrenz keinen übermäßigen Grund zur Beschwerde.


1 Die Abweichung zwischen der absoluten Zahl der Antworten und der Prozentzahl (z. B. Bosch: 454 x 100 % / 1908 = 23,8 % → de facto aber 454 x 100 % / 2102 = 22 %) kommt aufgrund von Mehrfachnennungen zustande. Hier konnten die Teilnehmer mehrere Antworten geben, falls sie bereits mit unterschiedlichen Herstellern Erfahrung hatten. Die Summe der Befragten beträgt 1908, die der Antworten in diesem Fall 2102.


 

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Adrian Kaether am 11.08.2020