Er ist simpel, unscheinbar und doch aus kaum einem Schuh wegzudenken: der Schnürsenkel. Was heute wie selbstverständlich wirkt, hat eine erstaunlich lange Geschichte hinter sich. Schon vor Jahrhunderten suchten Menschen nach Möglichkeiten, Schuhe sicher und individuell am Fuß zu fixieren – lange bevor Hightech-Verschlüsse und Drehmechanismen überhaupt denkbar waren.
Die moderne Form der Schnürung, wie wir sie heute kennen, wurde im 19. Jahrhundert populär und entwickelte sich schnell zum Standard im Schuhwerk. Einen einzelnen „Erfinder“ gibt es dabei nicht – vielmehr ist der Schnürsenkel das Ergebnis vieler kleiner Entwicklungsschritte. Doch sein Erfolgsrezept ist bis heute unschlagbar: simpel, günstig, zuverlässig.
Und genau deshalb hält sich der Klassiker hartnäckig – trotz aller Konkurrenz aus der Welt der Drehverschlüsse und Schnellspannsysteme.
Den großen Durchbruch brachte das BOA-System in den frühen 2000er-Jahren. Die Idee dahinter: klassische Schnürung oder Klett ersetzen durch ein feines Drahtseil, das sich über einen kleinen Drehknopf millimetergenau spannen und ebenso schnell wieder lösen lässt. Entwickelt wurde das System vom gleichnamigen Unternehmen BOA Technology, das sich auf präzise Fit-Systeme für Sport- und Outdoor-Schuhe spezialisiert hat.
Besonders in der Welt der Radschuhe fand die Technik schnell Fans. Kein Gefummel mit losen Schnürsenkeln, kein Nachziehen unterwegs – stattdessen ein schneller Dreh für perfekten Sitz, selbst während der Fahrt. Hersteller von Radschuhen setzten zunehmend auf das System, weil es eine gleichmäßige Druckverteilung und sehr feine Anpassung ermöglicht.
Warum gibt's die eigentlich nicht schon länger? Drehradverschlüsse sind superpraktisch. Reinschlüpfen, Rädchen drehen, fertig – beim Ausziehen läuft's genauso smooth. Die Rennrad-Fraktion schwört schon lange drauf, und mich wundert's kein bisschen, dass auch wir Mountainbiker so langsam Gefallen daran finden. Bei Schnürbändeln hab ich nämlich ständig die Befürchtung, dass sie sich irgendwann im Antrieb verheddern – also stopfe ich sie notgedrungen seitlich in die Schuhe, was dann aber oft unangenehm drückt. Kurzum: Ich bin Team Drehradverschluss.
Drehverschlüsse haben ihre Vorteile – trotzdem setze ich lieber auf den guten alten Schnürsenkel. Warum? Günstiger, weniger anfällig für Defekte und im Zweifel schnell selbst zu ersetzen. Gerade auf Mehrtagestouren verzichte ich gerne auf das Risiko. Denn schert so ein Drehverschluss ab, wars das erstmal. Klar, auch ein Schnürsenkel kann reißen – passiert ist mir das allerdings noch nie. Dazu kommt: Für Modelle mit Drehverschluss verlangen viele Hersteller ordentlich Aufpreis. Ich bleibe lieber beim klassischen „Binden statt Drehen“.

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