Der Gravita Tensor des italienischen Herstellers Fizik war ein Offroad-Schuh wie aus dem Bilderbuch. Steif genug für lange und fordernde Anstiege. An Zehen und Knöchel geschützt wie ein Bombenentschärfer. Und trotzdem leicht, bequem und hervorragend anpassbar. Nun verschmilzt der Gravita Tensor mit dem wesentlich zahmeren Gravita Versor zu einem Modell: dem Gravita Versor 2, der sich noch immer klar im Segment moderner Gravity-Schuhe platziert, allerdings mit reduzierter Ausstattung daherkommt. Ob der Spagat zwischen Robustheit und reduziertem Gewicht noch immer aufgeht? Wir sind gespannt. Doch erst mal zu den Fakten.
Herzstück ist die neu entwickelte Clip-in-Sohle. Sie kombiniert einen Nylon-Schaft mit einer Vibram XS Trek Evo Gummimischung. Eine zonal abgestimmte Profilstruktur soll sowohl sicheren Halt auf dem Pedal als auch Traktion beim Gehen liefern. Flachere Bereiche im Mittelfuß verbessern das Pedalgefühl, während ausgeprägtere Stollen an Zehen und Ferse für Grip bei Tragepassagen sorgen.
Im Vergleich zu klassischen Gravity-Schuhen setzt Fizik auf eine integrierte Bootie-Konstruktion. Das Ergebnis soll ein eng anliegender Sitz sein, der den Fuß gleichmäßig umschließt und Druckstellen reduzieren soll. In Kombination mit einer klassischen Schnürung entsteht ein bewusst simples, aber präzises Verschlusssystem, das auf gleichmäßige Druckverteilung abzielt.
Beim Obermaterial kommt ein reißfestes Ripstop-Gewebe zum Einsatz. Es soll klassischen Belastungen im Gravity-Einsatz – Steinschlag, Kontakt mit Kurbeln oder Bodenkontakt – standhalten, ohne schwer oder steif zu wirken. Ergänzt wird das durch gezielt platzierte Verstärkungen: Eine PU-laminierte Zehenkappe sowie zusätzliche Schutzbereiche an den Flanken erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegen Abrieb und Schläge. Der Ansatz: Schutz genau dort, wo er benötigt wird – ohne unnötiges Material an anderer Stelle.
Konzeptionell ist der Versor 2 nicht ausschließlich für den Liftbetrieb gedacht. Fizik beschreibt den Einsatzbereich bewusst breit: von Shuttles über Bikepark-Runs bis hin zu längeren Trail-Missionen. Die Kombination aus effizienter Kraftübertragung, Gehkomfort und niedrigem Gewicht soll genau diesen Mix ermöglichen. Auch die verlängerte Cleat-Verstellmöglichkeit unterstreicht den Anspruch: Fahrer können ihre Pedalposition individuell anpassen – ein Detail, das gerade bei steilen Abfahrten und aggressiver Fahrweise relevant wird.
Der Gravita Versor 2 Flat übernimmt die Grundidee des Clip-Modells – leichter Gravity-Schuh, reduziertes Design und präziser Sitz – ersetzt jedoch das Cleat-System durch eine speziell angepasste Flat-Sohle. Zum Einsatz kommt eine Vibram XS Ride Gummimischung, die auf maximalen Grip auf Plattformpedalen ausgelegt ist. Das Profil ist zonal aufgebaut: Eine flachere Zone im Mittelfuß verbessert den Kontakt zum Pedal, während ausgeprägte Stollen an Vorder- und Rückfuß zusätzliche Traktion beim Gehen liefern. Im Vergleich zur Clip-Version fällt die Sohle deutlich weicher aus. Mit einem Steifigkeitsindex von 2 ist sie klar auf Feedback und Grip statt auf maximale Kraftübertragung ausgelegt.
Auffällig: Mit rund 320 Gramm (pro Schuh, ohne Fußbett) ist die Flat-Version noch einmal leichter als das Clip-in-Modell. Das unterstreicht die Ausrichtung: möglichst direkter Kontakt zum Bike, viel Bewegungsfreiheit und ein Schuh, der sich auch auf längeren Trail-Tagen nicht klobig anfühlt.
Der Fizik Gravita Versor 2 folgt einem klaren Trend: Gravity-Schuhe werden leichter, präziser und vielseitiger. Statt massiver Bauweise setzt Fizik auf ein reduziertes, funktionales Konzept mit Fokus auf Sitz und Pedalgefühl. Interessant ist vor allem die Kombination aus Clip-in-Performance und vergleichsweise geringem Gewicht – ein Ansatz, der besonders für moderne Enduro- und E-MTB-Einsätze relevant ist. Wer einen Schuh sucht, der nicht nur bergab funktioniert, sondern auch auf längeren Touren überzeugt, dürfte hier fündig werden.

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