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Moderne Fahrradhelme bieten ein hohes Schutzniveau. Doch eine aktuelle EU-Untersuchung zeigt auch Schwächen im Markt. Warum ein CE-Zeichen nur die Mindestanforderung definiert, welche Rolle moderne Sicherheitstechnologien spielen und worauf Radfahrer beim Helmkauf achten sollten.
Unser Fazit: Die Ergebnisse der europäischen Marktüberwachung sind kein Grund zur Panik. Sie zeigen vielmehr zwei Dinge
Erstens: Moderne Fahrradhelme sind so sicher wie nie zuvor.
Zweitens: Käufer sollten sich nicht blind auf ein CE-Zeichen verlassen.
Die Mindestanforderungen der Norm sind wichtig. Wer den bestmöglichen Schutz sucht, sollte jedoch zusätzlich auf Passform, unabhängige Testresultate und moderne Konzepte gegen Rotationskräfte achten. Denn zwischen zwei normkonformen Helmen können im Detail durchaus erhebliche Unterschiede liegen.
Fahrradhelme gehören heute zur selbstverständlichen Ausrüstung vieler Mountainbiker, Gravel- und Rennradfahrer. Gleichzeitig waren die Anforderungen an Helme nie höher. Immer mehr Fahrer beschäftigen sich mit Themen wie Gehirnerschütterungen, Rotationskräften oder zusätzlichen Schutzsystemen wie MIPS, KinetiCore oder WaveCel.
Doch wie sicher sind aktuelle Helme tatsächlich?
Eine europaweite Marktüberwachung liefert dazu interessante Erkenntnisse. Im Auftrag der EU wurden 100 Sporthelme untersucht, darunter 70 Fahrrad-, Skate- und Rollerhelme. Das Ergebnis fällt insgesamt positiv aus: 79 Prozent der getesteten Produkte bestanden die technischen Sicherheitsprüfungen. Gleichzeitig zeigten sich jedoch auch zahlreiche Mängel bei Dokumentation, Kennzeichnung und teilweise sogar bei der Schutzwirkung.
Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Die Wirksamkeit von Fahrradhelmen ist wissenschaftlich gut belegt. Aktuelle Studien zeigen, dass Helme das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich reduzieren können. Entsprechend empfiehlt die EU-Kommission weiterhin ausdrücklich das Tragen eines Helms bei allen risikobehafteten Sportarten wie Radfahren, Skateboarden oder Inlineskaten.
Auch die aktuelle Marktüberwachung bestätigt grundsätzlich ein hohes Sicherheitsniveau. Geprüft wurden unter anderem Stoßabsorption, Belastbarkeit der Haltesysteme sowie die Haltbarkeit der Produkte. Knapp vier von fünf Helmen erfüllten die relevanten Anforderungen.
Weniger erfreulich fällt der Blick auf die Detailergebnisse aus. Von den 70 getesteten Fahrradhelmen fielen 19 Modelle bei mindestens einer Leistungsprüfung durch. Zusätzlich stellten die Marktüberwachungsbehörden bei 65 Prozent der untersuchten Produkte Verstöße gegen formale Anforderungen der europäischen PSA-Verordnung fest. Insgesamt waren lediglich 30 Prozent der getesteten Helme vollständig konform.
Die Folgen waren teilweise deutlich: Mehrere Produkte wurden vom Markt genommen, Verkaufsverbote ausgesprochen oder Rückrufe eingeleitet. Welche Hersteller betroffen waren, nennt die EU bislang nicht.
Viele Käufer verlassen sich beim Helmkauf auf das CE-Zeichen. Das ist grundsätzlich sinnvoll, denn für Fahrradhelme ist die europäische Norm EN 1078 vorgeschrieben.
Dabei prüfen akkreditierte Stellen unter anderem:
Ein Helm mit gültiger CE-Kennzeichnung muss diese Anforderungen erfüllen. Die Norm definiert allerdings lediglich eine Mindestanforderung. Sie sagt nicht aus, wie gut ein Helm im Vergleich zu anderen Modellen schützt. Deshalb können zwei Helme mit identischer Zertifizierung in weiterführenden Sicherheitstests unterschiedlich abschneiden.
Klassische Helmnormen wurden ursprünglich entwickelt, um schwere Schädelverletzungen und Frakturen zu verhindern. In den vergangenen Jahren hat sich das Augenmerk der Forschung stärker auf Gehirnerschütterungen gerichtet. Der Hintergrund: Viele Stürze erfolgen nicht senkrecht, sondern schräg. Dabei entstehen Rotationskräfte, die das Gehirn innerhalb des Schädels verdrehen können.
Hersteller reagieren darauf mit unterschiedlichen Lösungen:
Ziel dieser Technologien ist es, die auf das Gehirn wirkenden Rotationskräfte zu reduzieren.
Wichtig dabei: Das Vorhandensein eines bestimmten Systems ist keine Garantie für die höchste Sicherheit. Entscheidend bleibt die Gesamtleistung des Helms.
Weil die gesetzliche Norm lediglich Mindestanforderungen definiert, gewinnen unabhängige Testprogramme zunehmend an Bedeutung.
Besonders bekannt sind die Bewertungen des Virginia Tech Helmet Lab. Dort werden Helme zusätzlich auf Rotationsbelastungen untersucht, die bei vielen realen Stürzen eine wichtige Rolle spielen.
Interessant dabei: Alle getesteten Helme erfüllen bereits die gesetzlichen Anforderungen. Dennoch zeigen die Ergebnisse teils deutliche Unterschiede beim Schutzpotenzial.
Auch wir bei BIKE haben bereits vor einigen Jahren einen eigenen Helmprüfstand entwickelt, um die Reduzierung von Rotationskräften abbilden zu können. Unser Testprotokoll reicht dabei weit über die Normprüfung hinaus und deckt immer wieder deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen auf.
Für Käufer kann ein Blick auf unabhängige Sicherheitstests deshalb ebenso sinnvoll sein wie der Vergleich von Gewicht, Belüftung oder Ausstattung - auch hier liefern unsere Tests wertvolle und weiterführende Informationen.
Einen unsicheren Helm erkennt man in der Regel nicht auf den ersten Blick. Einige Hinweise können dennoch helfen:
Besondere Vorsicht ist bei sehr günstigen Produkten unbekannter Anbieter angebracht, insbesondere wenn diese ausschließlich über Online-Marktplätze vertrieben werden.
Bei aller Technik wird ein Aspekt häufig unterschätzt: Ein Helm schützt nur dann zuverlässig, wenn er korrekt sitzt.
Der Helm sollte:
Ein schlecht sitzender Premium-Helm bietet im Ernstfall weniger Schutz als ein günstigeres Modell mit perfekter Passform.
Auch moderne Helme haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Ein Austausch empfiehlt sich:
Von gebrauchten Helmen raten wir von BIKE und auch die bekannten Sicherheitsorganisationen grundsätzlich ab. Vorschäden sind häufig nicht sichtbar.
Die aktuelle EU-Untersuchung zeigt ein differenziertes Bild. Die meisten Fahrradhelme erfüllen ihre eigentliche Aufgabe und schützen zuverlässig vor schweren Kopfverletzungen. Gleichzeitig offenbaren die Ergebnisse Defizite bei Dokumentation, Konformität und teilweise auch bei der Schutzwirkung einzelner Modelle.
Für Käufer bleibt das CE-Zeichen eine wichtige Grundvoraussetzung. Wer einen möglichst sicheren Helm sucht, sollte jedoch weiter schauen. Eine gute Passform, ein etablierter Hersteller, moderne Schutzkonzepte gegen Rotationskräfte und unabhängige Sicherheitstests liefern deutlich aussagekräftigere Hinweise auf die tatsächliche Schutzleistung eines Helms als das Datenblatt allein.
Was ist euch beim Helmkauf wichtiger: maximale Sicherheit, geringes Gewicht oder perfekte Belüftung? Schreibt eure Erfahrungen in die Kommentare!

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