Barbara Merz-Weigandt
· 15.07.2026
Beim diesjährigen BIKE Women Camp am Molvenosee war Raphaela Franke mit RaphRoxs dabei und wir haben die Gelegenheit genutzt, ihr ein paar Frage zu stellen. Im Interview spricht sie über ihren Weg in die Selbstständigkeit, die Herausforderungen der Produktion in Europa und ihre Vision, die Bike-Welt Stück für Stück weiblicher zu machen.
BIKE : Raphaela, wie kamst du auf die Idee, ein Unternehmen für Mountainbike-Bekleidung für Frauen zu gründen?
Raphaela Franke: Ich bin selbst leidenschaftliche Mountainbikerin und entwickle gleichzeitig sehr gerne Produkte. Durch meinen Hintergrund als Maßschneiderin und Modedesignerin sowie meine berufliche Erfahrung in der Textilbranche habe ich viel Know-how mitgebracht. Im privaten Umfeld und beim Biken mit anderen Frauen habe ich festgestellt, dass es im Bereich Mountainbike-Bekleidung für Frauen noch viel Potenzial gibt. Die Frauen hatten große Lust, ihre Wünsche und Ideen einzubringen. Das hat mich motiviert, eine eigene Marke zu gründen.
Welche spezifischen Probleme wolltest du mit deiner Bekleidung lösen?
Farben spielen natürlich eine Rolle, weil sie emotional sind. Der wichtigste Punkt war aber die Passform. In der Branche gibt es hier noch eine große Lücke. Viele Hersteller verwenden Männerschnitte und skalieren diese einfach kleiner. Das berücksichtigt die weibliche Anatomie jedoch nicht ausreichend.
Die perfekte Mountainbike-Hose entsteht aus mehreren Faktoren: einer guten Passform, passenden Farben, einem durchdachten Design, dem Material und der richtigen Funktionalität.
Welche besonderen Features haben deine Hosen?
Das wichtigste Feature ist die Passform und der speziell entwickelte Schnitt. Außerdem verfügt die Hose über einen verstellbaren Bund. Frauen fühlen sich nicht jeden Tag gleich wohl – beispielsweise durch hormonelle Schwankungen oder einen Blähbauch. Deshalb kann der Bund flexibel angepasst werden.
Beim Bergauffahren kann man die Hose etwas lockerer stellen, während man sie für die Abfahrt enger machen kann, damit sie nicht verrutscht.
Zusätzlich habe ich die Reißverschlüsse so positioniert, dass sie nicht auftragen und beim Biken nicht stören. Oft befinden sich diese an Stellen, die die Figur ungünstig betonen, oder die Handytasche stört. Dafür haben wir eine bessere Lösung entwickelt.
Woher kamen die Ideen und das Feedback für die Produkte?
Ich habe sehr viel Unterstützung aus der Mountainbike-Community bekommen. Es war mir von Anfang an wichtig, die Frauen direkt in die Produktentwicklung einzubeziehen.
Über Instagram habe ich einen Aufruf gestartet und auf Veranstaltungen Fragebögen verteilt. Dabei habe ich abgefragt, was den Fahrerinnen an bestehenden Hosen gefällt oder nicht gefällt und wie ihre perfekte Mountainbike-Hose aussehen würde. Diese Erkenntnisse sind direkt in die Entwicklung eingeflossen.
Wie hast du dein Unternehmen gegründet?
Irgendwann war für mich klar, dass ich den Schritt zu einer eigenen Marke wagen möchte. Als Erstes habe ich den Markennamen „RaphRoxs“ schützen lassen, weil er mir sehr wichtig war.
„Raph“ steht für „starke, taffe Mädels“, „Roxs“ für lässige Frauen und gleichzeitig für das Fahren auf anspruchsvollen Trails. Außerdem steckt ein Teil meines Namens darin.
Danach habe ich an einem viermonatigen Entrepreneurship-Programm teilgenommen. Dort habe ich viel über die wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekte einer Unternehmensgründung gelernt. Das war zwar sehr intensiv, hat aber großen Spaß gemacht und mir geholfen, mich Schritt für Schritt in alle Bereiche einzuarbeiten.
Wie groß ist dein Unternehmen heute?
RaphRoxs ist aktuell noch sehr klein. Im Grunde ist es eine One-Woman-Show.
Von der ersten Skizze über die Produktentwicklung bis hin zu Webshop, Social Media, Buchhaltung und Marketing mache ich derzeit alles selbst. Ich arbeite von zu Hause aus, wo ich ein kleines Atelier mit Industriemaschinen sowie einen Lagerraum habe. Dort lagere ich die Ware, verpacke die Bestellungen mit ganz viel liebe und versende sie persönlich.
Wie groß ist deine aktuelle Kollektion?
Aktuell umfasst die Kollektion fünf verschiedene Produkte. Diese sind jeweils in drei Farben erhältlich und zusätzlich in verschiedenen Größen verfügbar. (15 Teile)
Für den Start würde ich sagen, dass das bereits eine recht umfangreiche Kollektion ist.
Du bietest die Hosen in vielen Größen und zwei Längen an. Warum war dir das wichtig?
Mir war wichtig, dass möglichst jede Frau eine passende Hose findet. Deshalb gibt es die Hosen sowohl in Kurz- als auch in Langgrößen sowie in den Größen 34 bis 46.
Das ergibt insgesamt 14 Größenvarianten und macht die Produktion zwar komplexer, aber für mich stand der Komfort der Kundinnen im Vordergrund.
Auch bei den Farben war mir Vielfalt wichtig. Die Farben sind so ausgewählt, dass sie sich alle miteinander kombinieren lassen. Dadurch kann jede Fahrerin ihren eigenen Stil zusammenstellen.
Wo werden die Produkte produziert?
Etwa 95 Prozent der Produktion finden in Europa statt.
Die Hosen werden in Italien gefertigt, die Longsleeves+ Shirts in Portugal und die Socken in Spanien. Mir ist es wichtig, die textile Wertschöpfung und das Know-how in Europa zu halten, da in den vergangenen Jahren sehr viel Produktion nach Asien verlagert wurde.
Langfristig wäre mein Traum sogar eine eigene Produktionsstätte, aber das ist noch Zukunftsmusik.
War es schwierig, passende Produzenten zu finden?
Ja, das hat lange gedauert und war deutlich schwieriger als erwartet.
Ich komme zwar aus der Textilindustrie, hatte aber vor allem Erfahrung mit dem asiatischen Markt. In Europa passende Produzenten mit Outdoor Expertise zu finden, die auch mit den kleineren Stückzahlen eines jungen Unternehmens arbeiten, war eine echte Herausforderung.
Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?
Ich habe viele Ideen. Natürlich würde ich gerne weitere Produkte entwickeln, zum Beispiel eine kurze Hose, eine Fahrradunterhose oder eine Jacke.
Das langfristige Ziel ist, die Marke weiter auszubauen. Zunächst möchte ich aber die bestehenden Produkte etablieren und anschließend gemeinsam mit der Community die nächsten Kollektionen entwickeln.
Wo kann man die Produkte kaufen?
Aktuell sind die Produkte über den Online-Shop erhältlich. Interessierte können mir auf Instagram folgen, den Shop besuchen und dort bestellen. www.raphroxs.com
Außerdem bin ich auf ausgewählten Veranstaltungen vor Ort vertreten, unter anderem zum Saisonabschluss beim Bucket Ride Festival am Faaker See. Dort können Interessierte die Produkte direkt kennenlernen.
Aufruf an alle Bikerinnen: Raphaela Franke entwickelt ihre Produkte gemeinsam mit Bikerinnen. Welche Features würden für euch das perfekte Bike-Outfit für Frauen ausmachen? Schreibt eure Ideen in die Kommentare!

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