Test Lupine Alpha Lampe Test Lupine Alpha Lampe

Erster Test: Lupine Alpha

Sonne am Lenker: die hellste MTB-Lampe der Welt

Henri Lesewitz am 23.08.2018

Ein Jahr nach Ankündigung bringt der deutsche Hersteller Lupine nun den 1080 Euro teuren Superstrahler „Alpha“ auf den Markt. Der Verkauf in Deutschland ist verboten. Kann eine MTB-Lampe zu hell sein?

Auf die W-Frage hat Wolf Koch, der Chef von Lupine, nur gewartet. Er hat ja selbst lange drüber nachgegrübelt. Allerdings liegt die Antwort ja irgendwie auf der Hand. Warum baut man eine noch hellere Lampe, obwohl die Lampen im eigenen Sortiment seit Jahren die weltweite Messlatte markieren?
„Das ist so, wie einen Porsche-Ingenieur zu fragen, warum der Motor jetzt 460 PS hat, obwohl es doch schon einen Motor mit 440 PS gibt“, feuert Wolf die Antwort ab. Kurzes Überlegen. Dann schiebt er die so druckreife wie ehrliche Ausformulierung hinterher:
„Klar, die Krone der hellsten Lampe der Welt wollen wir uns auf keinen Fall nehmen lassen. Nicht von Cateye, oder wem auch sonst.“

Es war der Knaller für alle, die ein Faible für das Thema MTB-Beleuchtung haben, als Lupine im vergangen Herbst die Superlampe „Alpha“ präsentierte. Ein Oschi von robuster Bauart mit einer gigantischen Leuchtleistung von 7200 Lumen. Wer braucht das denn?, fragten sich viele in einer Mischung aus Faszination und Verwunderung. Schließlich galten schon die 5000 Lumen des eigentlichen Top-Modells „Betty“ als Benchmark. Mehr als 1000 Euro sollte die Lampe ersten Informationen nach kosten. Eine Summe, die selbst schmerzbefreite 24-Stunden-Rennfahrer trocken schlucken ließ. Die Auslieferung war für Herbst 2018 angekündigt. Der Haken, so Lupine: In Deutschland wäre die Lampe nicht zu haben. Grund seien verschärfte Vorschriften von Seiten des Kraftfahrt-Bundesamtes. Jede Lampe, die nicht an einen Helm montiert werden könne, brauche nämlich automatisch eine Zulassung. Bisher hatte man sich mit Sondergebrauchs-Formen wie 24-Stunden-Rennen oder dem Einsatz auf Privat-Gelände herausreden können. Das ginge nun nicht mehr. Und weil sich die Alpha aufgrund ihrer Ausmaße und ihres Gewichts eben nicht zur Helm-Montage eignet, sei der Verkauf in Deutschland verboten, so Wolf Koch. Interessenten könnten die Lampe aber im Ausland erwerben – etwa in Österreich, wo die Gesetzlage etwas softer ist.

Test Lupine Alpha Lampe

Der Akku wurde speziell für die Alpha entwickelt und hat eine doppelt so hohe Spannung, wie die anderen Lupine-Akkus. Der Alpha-Akku kann nicht mit anderen Lupine-Lampen kombiniert werden. Umgedreht geht das. Wer einen älteren, oder kleineren Lupine-Akku hat, kann ihn auf längeren Touren als Backup nutzen. Praktisch: Die Ladestands-Anzeige. 

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Der Name ist Programm: Die Alpha sieht martialisch aus und leuchtet so hell, wie keine andere Lampe.

Anfang September sollen die ersten Lupine Alpha-Lampen nun in den Handel kommen. Wie schon angekündigt: In allen möglichen Ländern, nur nicht in Deutschland. Wir hatten die exklusive Gelegenheit, eines der ersten Modelle bereits ausgiebig zu testen. Seriennummer 00002, steht auf dem Gehäuse der Alpha, die kurz vor dem 300 Kilometer langen Nonstop-Marathon Erzgebirgs Bike Marathon 300 bei unserem Reporter Henri Lesewitz eintrifft. Die erste Begutachtung schürt noch etwas Skepsis. Das Gehäuse ist doppelt so groß wie das der Betty. Es wiegt 225 Gramm inklusive der Lenkerbefestigungs-Schelle samt Schnellspann-Hebel. Dazu kommt der Akku mit 460 Gramm sowie die Bluetooth-Lenkerfernbedienung, deren paar Gramm allerdings nicht weiter ins Gewicht fallen. Zum Vergleich: Die Betty wiegt 180 Gramm (Gehäuse), bei ähnlich schwerem Akku. Eigentlich kein großer Unterschied. Doch die Alpha ist, wie die Betty aben auch, ein Schwergewicht. Interessanterweise aber nur, bis man sie ans Bike montiert. Ab dem Moment fällt das Gewicht gar nicht weiter auf. Die Lampe sitzt einhundert Prozent rüttelfest und beeinträchtigt auch nicht das Lenkverhalten. Auch die Details überzeugen.

  • Der Lampenkopf ist seitlich ein paar Millimeter weit justierbar, so dass man sie easy genau mittig platzieren kann.
  • Der Schnellspannhebel ermöglicht ein sekundenschnelles An- und Abbauen, was besonders für ambitionierte 24-Stunden-Fahrer wichtig ist.
  • Auch die Montage des Akkus per Klettband geht ruckzuck.
  • Der neue Alpha-Akku (14.4V / 6,9Ah), der doppelt so viel Spannung hat wie die anderen Lupine-Akkus, besitzt eine Ladestandanzeige.
  • Das Hin- und Herschalten zwischen den Leuchtstufen geht dank Bluetooth-Schalter, ohne die Hand vom Lenker zu nehmen.
  • Die Alpha kann mit der Lupine-App nach persönlichen Vorlieben programmiert werden – mit dem Smartphone, oder dem Tablet. So lässt sich zum Beispiel die Leuchtstufen-Staffelung den eigenen Wünschen anpassen.
  • Die Lampe hat ein Tagfahrlicht, das nicht blendet, aber im Straßenverkehr die eigene Sicherheit erhöht.

Bleibt immer noch die Frage: Braucht man 7200 Lumen? Die sechs Nachtstunden beim EBM300 boten genug Gelegenheit, die Antwort zu finden. Die Strecke in Seiffen ist ein Mix aus ruppigen Trails, groben Schotterpassagen, giftigen Kurzanstiegen und lang gezogenen Waldwegen. Je heller eine Lampe, je besser. Doch so einfach ist das nicht. Man muss sich die Akku-Power einteilen, sonst steht man im Dunkeln. Die Alpha saugt den Akku auf hellster Stufe (70 Watt) in 1,5 Stunden leer. Auf halber Stufe, also bei 30 Watt, dauert es knapp drei Stunden. Sagenhafte 15 Stunden sind es hingegen, wenn man nur auf kleiner Stufe fährt, mit 10 Watt. Aber hey, wer will mit 10 Watt unterwegs sein, wenn man die hellste Lampe der Welt am Lenker hat? Also auf den An-Schalter gedrückt und auf die nächste Runde. Die Sonne über Seiffen geht gerade unter. Dienstbeginn für die Alpha. 

Erzebirgs Bike Marathon EBM 300

Reporter Henri Lesewitz beim Praxistest: Die 300 Kilometer lange Version des Erzgebirgs Bike Marathons war die perfekte Gelegenheit, die Alpha unter Hardcore-Bedingungen zu testen.

Schon die ersten Meter im immer finster werdenden Wald machen klar: Die mittlere Stufe ist mehr als ausreichend. Hell, vor allem aber ungewohnt breit ist der Trail ausgeleuchtet, was an den sechs großen LED-Linsen liegt. Der Fachmann würde von einem Wirkungsbereich sprechen. Ich sage es so: Man sieht wirklich alles, was man sehen muss. Selbst die 10 Watt genügen für die meisten Passagen, zumal für die auf Schotter. Was zur Erkenntnis führt, dass es nicht nur auf die reine Lumen-Power, sondern auf die Ausleuchtung ankommt. Ein beruhigendes Gefühl, die volle Power nicht wirklich zu brauchen, denn so wird der Akku wohl eine ganze Weile durchhalten. Das Leuchtprofil der kleineren Lupine Betty (maximal 45 Watt) ist ebenfalls hervorragend, aber deutlich tunnelartiger. 
„Die LEDs der Alpha müssen sich nicht anstrengen. Die blubbern quasi im Leerlauf vor sich hin“, wird uns Lupine-Mann Wolf Koch nach dem Rennen bestätigen.
Doch jetzt ist erst mal Schluss mit Leerlauf. Die Abfahrt zum Seiffener Grund will bezwungen werden. Das steile, von Wurzeln durchzogene Biest hat schon einige Schlüsselbeine bersten lassen. Und das bei Tageslicht, bei der alljährlichen klassischen EBM-Variante. Also volle Lotte aufgeblendet. Meine Güte, was ist denn das? Wie ein gleißender, fetter Laserstrahl ballert die Alpha pure Helligkeit auf den Trail. Vor mir ist kein Schwarz mehr, sondern nur noch ein Überschuss an Licht. Als hätte die Nacht vor Schreck die Flucht ergriffen. Ein surreales Sommernachmittagsgefühl. Es ist wirklich beeindruckend. Und auch, dass der Akku nach zwei Stunden noch 80 Prozent Kapazität anzeigt, überrascht und begeistert. Als die Sonne gegen 5 Uhr morgens wieder ihren Dienst antritt, sind noch 20 Prozent im Akku. Das hätte ich im Vorfeld wirklich nicht für möglich gehalten.

Test Lupine Alpha Lampe

Das Lichtprofil zeigt eine perfekte und ungewohnt breite Ausleuchtung: Hier bei 70 Watt, der höchsten Stufe.

Test Lupine Alpha Lampe

Immer noch hell genug, um bei einem 24-Stunden-Rennen Vollgas zu geben: Die Ausleuchtung bei mittlerer Stufe (30 Watt).

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Für lange Schotterwege ausreichend: Die niedrige Stufe mit 10 Watt schont den Akku und lässt immer noch genug erkennen.

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Und hier im Vergleich die Betty, das bisherige Flaggschiff im Lupine-Sortiment: Auf voller Stufe (45 Watt) ist die Ausleuchtung des Trails wirklich beeindruckend, doch der im Vergleich zur Alpha deutlich schmalere Lichtstrahl sorgt für einen leichten Tunneleffekt.

Mein Fazit zur Lupine Alpha

Die Lupine Alpha ist eine Leistungsschau. Sie verkörpert das technisch Machbare. Braucht man diese sagenhafte Leuchtpower? Ganz klar: Nein. Und dennoch gebe es durchaus Argumente für die Alpha, sofern einen der Anschaffungspreis von 1080 Euro nicht juckt: Das Leuchtprofil ist wirklich überragend. Man fühlt sich in jeder Situation sicher, weil man wirklich alles sieht, auch ohne die Maximalstufe zu nutzen. Eine top Lampe für 24-Stunden-Rennen oder Expeditionen, die im Straßenverkehr natürlich nichts verloren hat. Wer nur gelegentlich im Dunkeln unterwegs ist und dann auch noch hauptsächlich auf Schotterwegen, dem wird eine kompakte Aufstecklampe mit 800 Lumen auch genügen.

Henri Lesewitz am 23.08.2018