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Das nicht alle Felgen- und Reifenpaarungen perfekt harmonieren, ist nichts Neues. Dass Reifen ohne groben Gewalteinsatz gar nicht mehr zu demontieren sind, darf aber nicht passieren. Hier ist eine noch bessere Abstimmung zwischen den Herstellern gefragt, damit Biker unterwegs nicht schon wegen einfacher Pannen schon völlig aufgeschmissen sind. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
Liebes BIKE-Magazin, bei meinem Cube E-MTB kann ich die Reifen nicht demontieren. Das Rad ist ein Stereo Hybrid ONE44 HPC Race. Die Reifen sitzen sehr stramm auf der Felge und lassen sich nicht einmal ins Felgenbett drücken. Selbst im Cube Store ist der Mechaniker gescheitert. Eine Demontage sollte immer möglich sein, auch unterwegs. Zum Beispiel bei einem Plattfuß. Ein häufiges Problem? Was machen die Hersteller dagegen? - Freundliche Grüße, Helmut M.
Geht es um Probleme mit Reifen und Felge, ist erstmal die Paarung entscheidend. Probleme machen beim Leser offenbar Schwalbe-Reifen auf Cube/Newmen-Felgen. Allerdings kennen wir die Thematik auch von anderen Felgen-Reifen-Paarungen. Um dem Thema auf die Schliche zu kommen, fragen wir bei beiden involvierten Herstellern an. Während Newmen allgemein auf Fertigungstoleranzen verweist, liefert Schwalbe ein detailliertere Erklärung.
Spannend: Das Problem ist offenbar bekannt. Das Statement dazu lest ihr unten. Außerdem erklärt Werkstattleiter Patrick Friedel von Lucky Bike in Wiesbaden, wie man den Reifen doch noch von der Felge bekommt. Als Kopf einer großen Schraubermannschaft hat er regelmäßig auch mit völlig fest sitzenden Reifen zu tun und ist einer der Protagonisten unserer gemeinsamen Schrauber-Serie.
Dass der Reifen sehr fest drauf sitzt, ist auch ein häufiger Fall wenn Kunden mit ihren Bikes nicht mehr weiterkommen und sie zu uns bringen. Gerade, aber nicht nur bei sehr stabilen Gravity-Reifen oder solchen mit Drahtkern ist das ein Problem. Speziell Cube hatte zwischenzeitlich auch ein suboptimales Felgenband im Einsatz, das die Probleme noch verschlimmert hat.
Ich würde so vorgehen: Um den Reifen runterzuheben, müsst ihr erstmal die Flanken ins Felgenbett drücken. Das verschafft euch später mehr Luft zum Hebeln. Bei vielen Reifen geht das mit kräftigen Mechaniker-Daumen ganz gut. Im Worst-Case klemme ich den Reifen in einen Schraubstock ein und benutze das Laufrad als Hebel. Unterwegs könnt ihr versuchen, das Laufrad flach auf den Boden zu legen und euch mit den Fersen zu behelfen. Achtung: Vorsichtig und ruhig vorgehen, um Schäden zu vermeiden. Kunststoffbacken im Schraubstock verhindern in der Werkstatt Schäden an der Felge.
Mit mehreren stabilen Reifenhebern - ich mag die von Crankbrothers - lässt sich der Reifen gut abheben. Metallheber meiden, die machen Kratzer. Wichtig: Schaut euch einmal Felge und Felgenband genau an. Oft blockiert ein günstiges, geklebtes Felgenband die Demontage, weil der Reifenwulst zwischen Felgenband und Felgenhorn festsitzt. Das könnte auch bei deinem Cube der Fall sein. Dann bitte einfach ein schönes breites Tubeless-Felgenband einkleben. Das ist glatt auf der Oberfläche und erleichtert das Abziehen des Reifens in Zukunft.
Beim wieder aufziehen helfen Montagepaste vom KFZ oder Montagefluid euch, dass der Reifen hinterher richtig sitzt und nicht eiert. Wenn doch könntet ihr zum Beispiel mit einer speziellen Reifen-Montagezange nachhelfen. Ich nehm bei der Montage außerdem die Schwalbe Reifenheber zur Hilfe. Die lassen sich auch beim Aufziehen an den Speichen einhängen, damit der Reifen nicht wieder runterrutscht. Wenn der Reifen aufgezogen ist, ruhig bis ans Druck-Limit von Reifen und Felge aufpumpen, damit sich der Reifen gut setzt. Meist ist ein lautes Plopp zu hören. Das zeigt, dass ihr erfolgreich wart. Denkt nur daran, die Luft vor der Fahrt wieder etwas abzulassen.
Um solche Fälle (suboptimaler Paarungen Reifen & Felge Anm. d. Red.) zu vermeiden, beteiligen wir uns zusammen mit Laufradherstellern proaktiv im ETRTO-Komitee, um eine einwandfreie Kompatibilität unserer Reifen zu gewährleisten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich die Hersteller auch an die Vorgaben der ETRTO halten.
Es kommt jedoch vor, dass Hersteller ein eigenständiges Design verwenden. Im konkreten Fall entsprach die Felge an mehreren Stellen (Schulterdurchmesser, Flankenhöhe) nicht den Vorgaben. Insbesondere der zu hohe Schulterdurchmesser führte zu Problemen bei der Demontage von Reifen. Festzuhalten ist, dass das Problem dem damaligen Felgen-Design geschuldet war – einem Design, das der Hersteller zwischenzeitlich selbst überarbeitet hat.
Wir federn im Rahmen unserer Marktbeobachtung auch Felgendesigns ab, die eigentlich außerhalb der ETRTO liegen. Dem sind jedoch Grenzen gesetzt und wir brauchen einfach eine einheitliche Arbeitsgrundlage, an die sich alle halten. Nur dann können wir einen festen Reifensitz und eine leichtgängige Montage sicherstellen.
Sollte ein Reifen trotzdem durch ungünstige Kombination von Toleranzen so stramm sitzen, dass er sich nicht mehr demontieren lässt, gibt es mehrere Tricks. Der einfachste ist, das Laufrad flach auf den Boden zu legen, sich auf den Reifen zu knieen und mit den Handballen auf der gegenüberliegenden Seite mit ganzem Körpergewicht Druck auf die Seitenwand auszuüben. Andernfalls kann man auch probieren, den Reifen in einem Schraubstock einzuspannen oder durch eine Schublade zu klemmen.

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