Mountainbike-PflegeGarantiert hast du einen dieser Fehler auch schon gemacht

Laurin Lehner

 · 28.09.2026

Mountainbike-Pflege: Garantiert hast du einen dieser Fehler auch schon gemachtFoto: Georg Grieshaber
“Die Leute sprühen ihr Bike mit dem Reiniger ein und waschen es direkt danach ab. Die Inhaltsstoffe brauchen aber eine gewisse Einwirkzeit, die steht in der Gebrauchsanleitung”, sagt Experte Mike Schinke.

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Wer sein Rad putzt, hat länger Spaß damit. Doch Putzen und Pflegen will gelernt sein, wie unser Experte verrät. Viele meinen es gut, machen aber vieles falsch.

Perfekte Funktion bei jedem Ride: Bremsen und Federelemente arbeiten nur dann zuverlässig, wenn sie frei von Ablagerungen sind. Gerade bei wechselhaftem Wetter und anspruchsvollen Trails sammelt sich schnell Dreck an den sensibelsten Stellen des Bikes. Eine gründliche Reinigung nach jeder Ausfahrt hilft.

Sicherheit geht vor Ein oft unterschätzter Aspekt: Verschmutzung kann echte Sicherheitsrisiken mit sich bringen. Bremsbeläge, die mit Öl oder Schlamm kontaminiert sind, verlieren drastisch an Wirkung. Auch Risse im Rahmen oder defekte Bauteile fallen beim Putzen schnell ins Auge – ein sauberes Bike ist also auch ein kontrolliertes Bike.

Stolz auf dein Bike Zugegeben, dieser Punkt ist subjektiv – aber wer kennt es nicht? Ein frisch gereinigtes Bike macht einfach Lust auf die nächste Ausfahrt. Und wer sein Rad schätzt, geht auch sorgsamer damit um.

Schrauber-König Mike Schinke im Interview

Mike Schinke vom Bikeshop Bike a Mike nahe Ammersee in Hechendorf.Foto: Georg GrieshaberMike Schinke vom Bikeshop Bike a Mike nahe Ammersee in Hechendorf.

BIKE: Mike, du sagst, dass viele Leute ihr Fahrrad falsch putzen. Was meinst du damit?

MIKE SCHINKE: Viele stellen ihren Hochdruckreiniger auf maximalen Druck ein. Das sind oft bis zu 100 Bar. Das entspricht dem Wasserdruck in 1000 Metern Tiefe. Die meisten Outdoor-Uhren sind nur bis 30 Meter wasserdicht. Das heißt: Das ist ein echter Lager- und Gelenkkiller. Ein weiterer Anwenderfehler: Die Leute sprühen ihr Bike mit dem Reiniger ein und waschen es direkt danach ab. Die Inhaltsstoffe brauchen aber eine gewisse Einwirkzeit, die steht in der Gebrauchsanleitung.

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Der Gartenschlauch ist also immer die bessere Variante?

Ja, wer trotzdem einen Dampfstrahler benutzen will, sollte den Druck runterregeln und erst auf den Boden zielen, denn zu Beginn ist der Druck höher. Wenn der Schmutz angetrocknet ist, empfehle ich, das Bike kurz mit dem Gartenschlauch abzuspritzen, dann mit dem Reiniger einzusprühen und das Reinigungsmittel mit der Bürste einzuarbeiten. Nach fünf Minuten kann man das Fahrrad dann endgültig abspritzen. Übrigens: Den Druck des Gartenschlauchs halten alle Lager und Gelenke problemlos aus. Damit kann man also bedenkenlos überall draufhalten.

Spezielle Bike-Reiniger sind im Trend. Gibt es günstige Alternativen?

Klar, ein Eimer warmes Wasser und Spülmittel. Auch das löst den Schmutz und funktioniert recht gut.

Muss ich meine Kette nach jedem Putzen reinigen und schmieren?

Nein, viele schmieren ihre Kette zu viel und zu oft. Das erkennt man an stark verschmutzten Ritzeln. Wann die Kette Öl braucht, sollte man vom Kettenbild abhängig machen. Spätestens wenn die Kettenrollen glänzen, wird es Zeit. Auch wichtig: nach dem Waschen die Kette mit einem Tuch trocken reiben, bevor man sie wieder ölt. An der Lasche braucht man kein Öl. Deshalb ziehe ich die Außenseiten nach dem Ölen wieder trocken, so ziehen sie keinen Schmutz an.

Eingetrockneter Schmutz: Hier kann Spülmittel helfen.Foto: Max FuchsEingetrockneter Schmutz: Hier kann Spülmittel helfen.

Wie oft sollte man den Antrieb reinigen?

Wenn du die Kette richtig reinigst und ölst, musst du auch den Antrieb seltener reinigen. Auf den Schaltröllchen sammelt sich oft viel Schmutz an. Zuerst kratze ich sie mit einem Teppichmesser ab. Dann mit Antriebsreiniger einsprühen, mit einer Bürste einarbeiten und einwirken lassen.

Gerade in Frühjahr und Herbst werden viele Trailtouren zur Schlammschlacht. Wie oft muss ich mein Bike im Sommer bei trockenen Bedingungen reinigen?

Staub ist schlimmer als Schlamm und Matsch. Denn bei Schlamm sind die Steinchen im Dreck so groß, dass sie nicht so leicht in Federelemente und Lager kriechen. Staub ist viel feiner und dringt daher leichter ein.

Wenn Teile am Bike quietschen, helfen viele mit Ölspray nach.

Finger weg von WD40 oder Kriechöl! Denn das schmiert nicht nur, sondern reinigt auch. Das heißt: Im Lager löst sich die Grundfettung, die Kugeln werden nicht mehr geschmiert und laufen trocken. Das ist der Lagertod.

Produkte für die Bike-Reinigung

Diese Produkte machen den Unterschied.

Fettlöser

Mit speziellen Antriebsreinigern lassen sich Ritzel, Schaltrollen und Kettenblatt wieder gründlich reinigen. Der Kettenreiniger von Tunap hat sich dabei bewährt. Er entfettet nicht nur, sondern schmiert dank Paraffin auch. Zudem lässt er sich einfach mit dem Pinsel auftragen. 14,95 Euro (300 ml).

Schaumschläger

Gärtner füllen Pflanzenschutzmittel oft in solche Sprühflaschen. Auch für die Bike-Reinigung sind Pumpflaschen praktisch. Reinigungsmittel lässt sich leicht nachfüllen, was umweltfreundlich ist, und die Düse lässt sich präziser einstellen als bei Einwegflaschen. Zwei-Liter-Flaschen haben sich dabei bewährt. Zum Beispiel bei Obi oder Amazon ab 5 Euro erhältlich.

i-Tüpfelchen

Nach dem Waschen des Bikes möchte man Wasserflecken und Kalkrückstände vermeiden. Schließlich fährt das Auge mit. Ein Mikrofasertuch sorgt für eine glänzende, streifenfreie Oberfläche. Tipp: Am besten ein großes Tuch, mindestens 40 x 40 Zentimeter. Erhältlich z. B. bei Rosebikes oder Amazon für 9,99 Euro.

Grobreiniger

Zum Entfernen von Schmutz an den Schaltrollen eignet sich ein Cutter oder ein altes Küchenmesser. Besonders leicht geht es, wenn das Fahrrad im Bike-Stand hängt. Setzen Sie das Messer seitlich am Schaltröllchen an, drehen Sie die Kurbel rückwärts und kratzen Sie den Schmutz so ab. Bei Amazon ab 5 Euro.

Mobile Waschstraße

Sobald der Schmutz eingetrocknet ist, wird die Reinigung deutlich aufwendiger. Mit einem mobilen, akkubetriebenen Druckreiniger lässt sich das Bike direkt vor Ort säubern. Ein Beispiel ist der Aqua2go Evo mit 21 Litern Fassungsvermögen und drei Modi mit 30, 40 und 60 Bar Druck. Der Akku hält rund 30 Minuten. Preis: 279 Euro

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Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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