Barbara Merz-Weigandt
· 07.08.2026
Solange sichere Schulwege in Deutschland die Ausnahme bleiben, bleibt das Rad für viele Kinder leider eine Möglichkeit unter Vorbehalt. Dabei wäre es so einfach – und so schön: morgens in die Pedale treten, frische Luft schnappen, selbstständig ankommen. Das wünschen wir allen Kindern zum Schulstart. - Barbara Merz-Weigandt, Chefredakteurin MYBIKE
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 88 Prozent der radfahrenden Kinder sind grundsätzlich gern oder sehr gern mit dem Rad unterwegs. Und 35 Prozent nutzen es bereits für den Schulweg. Das ist gut so, denn wissenschaftliche Studien belegen: Wer selbstständig mobil ist, bewegt sich mehr, entwickelt ein besseres räumliches Orientierungsvermögen und knüpft mehr soziale Kontakte.
Doch genau diese Selbstständigkeit wird vielen Kindern durch unsichere Straßenverhältnisse genommen. Laut dem Fahrrad-Monitor 2025 geben 78 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen an, Angst vor großen Fahrzeugen wie Lkw und Bussen zu haben. 75 Prozent fürchten sich davor, von einem Auto angefahren zu werden – und das nicht ohne Grund.
„Kinder lernen, eigene Entscheidungen zu treffen und sich selbstständig im Verkehr zu orientieren. Das gibt ihnen Stärke und Zuversicht." – Caroline Lodemann, ADFC-Bundesgeschäftsführerin
Die Angst der Kinder ist berechtigt: 2024 verunglückten insgesamt 27.260 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr. 38 Prozent der dabei verletzten Sechs- bis 14-Jährigen waren mit dem Fahrrad unterwegs. Besonders gefährlich sind die typischen Schulwegzeiten: Montag bis Freitag zwischen 7 und 8 Uhr sowie zwischen 15 und 17 Uhr häufen sich die Unfälle dramatisch.
Kein Wunder also, dass die selbstständige Radnutzung gerade bei Kindern ab zehn Jahren deutlich abnimmt. Eine bundesweite Untersuchung von 167 Grundschulen ergab zudem, dass nur fünf Prozent der Schulwege als sicher eingestuft werden konnten. Fünf Prozent – das ist erschreckend wenig.
Hunderttausende Kinder kommen jetzt in die erste Klasse. Aber auch für ältere Schülerinnen und Schüler ist der Schulstart ein guter Moment, den Weg zur Schule noch einmal gezielt unter die Lupe zu nehmen. Der ADFC empfiehlt:
1. Die sicherste Route wählen – nicht die schnellste Gemeinsam planen: Wo gibt es Ampeln? Wo fahren weniger Autos? Welche Kreuzungen sind übersichtlich? Wo gilt Tempo 30? Der direkteste Weg ist nicht immer der beste.
2. Mehrfach üben – und zwar unter realen Bedingungen Nicht am ruhigen Sonntagmorgen, sondern zu echten Schulwegzeiten. Neben dem Kind fahren, erklären, wo es anhalten oder schieben muss. Geduld mitbringen, langsam fahren – und am Ende das Lob nicht vergessen.
3. Gefahrenstellen gemeinsam identifizieren Besonders tückisch sind Ein- und Ausfahrten zu Grundstücken und Parkplätzen, an denen Kinder oft übersehen werden. Auch unübersichtliche Kreuzungen mit parkenden Autos oder Stromkästen, die die Sicht nehmen, zählen dazu. Gemeinsam anhalten, beobachten und überlegen: Wie überquert das Kind diese Stelle am sichersten?
4. Irgendwann: loslassen Wenn alles sitzt, das Kind vorausfahren lassen und eigene Entscheidungen treffen lassen. Der Erwachsene fährt hinterher und greift nur noch ein, wenn es wirklich nötig ist.
5. Den richtigen Zeitpunkt gemeinsam bestimmen Wann ist das Kind bereit für den Alleingang? Das sollten sowohl Kind als auch Eltern gemeinsam entscheiden – ohne Druck. Beide müssen sich sicher fühlen.
Wichtig: Kinder unter acht Jahren müssen auf dem Gehweg fahren, Kinder zwischen acht und neun Jahren dürfen es. Ab zehn Jahren gelten die normalen Regeln für Radfahrende.
Eltern können üben – sichere Straßen bauen können sie nicht. Der ADFC macht deshalb klar, was die Politik liefern muss:

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