Wer die Tour-de-France-Doku “Höllentour” aus dem Jahr 2004 von Pepe Danquart gesehen hat, wird die Dusch-Szenen von Rolf Aldag und Erik Zabel wahrscheinlich nicht vergessen haben: Beide marschierten nach einem Sturz bei der Tour mit einer Wurzelbürste ins Badezimmer, um ihre frischen, großflächigen Schürfwunden am Oberschenkel damit auszuschrubben. In den Kinosälen verstummte das Popkorn-Geraschel abrupt. “Pizza-Behandlung” nannten die Profis diese Art der Wundreinigung. Undenkbar für alle, die schon mal mit einer Schürfwunde unter der Dusche standen und bereits das drüber laufende Wasser als “Höllenbrennen” empfunden haben. Sinn und Zweck der Bürsten-Tortour: Alle Fremdpartikel porentief entfernen und für eine schnellere Heilung die Durchblutung anregen.
Sportmediziner raten heute von dieser radikalen Prozedur ab. Schon, weil man sich mit einer nie ganz sterilen Bürste auch viele Keime in die Wunde massiert, die wiederum zu Entzündungen führen können. Aber wie behandelt man nun eine Schürfwunde nach heutigem Stand? Sehr, sehr viel sanfter und schonender:
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer Abschürfung der obersten Hautschicht (Epidermis) und einer bereits leicht blutenden, suppenden Schürfwunde, bei der bereits die zweite Hautschicht (Lederhaut) verletzt ist.
Die Wunde am besten sofort mit kühlem, sauberen Wasser abspülen und mögliche Steinchen mit einer sterilen Pinzette entfernen, damit sie nicht einwachsen oder bleibende “Dreck-Tattoos” entstehen. Wenn die Wunde blutet oder suppt mit der weiteren Behandlung noch etwas warten. Durch das Austreten von Blut und Lymph-Flüssigkeit spült der Körper selbst Fremdpartikel aus. Wer ein Desinfektionsspray dabei hat, kann es auf eine kleine Wunde aufsprühen. Allerdings tötet dieses Spray nicht nur Fremdbakterien ab, sondern auch die guten Hautbakterien, die für die Heilung zuständig sind. Daher nur bei größerer Verschmutzung der Wunde verwenden.
Kleinere Schürfwunden kann man problemlos an der Luft trocknen lassen. Es bildet sich bald Schorf und die Verletzung ist schnell vergessen. Außer, die Wunde befindet sich an Knie und/oder Ellbogen und reißt später durch normale Bewegung immer wieder auf. Dann empfiehlt sich die Versorgung, die auch für größere und nässende Schürfwunden optimal ist:
Die Wunde nach der Reinigung mit einer Wundauflage abdecken, die Hydrokolloidgel enthält. Die hält die Schürfwunde feucht und nimmt gleichzeitig Wundflüssigkeit auf. So bildet sich auch weniger Schorf, der mit der Wundauflage verkleben und beim Verbandswechsel wieder aufgerissen werden könnte.
Wenn die Wunde übermäßig schmerzt, sich eine starke Schwellung bildet und dazu Wundsekret und Eiter austreten, deutet das auf eine Infektion hin, die unbedingt vom Arzt behandelt werden muss. Bei der Gelegenheit kann man auch gleich seine Tetanus-Impfung wieder auffrischen lassen!

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