Fitness

Was bringt EMS-Training für Mountainbiker?

Björn Kafka

 · 01.12.2016

Was bringt EMS-Training für Mountainbiker?Foto: Thomas Thiesen

Kraft aus der Dose, das ist für viele Biker ein Tabu. Wir wollten wissen: Was bringt das EMS-Training? Wann und für wen eignet es sich?

Stefan Mainthals Horror begann in der Nacht – plötzlich wachte der 38-Jährige auf und konnte seine Arme nicht mehr beugen. "Ich hatte über den Abend Oberarme wie Schwarzenegger bekommen, nur, dass meine aus Wasser bestanden und so prall waren, dass ich sie nicht mehr bewegen konnte", erklärt Mainthal. Zwei Stunden später lag der Bayer im Krankenhaus. Dia­gnose: Rhabdomyolyse, ein Zustand bei dem eine Zerstörung der Skelettmuskulatur den Körper mit der Regeneration so stark überfordert, dass er tödlich verlaufen kann. Im Eilverfahren wurde Mainthals Körper mit Infusionen durchgespült, um die Nierenfunktion aufrechtzuerhalten. Die Tage zuvor hatte er ein EMS-Ganzkörpertraining im Studio absolviert. Ob beim Biken oder Krafttraining: Bei körperlicher Anstrengung leiten Nerven elektrische Impulse an die Muskeln, die sich daraufhin zusammenziehen. Beim EMS-Training kommt der Befehl an die Muskeln nicht vom Gehirn, sondern von außen durch Reizstrom. Passiert das häufig und intensiv genug, wird der Muskel kräftiger. 20 Minuten EMS, versprechen Studioanbieter, ersetzen angeblich mehrere Stunden Gerätetraining. Das birgt Chancen und Gefahren, wie im Falle von Mainthal. Wer im Studio unter Strom steht, hat kaum Kontrolle über den Ablauf und die Stärke des Programms. Handgeräte eignen sich dafür besser, denn diese bearbeiten gezielt Muskelgruppen und zerstören nicht so viele Fasern, dass man nachts mit Schwarzenegger-Armen aufwacht.

Pro EMS-Training:

  • Teilweise Aufrechterhaltung der Muskulatur nach Verletzungen oder bei Krankheit. Dadurch kann ein Trainingsausfall kompensiert werden.
  • Aufbau von Stützmuskulatur. Somit prädestiniert für Rückenschmerzpatienten, um schmerzfrei Muskulatur aufzubauen.
  • Hohe Reizdichte kann in Kombination mit Intervalltraining (z. B. Rolle) Sportler mit geringem Zeitbudget gute Ergebnisse erzielen lassen.
  • Ersatzmassage und Steigerung der Regenera-tion durch spezielle EMS-Programme.

Contra EMS-Training:

  • Nicht kontrollierbare Rekrutierung verschiedener Muskelfasern. Das heißt auch, dass Ausdauerreize nicht gezielt gesetzt werden. Das Herzkreislauf­system wird nicht trainiert.
  • Keine koordinative Komponente im Training: Die gewonnenen Muskeln werden nicht so "verschaltet" wie natürlich antrainierte Muskeln.
  • Zu hohe Reize: Dadurch kann Muskulatur sehr stark in Mitleidenschaft gezogen werden (Muskelkater). Für Ausdauersportler kann das teilweise einen mehrtägigen Trainingsverlust bedeu­ten. Im Extremfall droht eine Rhabdomyolyse.

Taschenstrom – Compex SP 2.0

Besser erholt, Krafttraining oder Ausdauerreize – all das versprechen die EMS-Spezialisten von Compex. Der Clou: Aufgrund der MI-Technologie (muscle intelligence) passt der Stimulator die Programme automatisch an die Beschaffenheit der Muskulatur an. Dies ermöglicht eine effektive Elektromuskelstimulation, ohne sich zu überfordern. Das verkabelte Gerät bietet 20 Programme und 4 Kanäle.

UVP: 429 Euro >> z.B. bei Amazon erhältlich*

  Compex SP 2.0Foto: Hersteller
Compex SP 2.0

"In Krankheitsphasen nutze ich EMS-Training, sonst eher nicht." – Interview mit Markus Kaufmann, Bike-Profi

Markus, Du hast Dir letztes Jahr zweimal das Schlüsselbein gebrochen und warst zu den wichtigen Rennen dennoch wieder fit. Auch dank EMS-Training?
Nicht ausschließlich, bei mir hatte der Aufbau viele Komponenten. Ich habe an der Ernährung gefeilt, dann noch ein spezielles Krafttraining absolviert, das mein Schlüsselbein nicht belastet. Zudem saß ich sehr viel auf der Rolle (den Lenker extra hochgedreht), nutzte aber auch intensiv ein EMS-Training.

Wie sah dieses EMS-Training aus?
Direkt nach einer OP oder einem sehr frischen Bruch kann man kaum was machen. Ein EMS-Gerät kann da schon sinnvoll sein, um den Muskel weiter zu versorgen und den körperlichen Verfall etwas aufzuhalten.

Hattest Du dafür spezielle Programme?
Auf den meisten Geräten sind ja schon Ausdauerprogramme vorinstalliert – die nutze ich dann. Mein Trainer bastelte mir einen Plan zurecht, der einen speziellen Wechsel aus Rolle, Krafttraining und EMS beinhaltete.

Nutzt Du EMS denn auch, wenn keine Verletzungen bestehen?
Eher selten, da ich mich durch mein eigentliches Training schon so belaste, dass die zusätzliche Belastung meine Erholung unnötig verlängert. Zwar bieten die Geräte Regenerationsprogramme, aber es ist mir meist zu mühsam, die Elektroden aufs Bein zu kleben. Zudem wird auch nur punktuell gearbeitet.

  Markus Kaufmann, Bike-ProfiFoto: Hersteller
Markus Kaufmann, Bike-Profi

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