​Trinken aus der Plastik-FlascheWie groß ist das Problem wirklich?

Dimitri Lehner

 · 12.07.2026

Trinken beim Biken: Klingt gesund, ist es aber nicht unbedingt. Mikro-Plastik, Keime, Weichmacher spülen in den menschlichen Organismus. | Foto KI generiert
Wer beim Radfahren zur Kunststoffflasche greift, trinkt nicht nur Wasser. Was Wissenschaftler herausgefunden haben – und was man besser tun kann.

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Die Flasche in der Sonne

Ein heißer Sommertag, die Flasche klemmt im Halter, die Sonne brennt. Was gut klingt – warmes Wasser für unterwegs – ist chemisch gesehen eher ungünstig. Denn Wärme beschleunigt, was ohnehin passiert: Kunststoff gibt Stoffe ab. Wie viele, welche und in welcher Menge, das hängt vom Material ab – und ist oft schlicht unbekannt, weil Hersteller weder Kunststoffsorte noch Zusatzstoffe angeben müssen.

Hunderte Stoffe, wenig Wissen

Forscher der Universität Kopenhagen haben nachgewiesen, dass aus neuen Plastik-Fahrradflaschen Hunderte verschiedene chemische Verbindungen ins Wasser übergehen können. Ob und wie giftig die meisten davon sind, weiß die Wissenschaft noch nicht. Was sie weiß: Ältere oder günstige Flaschen können Weichmacher wie Bisphenol A (BPA) enthalten, die das Hormonsystem beeinflussen. Dazu kommt Mikroplastik – winzige Partikel, die sich durch Abrieb und Alterung lösen und mitgetrunken werden. Sie sind sogar im Blut schon nachweisbar. Die Problematik gilt übrigens auch für das Schneidebrett aus Plastik in der Küche!

Das Keim-Problem im Bikesport

Wer mit dem Bike unterwegs ist, fasst seine Flasche mit schmutzigen Händen an, Matsch spraddelt auf das Mundstück, vielleicht auch Spritzer vom Kuhfladen, durch den man gerade gerollt ist. Staub setzt sich drauf. Das Beißventil oder der Ziehverschluss einer typischen Fahrradflasche ist damit ein Paradies für Bakterien und Pilze. Isotonische Getränke und Säfte machen es noch einfacher für Keime. Kurz: Die Flasche wird im Bikesport härter beansprucht als anderswo – und das merkt man ihr an.

Was wirklich hilft

Die gute Nachricht: Es gibt einfache Maßnahmen, die das Risiko deutlich senken.

  • Material wählen: Edelstahl und Glas geben keine Chemikalien oder Mikroplastik ab, sind geschmacksneutral und leicht zu reinigen. Erste Wahl, wenn es geht.
  • Auf BPA-frei achten: Wer Plastik nutzt, sollte Polycarbonat (PC) und Polystyrol (PS) meiden und auf BPA-frei-Kennzeichnung bestehen.
  • Keine Hitze, kein Fett, kein Alkohol: Diese drei beschleunigen den Chemikalienübergang deutlich – also keine heiße Brühe in die Radlerflasche.
  • Regelmäßig reinigen: Nach jeder Tour ausspülen, Mundstück abschrauben, gründlich säubern – und möglichst mit Schutzkappe aufbewahren.
  • Rechtzeitig ersetzen: Risse, Sprödigkeit oder Geruch bedeuten: Flasche weg. In den Rissen siedeln sich Keime an, die kein Spülen mehr erreicht.

Das Fazit

Akut giftig ist die Plastikflasche nicht. Wer aber täglich daraus trinkt, jahrelang, im Sommer, mit Isogetränk – der summiert mehr auf, als er vielleicht möchte. Edelstahl ist unkomplizierter, hygienischer und langlebiger. Wer trotzdem bei Plastik bleibt: kühle Getränke, saubere Flasche, regelmäßiger Tausch. So einfach ist die Formel.

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Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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