Ratgeber TrainingMacht strukturiertes Training einsam?

Tim Farin

 · 13.10.2026

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Ratgeber Training: Macht strukturiertes Training einsam?Foto: iStock; M-ART
Macht strukturiertes Training einsam?
Allein auf der Rolle oder gemeinsam draußen: Entscheidend ist nicht nur, wo und wie trainiert wird, sondern ob Sport ins eigene Leben passt und soziale Verbindung bestehen bleibt.

Es ist dunkel, draußen regnet es und im Keller steht die Rolle. Auf dem Bildschirm das Programm: zehn Minuten einrollen, vier Intervalle, dazwischen kurze Erholung, anschließend ausfahren. Kein Kaffee in der Gruppe. Macht strukturiertes Training einsam – und zerstört damit vielleicht sogar einen der wichtigsten Vorzüge des Sports?

Wie so oft gilt auch hier: Es kommt darauf an.

Die Forschung unterscheidet zunächst zwischen Alleinsein und Einsamkeit. Allein zu trainieren ist eine äußere Situation. Einsamkeit beschreibt dagegen das Gefühl, dass wichtige soziale Verbindungen fehlen. Eine große Übersichtsarbeit zeigt: Einsamkeit kann entstehen, wenn Sport andere Interessen verdrängt, wenn sich die eigene Identität fast nur über Leistung definiert oder wenn Unterstützung in schwierigen Phasen fehlt. Ein Trainingsplan wurde aber nicht als alleinige Ursache nachgewiesen.

Ich kenne beide Seiten. Natürlich fahre ich selbst im Idealfall nach einem strukturierten Plan auf der Rolle. Gerade ein Intervalltraining kann für mich sehr befreiend sein. Ich muss niemandem hinterherfahren, keine Strecke suchen und keine Rücksicht auf Ampeln oder Wetter nehmen. Ich kann mich ganz auf Atmung, Tritt und Belastung konzentrieren. Nach einem langen Arbeitstag ist dieses konzentrierte Bei-mir-Sein nicht Einsamkeit, sondern Erholung.

Andere erleben dieselbe Einheit völlig anders. Für sie gehört zum Radfahren der Wind im Gesicht, die Landschaft oder das Gespräch in der Gruppe. Wenn sie mehrere Abende hintereinander allein im Keller trainieren, fehlen die Gemeinschaft und das Gefühl, irgendwo dazuzugehören. Auch die Sportpsychologie bestätigt, dass soziale Unterstützung Wohlbefinden fördern und Stress, Angst und depressive Symptome abpuffern kann.

Wann wird strukturiertes Training zum Problem - und wann nicht?

Strukturiertes Training wird problematisch, wenn es nicht mehr dem Leben dient, sondern das Leben sich drumherum irgendwie abspielt. Wenn jede spontane Einladung gegen eine Einheit verliert. Wenn der lockere Familienausflug als „verlorene Trainingszeit“ gilt.

Die Rolle muss allerdings kein Ort ohne soziale Verbindung sein. Virtuelle Trainingsgemeinschaften wie Zwift können gerade Menschen im mittleren Alter ein Gefühl von Zugehörigkeit geben und die Einsamkeit beim Radfahren reduzieren. Entscheidend ist offenbar nicht nur, ob andere körperlich neben uns fahren, sondern ob wir uns als Teil einer Gemeinschaft erleben.

Checke also: Enthält dein Trainingsplan unstrukturierte Zeit? Gibt es eine Ausfahrt ohne Ziel, ohne Test und ohne Auswertung? Habe ich regelmäßig Kontakt zu anderen – auf dem Rad oder außerhalb? Und kann ich eine Einheit verschieben, wenn das echte Leben gerade wichtiger ist?

Der Sport sollte Kraft geben für Arbeit, Familie, Freundschaften und überhaupt alle Dinge, derentwegen wir überhaupt gesund und beweglich bleiben wollen. Für manche funktioniert das auf der Rolle. Für andere entsteht diese Kraft erst draußen, neben den Mitfahrenden. Entscheidend ist, dass Training eine Möglichkeit bleibt – und nicht zur einzigen Welt wird.

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Tim Farin

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Redakteur

Tim Farin arbeitet als Redakteur bei unserem Partnermagazin Apotheken Umschau. Dort betreut er Themen zu gesundem Sport auf wissenschaftlichem Fundament. Als freier Autor hat er zuvor fast 20 Jahre lang zahlreiche Radsport-Themen für unsere Magazine TOUR und BIKE geschrieben. Von Farin erscheint wöchentlich der Newsletter Asphalt und Köpfchen.

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