Macht Dehnen für Radsportler Sinn?

Stefan Loibl

 · 10.12.2014

Macht Dehnen für Radsportler Sinn?Foto: Andreas Dobslaff
Macht Dehnen für Radsportler Sinn?
Für die Einen ist Dehnen Zeitverschwendung, für die Anderen der Schlüssel zu schmerzfreiem Biken. Wir klären auf, wie sinnvoll gezieltes Dehnen für Radsportler ist.

Erst dynamisch, später nur noch statisch, und nun ist alles erlaubt, was dazwischen liegt. Die Sportwissenschaft hat beim Thema Dehnen in den vergangenen Jahrzehnten einen regelrechten Eiertanz vollführt. Diese ständigen Trend-Wechsel haben viele Sportler verunsichert.

Dabei dient Dehnen im Radsport meist nicht der Verbesserung der Beweglichkeit wie beim Turnen etwa, sondern um muskuläre Dysbalancen auszugleichen, die durch die „Fehlhaltung“ im Sattel entstehen. Denn wer vom Dehnen spricht, meint zwar in der Regel eine permanente Muskelverkürzung. „Es handelt sich aber weniger um eine strukturelle Längenminderung der Muskulatur“, sagt Physiotherapeut Alexander Wiest, „sondern ist ein Ausdruck muskulärer Dysbalance in Folge einer Fehlbelastung.“

  Bei Radsportlern ist die Oberschenkel-Rückseite oft vernachlässigt. Deshalb sollte sie gedehnt werden.Foto: Philipp Schieder Bei Radsportlern ist die Oberschenkel-Rückseite oft vernachlässigt. Deshalb sollte sie gedehnt werden.

„Verkürzungen“ sind also in Wahrheit Dysbalancen, die durch die gebeugte Haltung und das monotone Bewegungsmuster auf dem Bike entstehen. Die lassen sich ausgleichen, indem man Dehnen mit Stabilitätstraining verbindet, wie Sportwissenschaftler Philipp Peter rät: „Wissenschaftliche Studien belegen, dass Radsportler mit guter Rumpfstabilität weniger Rückenschmerzen haben.“

Bei ihrer Empfehlung sind sich die drei Experten einig: zwei Mal pro Woche 30 Minuten dehnen der oft vernachlässigten Hüftbeuger und Oberschenkel-Rückseite mit Kräftigungs-Übungen der zu schwach entwickelten Rückenstrecker und Gesäßmuskulatur kombinieren.

Das sagen die Experten zum Dehnen für Radsportler

Ist gezieltes Dehnen für Biker überhaupt sinnvoll? Diese Frage stellen sich tausende Radsportler beim wöchentlichen Training. Unsere drei Experten sagen ja, aber …

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… „bei Sportarten mit wiederholenden, gleich­förmigen Bewegungsformen wie Radfahren wird die Muskulatur nur sehr einseitig gefordert und neigt zu Verkürzungen. Regelmäßiges Dehnen hilft, Verletzungen vorzubeugen und steigert die Effizienz auf dem Rad.“ Philipp Peter, Dipl.-Sportwissenschaftler von Formkurve

  Philipp Peter, Dipl.-Sportwissenschaftler von Formkurve.Foto: Privatfoto Philipp Peter, Dipl.-Sportwissenschaftler von Formkurve.

… „Dehnen ohne Kräftigen der vernachlässigten, antagonistischen Muskulatur (Antagonist = Gegenspieler) und ohne Rumpfkräftigung macht wenig Sinn und wird somit nicht vom gewollten Effekt der muskulären Balance gekrönt sein.“ Alexander Wiest, Physiotherapeut beim Team Centurion Vaude

  Alexander Wiest, Physiotherapeut beim Team Centurion VaudeFoto: Privatfoto Alexander Wiest, Physiotherapeut beim Team Centurion Vaude

… „Dehnen ist nur bei regelmäßiger Anwendung von Nutzen. Eine gute Rumpfstabilität und ein durchgedehnter Körper sind zur besseren Regeneration sehr wichtig. Durch die gebeugte Sitzposition kommt es häufig zu Verspannungen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich. Hier kann regelmäßiges Dehnen vorbeugen.“ Ralf Kleih, Stützpunkt-Trainer für den Nachwuchs in Baden-Württemberg

  Ralf Kleih, Stützpunkt-Trainer für den Nachwuchs in Baden-WürttembergFoto: Privatfoto Ralf Kleih, Stützpunkt-Trainer für den Nachwuchs in Baden-Württemberg

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