Fast schwerelosE-MTB Fahrtechnik für Fortgeschrittene

Stefan Schlie

 · 10.01.2017

Fast schwerelos: E-MTB Fahrtechnik für FortgeschritteneFoto: Markus Greber
Fast schwerelos: E-MTB Fahrtechnik für Fortgeschrittene
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Fast wie schwerelos: Das könnte man meinen, wenn man E-MTB-Fahrtechnik-Profi Stefan Schlie zuschaut. Aber mit ein bisschen Übung klappen auch die Fortgeschrittenen-Tricks in erstaunlich kurzer Zeit.

"Das Ding ist so schwer, das kriegt man ja nicht ums Eck!" – manch eingefleischter Mountainbiker kriegt beim ersten Ausflug mit dem E-MTB erst mal die Krise. So manches Manöver, das mit den Jahren in Fleisch und Blut übergegangen ist, will mit dem neuen Gerät einfach nicht so richtig funktionieren. Dabei sind es oft nur ein paar kleine Kniffe, und plötzlich flutscht die Fahrtechnik auf dem motorisierten Gerät. Beispiel Serpentine bergab: Das Umsetzen des Hinterrades funktioniert genauso wie beim klassischen Bike. Man braucht durch den tiefen Schwerpunkt und das höhere Gewicht nur etwas mehr Nachdruck.

Verlagssonderveröffentlichung

Manche Techniken wiederum sind überhaupt erst mit dem E-MTB möglich. Bergauf mit Fullspeed im Wheelie aus der Kurve schießen zum Beispiel (Power Curve). Oder auch fast senkrechte Stufen bergauf ohne besondere
Trial-Kenntnisse. Oder der Uphill-Wheelie.

Wer gerne die steilsten Rampen in Angriff nehmen will, wird die Technik des Uphill-Wheelies zu schätzen wissen. Auch die unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Bike-Technik.

Wer sich diese Fortgeschrittenen-Techniken zu Gemüte führt, sollte sich jedoch bereits mit den Grundlagen aus EMTB Nr. 1 vertraut gemacht haben. Hier beschreibt Stefan, welches der "gute" und der "schlechte" Fuß ist, was er unter korrektem Pedal-Management versteht, und wie man den optimalen Übungsgang für alle Fahrtechnikfinessen herausfindet.

Wer die Motorunterstützung richtig einsetzt, den tiefen Schwerpunkt des E-MTBs einzuschätzen weiß und das Ganze mit der klassischen Bike-Fahrtechnik kombiniert, der wird sich schon bald fast wie schwerelos vorkommen...


... und zwar mit diesen Manövern:

• Enge Serpentine bergab
• Boost Drop
• Steiles Hindernis bergauf
• Power Curve

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1. Enge Serpentine bergab

Ein neues Gefühl der Gewichtsverlagerung. Durch das höhere Gewicht bekommt der Anlupf-Impuls eine neue Bedeutung.

Mit Nachdruck in die Kurve: An dieser Stelle mag man sich fragen, was das mit E-MTB-Fahrtechnik zu tun hat. Aber eine ganze Menge! Den Unterschied machen das Mehrgewicht und der tiefe Schwerpunkt. Das bedeutet etwas Umstellung in Kurven, die so eng sind, dass man das Hinterrad versetzen muss.
 Das Anlupfen des Hinterrades vergleiche ich mit dem Spielchen, die hinteren beiden Stuhlbeine eines Stuhls anzulupfen, während man die Lehne nach vorne drückt. Und genau das ist der entscheidende Punkt. Je mehr man die Sitzfläche entlastet, desto einfacher fällt das Führen mit der Lehne.
 Aufs Bike übertragen: Je stärker der Impuls nach vorne die Pedale entlastet, desto leichter fällt das Führen mit dem Lenker. Angefahren wird die Kurve von außen nach innen (Bild 1).
Foto: Markus Greber

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2. Boost Drop

Auch der Drop bergab ist an sich keine spezielle E-MTB-Technik. Durch die Motorunterstützung und die damit einhergehende direkte Beschleunigung bekommt dieses Manöver jedoch eine ganz neue Qualität.

Beherzt abheben: Der Boost Drop ist eine der praktischsten Errungenschaften der neuen E-MTB-Fahrtechnik. Denn dieses Manöver hilft einem mal schnell in heiklen Situationen aus der Patsche. An Stufen, die zu steil sind, um sie fahrend zu überwinden, gibt man einfach kurz Gas und plumpst sicher auf beide Räder.
 Drops funktionieren normalerweise erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit. Nicht so beim E-MTB. Denn vor allem in höheren Unterstützungsstufen liefert der Motor ausreichend Kraft, um Schwung ins Bike zu bekommen. Wichtig ist nur das richtige Pedal-Management. Der Drop funktioniert so auch bei langsamen, technischen Fahrten im Trail.
 Kommt man nun an einen kritischen Absatz, den man nicht ohne Weiteres abrollen kann, dann sollte man eine Radlänge vor der Kante den "falschen" Fuß vorne haben (Bild 1).
Foto: Markus Greber

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3. Steiles Hindernis bergauf

Schon mal eine Motorrad-Trialshow gesehen? Scheinbar schwerelos fliegen die Akrobaten fast senkrechte Wände hoch. Dank Motorunterstützung schaffen Sie mit dem E-MTB ähnliche Kunststücke.

Wie mit dem Aufzug nach oben: Beim steilen Hindernis bergauf kommen wieder die schon vielfach erwähnten Grundsätze des Pedal-Managements zum Einsatz. Genau wie beim Hindernis im leichten Terrain, muss die Pedalabfolge angepasst werden und geländeoptimiert stimmen. Die Kunst, bei hohen Hindernissen ist es, mit der zusätzlichen Kraft des Motors umzugehen, denn der Bewegungsablauf beginnt im Stehen. Dabei muss man schauen, wie man die Motorkraft dosiert, um das Hinterrad nicht durchdrehen zu lassen. Hierbei ist die Wahl der richtigen Unterstützungsstufe sehr entscheidend.
 Bei sehr gutem Grip bietet sich der Turbo-Modus an. Wenn's aber rutschig wird, kommt dieser schnell an seine unzähmbaren Grenzen, und man muss in den Sport-Modus oder in den Tour-Modus gehen. Der eigentliche Bewegungsablauf beginnt eine Radlänge vor dem Hindernis in einem Gang, wo man etwa eine Radlänge mit einer halben Pedalumdrehung zurücklegt. Von der Körperposition her ist man bei dieser Technik tendenziell weit vorne und hat somit eben weniger Druck am Hinterrad, um die Traktion auf den Boden zu bekommen (Foto 1 und 2) ...
Foto: Markus Greber


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4. Power Curve

Das "Braaap"-Erlebnis, das man mit dem klassischen Bike immer vermisst hat. Mit Speed und hocherhobenem Vorderrad aus der Kurve beschleunigen. Mit dem E-MTB und der richtigen Technik kein Problem.

Mit Vollgas durch die Kurve: Bergauf ist es mit dieser Technik nun nicht nur möglich, überhaupt die Kurve zu kriegen, sondern sogar mit mehr Schwung weiterzufahren. Auf Foto 1 sieht man, wie der "falsche" Fuß vorne und leicht oben ist. Die genaue Stellung hängt vom gewählten Gang ab. Der Oberkörper ist leicht über den Lenker gebeugt. Das Bike ist ins Kurvenäußere gedrückt. Der kurvenäußere Arm ist gestreckt. Die Kurvenlinie wird klassisch von außen nach innen gewählt.
 Die Technik der Power Curve eignet sich nur auf einem Untergrund, der es erlaubt, im Grenzbereich die Kraft noch auf den Boden zu bringen. Das bedeutet somit, dass die Power Curve in der höchstmöglichen Unterstützungsstufe gefahren wird.
Foto: Markus Greber
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