„Weil wir Vollgas auch meinen – in jeder Hinsicht“

Gitta Beimfohr

 · 07.12.2020

„Weil wir Vollgas auch meinen – in jeder Hinsicht“Foto: Hersteller

Weil Gels und Energydrinks die Brüder Marc und Patrick Grübener nicht überzeugten, entwickelten sie eigene Riegel. Nun wollen sie mit ihren bio-veganen Vollgas-Riegeln mit Koffeinboost durchstarten.

600 Jungunternehmer bewarben sich im November bei der Startup-Challenge von Radio Bayern 3. Darin hatte der erfolgreiche Jungunternehmer Christopher Obereder insgesamt 300.000 Euro für „Innovationen mit echtem Entwicklungspotenzial“ ausgelobt. Die großen Gewinner: Die Brüder Marc und Patrick Grübener mit ihrem neuen Energie-Riegel namens „Vollgas“. Wir haben Marc Grübener gefragt, wie es zum großen Erfolg kam und wie es jetzt für die noch kleine Firma weitergeht.

  Hochwertige Zutaten ohne versteckte Zucker oder Zusatzstoffe: Das zeichnet die neuen Vollgas-Riegel aus.Foto: Hersteller
Hochwertige Zutaten ohne versteckte Zucker oder Zusatzstoffe: Das zeichnet die neuen Vollgas-Riegel aus.
  Marc Grübener, einer der beiden Gründer von <a href="https://www.vollgasriegel.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Vollgas-Riegel</a> , im BIKE-Interview.Foto: Privat
Marc Grübener, einer der beiden Gründer von Vollgas-Riegel , im BIKE-Interview.

BIKE: Glückwunsch! 150.000 Euro Finanzspritze von einem Startup-Profi, der selbst als kleiner App-Programmierer anfing und es im kalifornischen Silicon Valley bereits auf die „Forbes 30“-Liste geschafft hat. Worin sieht Obereder Euer großes Potenzial, denn Energie-Riegel gibt es ja schon reichlich auf dem Markt?

Marc: Der Vollgas-Riegel ist ein bio-veganer Energieriegel aus rein natürlichen Zutaten mit Koffeinboost aus Matcha und Guaraná. Im Gegensatz zum Koffein aus Kaffee hält die Wirkung bis zu sechs Stunden an und das plötzliche Down nach dem High, wie man es vom Kaffee kennt, bleibt aus. Wir wollten einen Riegel mit hochwertigen Zutaten, die man sich sonst in ein gutes Müsli mixt, aber eben to go. Im Gegensatz zu vielen Marktbegleitern, lassen sich Vollgas-Riegel auch bei höherer körperlicher Anstrengung noch gut kauen, schlucken und kleben vor allem nicht an der Verpackung fest. Wie man an der übersichtlichen Zutatenliste sieht: Auf versteckte Zucker oder Zusatzstoffe haben wir komplett verzichtet. Chris Obereder fand, dass sich unser Konzept damit von der Konkurrenz abhebt. „Ein Energydrink zum Kauen, aber gesund“, meinte er. Vor allem der Umstand, dass wir den Riegel ja eigentlich für unseren Eigenbedarf entwickelt haben und voll hinter dem Produkt stehen, hat ihn überzeugt. Der Name „Vollgas“ war für ihn dann noch der Punkt auf dem i.

Der Name wird im Regal sicher auffallen. Wie seid ihr auf den gekommen?

Marc: Der ist meinem Bruder beim Laufen plötzlich aus dem Nichts eingefallen. Der Name trifft es perfekt, auch was unseren Einsatz angeht. Also haben wir gar nicht weiter diskutiert.

  Patrick Grübener ist leidenschaftlicher Surfer.Foto: Privatfoto
Patrick Grübener ist leidenschaftlicher Surfer.

Apropos Bruder: Ihr seid praktisch beide zur gleichen Zeit auf die Riegel-Idee gekommen, stimmt das?

Ja, wir waren kurioserweise beide sehr unterschiedlich motiviert. Ich bin selber seit 17 Jahren leidenschaftlicher Radsportler und habe bei Rennen unterschiedlichste Riegel und Gels ausprobiert. Jedes Mal kämpfte ich Magenproblemen oder bekam die Riegel nicht runtergeschluckt. Bei der BIKE Transalp 2019 ging es dann soweit, dass ich die vierte Etappe wegen starker Magenkrämpfe und Kraftlosigkeit nur mit großem Willen und Quälerei zu Ende bringen konnte. Nach diesem Erlebnis gab es für mich nur noch Riegel der Marke Eigenbau. Ich wollte einen Riegel, der gut bekömmlich und lecker ist. Er sollte nicht an der Verpackung kleben und leistungsmäßig natürlich gut anschieben.

  Weil er bei MTB-Etappenrennen regelmäßig mit Magenproblemen kämpfte, fasste Marc den Entschluss, seine eigenen Energieriegel zu entwickeln.Foto: Veranstalter
Weil er bei MTB-Etappenrennen regelmäßig mit Magenproblemen kämpfte, fasste Marc den Entschluss, seine eigenen Energieriegel zu entwickeln.

Mein Bruder hatte parallel dazu auch schon angefangen, selbst zu backen. Er suchte nach einem alternativen Energieschub für lange Autofahrten, weil er merkte, dass ihm der viele Zucker und die künstlichen Zusatzstoffe der handelsüblichen Energydrinks am nächsten Tag einen regelrechten Kater bescherten.

Irgendwann kamen wir am Telefon zufällig auf das Riegelthema zu sprechen und da merkten wir, dass wir aus unterschiedlichen Gründen an der gleichen Baustelle arbeiteten.

Und dann habt Ihr Euch gemeinsam in die Küche gestellt und einfach mal was zusammengemischt?

Gemeinsam nicht, sondern jeder für sich, weil ich in Nordrhein-Westfalen wohne und mein Bruder am Ammersee. Wir haben Wunschzutaten am Telefon diskutiert, Nährwerte errechnet und das Ganze in einer Küchenmaschine geschreddert, bis die Geräte heiß liefen. Die große Herausforderung war, die Rezepturen und Verarbeitungsschritte genau abzustimmen, um so weit entfernt voneinander zum gleichen Ergebnis zu kommen. Im Winter 2019/20 hatten wir dann die ersten Prototypen, die wir an befreundete Marathon- und Enduro-Biker verteilen konnten. Das Feedback der Tester half uns enorm bei der Weiterentwicklung und irgendwann hieß es: „Diesen Riegel müsste es genau so zu kaufen geben.“ Als Patrick dann noch der Name einfiel, war der erste Vollgas-Riegel Kakao geboren.

Und dann seid ihr zu einer Produktionsfirma marschiert, habt das Rezept auf den Tisch gelegt und gesagt: machen?

Ganz so einfach war es leider nicht. Wir haben eine Firma in Norddeutschland beauftragt, nur die konnten wir wegen Corona nicht persönlich besuchen. Also haben wir das Rezept gemailt und unsere Musterriegel geschickt. Dann die Ernüchterung: Gleiche Zutaten, gleiches Rezept, aber: anderes Ergebnis. Wir mussten das Rezept auf Großproduktion noch mal umstellen, um am Ende den gleichen Riegel zu haben. In Großproduktion macht einen großen Unterschied, ob man Leinsamen am Stück oder geschrotet nimmt. Auch die Reihenfolge der Zutatengabe ist wichtig für den Geschmack. Es gingen einige Testriegel hin und her, bis wir uns wagten zu sagen: Okay, davon jetzt 18000 Stück.

Und wie geht es jetzt bei euch weiter? Chris Obereder meinte ja im Radio, dass er Euch nicht nur mit 150.000 Euro, sondern auch marketingstrategisch mit seinen weltweiten Kontakten weiterhelfen wird?

Den genauen Business-Plan wird Chris in den nächsten zwei Wochen mit uns erarbeiten. Berechnet nach der Post-Money-Bewertung von 462.500 Euro hat Chris jetzt 32,4 Prozent der Firmenanteile. Nach Europa sieht er die größten Chancen in den USA. Das wäre der Hammer und „Fullgas“ klingt doch auch ganz gut. Am liebsten wäre es Chris, wenn wir uns der Firma hauptberuflich widmen würden. Aber die bisher 12000 verkauften Riegel reichen noch nicht, um zwei Familien zu ernähren. Mein Bruder wird daher weiter als Webdesigner arbeiten und ich als Maschinenbauingenieur. Aber die Küchenmaschine rappelt schon wieder: Unser nächstes Projekt wird ein veganer Recovery-Riegel sein, mit sehr interessanten, wirkungsvollen Eiweißen.

  Der erste Vollgas-Riegel war die Geschmacksrichtung Kakao.Foto: Hersteller
Der erste Vollgas-Riegel war die Geschmacksrichtung Kakao.

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