Der Wahl-Freiburger Paul Schehl (22) gilt als das Nachwuchs-Talent im Cross-Country-Worldcup. Nächste Saison fährt der Junioren Weltmeister von 2022 das erste Jahr in der Elite. Paul startet für das Lexware Mountainbike Team und kommt gebürtig aus der Nähe von Schwäbisch Hall. Seit 2022 lebt er in Freiburg und trainiert am Olympia Stützpunkt.
Paul ist 1,84 Meter groß und wiegt 72 Kilo.
Nächstes Jahr fährt Paul in der Elite, doch jetzt ist erst mal Off-Season. “Da darfs auch mal mehr als ein Bier sein”, sagt Paul. Bei unserem Gespräch war er gerade mit Kumpels in Italien unterwegs, doch nicht zum Radfahren, sondern zum Angeln.
Pauls Ziel für die nächste Saison? Punkte für Olympia 2028 sammeln.
Beim letzten Worldcup-Stop in Lake Placid bist du gestürzt, was ist passiert?
Dumm gelaufen. Ein Stein-Drop in der Nähe der Zielgeraden. Ich war zu schnell, hatte vergessen Tempo rauszunehmen, die Front in die Landung zu drücken. Ein Gegenhang, Ein Aufschlag, schon schleuderte ich über den Lenker auf die Seite. Wirklich kaputt ist nix, doch gerädert fühlte ich mich einige Tage noch.
Ich habe nie wirklich was Schlimmes gebrochen. Na ja, eine Rippe – aber das zählt gefühlt kaum. Und von Stürzen bin ich bis jetzt immer recht gut davongekommen.
Erzähl mal von der Rippe.
Das war in Les Gets. Nach dem Streckentraining sind wir noch einen schwarzen Downhill runtergefahren – keine besonders gute Idee, wie sich herausstellte. Großer Wurzelteppich, viel zu schnell, Crash. Direkt danach war es eigentlich noch okay. Schmerzte beim Hinlegen, wenn ich die Bauchmuskulatur angespannt habe – aber aushaltbar. Zwei Wochen später habe ich dann beim Autotür-Zumachen eine komische Bewegung gemacht, da hat es geknackt und geknirscht. Ab dem Moment war es richtig übel. Schmerzen beim Atmen, kaum noch laufen – richtig krass. Hat insgesamt sechs Wochen gedauert.
Und der Sturz in Brasilien?
Das war beim ersten XCO-Weltcup der Saison. Direkt am Start bin ich aus dem Pedal geflogen, überschlagen und zuerst mit dem Kopf, Rücken aufgekommen. Ich hatte ein riesiges Hämatom am Hintern – so angeschwollen, dass es auf die Nerven gedrückt hat und ich meinen Bewegungsradius komplett verloren habe. Zweieinhalb Wochen kein Radfahren. Das war wohl mein bisher schwerster Sturz.
Du hast auch Probleme mit der Halswirbelsäule.
Ja, das hab ich schon immer. Ich war als Kind ein ziemlicher Chaot. Doppelsaltos auf dem Trampolin und so Sachen – und das ging halt öfter schief. Ich bin oft auf dem Kopf gelandet. Seitdem bin ich anfällig für Schleudertraumata. Die Muskulatur überreagiert einfach. Wenn ich mich nachts falsch hinlege – Bauchlage, Kopf 90 Grad gedreht – wache ich morgens auf und kann den Kopf kaum noch bewegen.
Was hilft dagegen?
Ich habe quasi neu schlafen gelernt. Ich liege jetzt immer auf der Seite und staue mir die Decke vor dem Bauch auf, damit ich nicht nach vorne überdrehe. Und meine Eltern sind beide Physios – die haben mir Stabilitätsübungen gezeigt. Mittlerweile ist es schon besser.
Stretching – machst du das gewissenhaft?
Ehrlich gesagt: nicht genug. Ich sollte es mehr machen. Aber wenn ich es mache, dann eine Mischung aus Yoga-Übungen – meine Schwester macht viel Yoga und hat mir einiges beigebracht – und klassischem Stretching. Ich konzentriere mich vor allem auf die Oberschenkelvorderseite, den Hüftbeuger und das Gesäß. Die verkürzen bei mir am schnellsten.
Krafttraining – macht dir das Spaß?
Kommt drauf an, um welche Übung es sich handelt. Ich wohne 500 Meter vom Olympiastützpunkt Freiburg entfernt – großer Kraftraum, guter Zugang. Mein Trainer ist Tobias Blum, ich arbeite seit 2021 mit ihm. Er macht auch den Trainingsplan für meinen Kumpel Julian Schelb. Zweimal die Woche Kraft, und was ich am liebsten mache: Kreuzheben. Das macht einfach Spaß.
Und was hasst du?
Kniebeugen. Brutal anstrengend. Ich finde es einfach unfassbar hart. Früher haben wir 25 Wiederholungen gemacht – das war die Hölle. Jetzt arbeiten wir eher mit vier bis sechs Wiederholungen, dafür intensiver. Das liegt mir deutlich mehr.
Ernährung – hast du da einen Plan oder läuft das nach Gefühl?
Beides. Tobias schreibt mir in den Trainingsplan, wie viele Gramm Kohlenhydrate ich pro Stunde brauche und was ich vorher essen soll. Vor Intervallen meistens ein Oatmeal mit Nüssen und Obst. Vor langen Grundlageneinheiten lieber Vollkornbrot mit Rührei – hält länger satt. Am Abend vor dem Rennen gibt es Reis, meistens mit Tomaten-Thunfisch-Soße oder Curry, manchmal noch Hühnchen dazu.
Und das obligatorische Pre-Race-Ritual?
Reis mit Nutella. Das hat Benjamin Krüger bei der WM letztes Jahr eingeführt – und seitdem ist das bei uns das offizielle Pre-Race-Meal. Klingt wild, ist aber erstaunlich gut verträglich. Nach dem Rennen setze ich auf ein Sauerkirsch-Konzentrat - wie das auch die Tour-de-France-Fahrer machen.
Gibt es auch Laster? Pizza, Döner. Musst du da auf etwas achten?
Pizza auf jeden Fall. Bei meinem Trainingsumfang – zwischen 18 und 24 Stunden pro Woche auf dem Rad – ist der Energieumsatz so enorm, dass ich vor allem schauen muss, genug reinzubekommen. Ein, zweimal die Woche Pizza oder Döner ist da kein Problem. Hauptsache, die Basis stimmt.
Wie stets mit Alkohol während der Saison?
Ab und zu ein Bier schadet wirklich nicht - auch während der Saison. Aber richtig feiern, richtig betrinken – das mache ich unter der Saison nicht. Einfach weil es schlecht für die Leistung ist. In der Off-Season darf's dann auch mal etwas mehr sein.
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