Ernährung

Elisabeth Brandau: Weniger aufs Geld schauen beim Essen

Björn Kafka

 · 16.06.2016

Elisabeth Brandau: Weniger aufs Geld schauen beim EssenFoto: Hoshi Yoshida

Drehen, drehen, drehen… Elisabeth Brandau kurbelt ihren Buchweizen durch die Körnerpresse. Seit fünf Minuten dreht die 29-Jährige, während im Hintergrund die hungrige Familie auf das Müsli wartet.

"Gleich so weit", beschwichtigt die Bikerin, die erst vor einem halben Jahr ihren Sohn Maximilian zur Welt brachte. Gutes Essen gehörte schon vor der Geburt ihres Sohnes in Brandaus Leben, der Umgang hat sich aber sehr stark geändert. "Im Leistungssport macht das Essen einigen Sportlern wirklich Probleme. Ich gehörte auch dazu", erklärt die ehemalige Deutsche Meisterin, während sie den geschroteten Buchweizen mit Reismilch ansetzt. "Ich komme ja vom Straßenradsport und bin dort magersüchtig geworden. Der Druck war enorm. Viele meiner Team-Kolleginnen hatten starke Probleme mit dem Essen. Ich habe mich selber kaputtgemacht. Erst der Abstand zum Straßensport half", erklärt sie und setzt sich an den Tisch. Etwa 25 Prozent aller Leistungssportlerinnen leiden unter Essstörungen – eine alarmierende Zahl (Studie im Auftrag des Kölner Bundesinstitutes für Sportwissenschaft). "Ich glaube sogar, dass es viel mehr sind. Alle schauen auf ihre Watt pro Kilogramm. Dass dieses Abmagern langfristig aber nichts bringt, kapieren die wenigsten. Irgendwann rächt sich der Körper. Man muss die Augen aufmachen, dann siehst du die Opfer des Esswahns."

Für Brandau ist das Kapital abgeschlossen. Wobei, so sagt sie selbst, so richtig wird man das nie los. Im Kopf stecke dieses Abwägen, was man darf, was nicht. "Ich habe eine zeitlang ohne Kohlenhydrate gelebt und trainiert. Das geht nicht, wenn man intensiv Sport treibt. Wer vielleicht nur abnehmen möchte, der kann ohne Kohlenhydrate auskommen. Bei Sportlern läuft das nicht. Ich war so erschöpft, dass ich es kaum noch aus den Pedalen schaffte. Mein neuer Trainer hat mir sehr geholfen und mir physiologische Zusammenhänge erklärt. Das hat mich entspannt, und ich esse wieder ohne Angst vorm Zunehmen. Und was landet bei Brandau auf dem Tisch? Im Grunde alles. Die Schwäbin macht keine großen Einschränkungen. Sie versucht, ihre Glutenzufuhr zu beschränken und lebt nur von Produkten aus biologischem Anbau – aber sklavische Verzichte gibt es nicht. "Das Wichtigste sind hochwertige Produkte. Ich esse nur Fleisch von unserem Bio-Bauern", sagt Brandau. Zwar sei Bio-Essen teurer, erklärt sie, aber man solle sich mal anschauen, wie Tiere gehalten und gemästet werden. "Die Tiere werden vollgestopft mit Antibiotika." Das lande letztlich alles im Supermarkt und dann auf dem Teller. "Die Menschen essen zu sehr mit dem Euro vor Augen", findet Brandau.


FAMILIENFUTTER – Was essen Mutter, Vater und Sohn? Ein kleiner Querschnitt.

  Buchweizen Brandau ernährt sich zum Großteil glutenfrei. Zum Frühstück verzehrt sie meist ein Müsli auf Basis von Buchweizen. Dazu ein paar Nüsse.Foto: Fotolia
Buchweizen Brandau ernährt sich zum Großteil glutenfrei. Zum Frühstück verzehrt sie meist ein Müsli auf Basis von Buchweizen. Dazu ein paar Nüsse.
  Gemüse Als Mutter achtet Brandau extra auf die Vitaminzufuhr. Sie erhöhte deshalb ihren Gemüseanteil. Es gibt kaum ein Essen ohne Grünzeug. Foto: Fotolia
Gemüse Als Mutter achtet Brandau extra auf die Vitaminzufuhr. Sie erhöhte deshalb ihren Gemüseanteil. Es gibt kaum ein Essen ohne Grünzeug. 
  Süßes kann sie genießen. Früher kasteite sie sich und bekam Fress-Flashs. Da verschwand schon mal ein ganze Haribo-Packung. Heute reicht ein Gummibärchen und Schluss.Foto: Fotolia
Süßes kann sie genießen. Früher kasteite sie sich und bekam Fress-Flashs. Da verschwand schon mal ein ganze Haribo-Packung. Heute reicht ein Gummibärchen und Schluss.


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