Interview Markus WeinbergWie bereitet man sich auf ein Rennen wie das Gravel Burn vor?

Gitta Beimfohr

 · 13.10.2026

Filmemacher und ehemalige Radrennfahrer Markus Weinberg aus Dresden.
Foto: Freya Weinberg
Er hat in 49 Tagen Europa von Nordnorwegen bis nach Portugal durchquert. Jetzt will der Dresdener Filmemacher Markus Weinberg beim südafrikanischen Gravel Burn mit Profis an den Start gehen. Wie bereitet man sich auf solch ein Gravel-Rennen durch die Wüste vor? Wir haben nachgefragt.

500 Racer werden am 25. Oktober an der Startlinie in Südafrika stehen. Die zweite Ausgabe des Gravel Burn steht an: 7 Tage und 700 Kilometer durch die Karoo-Wüste. Übernachtet wird im Zeltcamp, gegessen am Lagerfeuer, eigene Betreuer sind nicht erlaubt. Bei der Erstausgabe dieses Rennens kämpften Hobbybiker und internationale Eliteracer aus der MTB- und Roadbike-Szene gegen viel Pistenstaub und Hitze, aber auch sintflutartigen Regen und Hagelsturm. Ein Szenario, das den Abenteurer und Filmenmacher Markus Weinberg aus Dresden nicht abschreckte, sondern neugierig machte. Er konnte einen Startplatz für die zweite Ausgabe des Gravel Burn vom 25.-31. Oktober ergattern, wird jetzt aber doch zunehmend nervös:

Es würde mich wundern, wenn ich meine Kompetenz nicht ausspielen könnte

​BIKE: Markus, in knapp zwei Wochen geht's los. 697 Kilometer und 8100 Höhenmeter in 7 Etappen durch die südafrikanische Karoo-Wüste. Auf der Skala von 1 - 10: Wie nervös bist du vor deinem Start beim Gravel Burn?

Markus Weinberg: Die Vorfreude ist die schönste Freude. Aufsteigende Nervosität dagegen eher etwas lästig. Davon habe ich diesmal leider etwas, weil mein Trainingszustand etwas zu wünschen übriglässt. Nach ein paar Tagen werde ich mich jedoch eingerollt haben und die Routine wird es regeln. Die vorhandenen Lebenskilometer in den Beinen werden dem Gehirn schon melden, dass es darauf zurückgreifen soll. Dann sollte sich die nötige Gelassenheit einstellen. Tatsächlich ist das Rennen ist in seiner Art und Ausführung so speziell, dass ich mich sehr drauf freue.

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Durch deine Teilnahme beim Cape Epic vor ein paar Jahren weißt du ja, was dich erwartet: Hitze, Wellblechpisten und sehr viel Staub. Wie trainiert man sowas zuhause?

Ich habe die letzten Wochen versucht zu Hause all meine Termine und Wege konsequent mit dem Rad zu erledigen. Mal schnell von Dresden nach Leipzig, in die Sächsische Schweiz, nach Tschechien - und ich habe versucht, die regelmäßigen Trainingsausfahrten mit meiner Sportgruppe nicht mehr (als nötig) zu schwänzen. Wenn sehr wenig Zeit war, bin ich wenigstens mal eine bis anderthalb Stunden Intervalle gefahren. Aber konsequent auf das Rennen hintrainieren konnte ich nicht. Die Form, die jetzt da ist, würde ich als improvisiert bezeichnen.

Wo erwartest du die größten Unterschiede zwischen Cape Epic mit dem Mountainbike und Gravel Burn mit Gravelbike?
Die Cape Epic war außergewöhnlich gut organisiert. Das dürfte hier jetzt auch wieder der Fall sein. Schließlich hat ja Cape-Epic-Gründer Kevin Vermaak das Gravel Burn letztes Jahr ins Leben gerufen. Allerdings scheint hier nun ein exklusiver Erlebnis-Charakter im Vordergrund zu stehen, denn als Zuschauer bekommt man bis auf den Startschuss und die letzte Etappe praktisch nichts mit, Das Rennen findet in der Wildnis der südafrikanischen Karoo-Wüste statt, inklusive Camping für alle Teilnehmer - egal, ob sie nun Amateure oder Olympiasieger sind. Das wird spannend.

Karl Platt meinte letztes Jahr nach der ersten Ausgabe des Gravel Burn: “Das nächste Mal ziehe ich breitere Reifen auf und montiere eine Federgabel”. Hast du ähnliches vor?

Oh, das kann ich noch gar nicht sagen. Was das Rad betrifft, werde ich mich überraschen lassen, denn um die Kosten für den Radtransport zu sparen, werde ich mir Vorort eins leihen. Welches Gefährt es am Ende wird, werde ich dann sehen.

Letztes Jahr hatten die Racer überraschend mit sintflutartigem Regen und sogar Hagel zu kämpfen. Problem: Die Racer müssen sich in den Camps selbst um das Waschen ihrer Klamotten kümmern. Gerade für die Profis, die sonst Betreuer für solche Aufgaben haben, wurde das zu einer echten Aufgabe. Ist das ein Problem für dich?

Ich bin mein ganzes Leben lang, von Kind auf, outdoor unterwegs gewesen. Früher klettern, boofen, Lagerfeuer. Später Pfadfinder, Wandervogel und wochenlange Rucksacktouren. Dann ein Jahr trampend durch Afrika, und nach meiner aktiven Sportlerzeit habe ich die Liebe zum Bikepacking entdeckt. Darunter auch das ein oder andere Selbstversorger-Rennen wie Tour Divide, Silk Road Mountain Race und im letzten Jahr mein European Connection Trail. Es würde mich sehr wundern, wenn ich da nicht die ein oder andere Kompetenz ausspielen könnte. Ich werde vorbereitet sein: Eine Tube Reise-Handwaschmittel und genug Kettenwachs kommen mit. Das ist es genau das Abenteuer, auf das ich mich freue - und alle müssen gleich da durch.

Auf der nun verifizierten Startliste stehen einige echte Hochkaräter aus der MTB- und Roadbike-Szene. Wo sortierst du dich im Rennfeld des Gravel Burn ein?

Ich habe mich auf jeden Fall für den Startblock bei den Freizeitsportlern eingeschrieben. Bei der Cape Epic haben wir das auch so gemacht und uns dann jeden Tag einen Startblock weiter vorgeradelt. Am letzten Tag standen wir dann vorne bei Karl Platt im Block. So darf es beim Gravel Burn hoffentlich auch wieder werden – das wäre noch eine tägliche zusätzliche Motivation.

Markus, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen viel Erfolg beim Rennen und drücken die Daumen!

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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