Traum AlpenüberquerungTarek Rasouli: “Das Größte, was ich je gemacht habe”

Laurin Lehner

 · 28.09.2026

Traum Alpenüberquerung: Tarek Rasouli: “Das Größte, was ich je gemacht habe”Foto: Ale di Lullo / Rasolution
“Dieses Gefühl, von Kurve zu Kurve zu kippen, fast wie wedeln beim Skifahren” sagt Tarek.
Tarek Rasouli erfüllte sich den Traum der Alpenüberquerung – dank speziellem Sitz-Fahrrad. Von München bis Riva del Garda. Mit dabei: Kumpel Danny MacAskill. Ein Interview.

Tarek Rasouli gilt als deutscher Ur-Freerider. Tarek hat in den 90ern die Mountainbike-Szene mitgeprägt – als Profi und auch als BIKE-Fotofahrer. Als einer, der einfach immer dabei war, wenn es irgendwo in den Bergen zur Sache ging. Dann hat das Leben andere Pläne gemacht. Ein MTB-Filmprojekt, ein Unfall, ein neues Leben im Rollstuhl, ein anderer Blick auf alles – auch aufs Biken.

Doch das ist lange her. Tarek Rasouli gründete die Agentur Rasoulution und betreut Athleten, organisiert Events, berät Bike-Firmen. Und er fährt wieder – auf einem Bowhead-Sitz-Fahrrad.

Im September startete er zur Alpenüberquerung von München nach Riva mit Buddy Danny MacAskill. Hier entstand zudem ein Film, der im Rahmen der Bike Filmtour 2027 gezeigt werden soll.

Die Premiere findet am 4. März 2027 statt. Wir sprachen mit Tarek kurz nach der Alpenüberquerung.

Interview Tarek Rasouli: “Das größte was ich je gemacht habe”

Tarek Rasouli mit seinem Bowhead-Bike. Rechts: Danny MacAskill auf seinem Santa Cruz Vala.Foto: Dave MackisonTarek Rasouli mit seinem Bowhead-Bike. Rechts: Danny MacAskill auf seinem Santa Cruz Vala.

​BIKE: Tarek, gab es einen Moment während der Tour, in dem du dachtest, vielleicht war das keine so gute Idee?

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Gar nicht während der Tour. Das kam zwei, drei Wochen vorher. Ich hatte wieder eine Druckstelle am Gesäß – neue Stelle, altes Problem. Ich wusste schlicht nicht, ob das über neun Tage im Sitz gutgeht oder ob ich irgendwann abbrechen muss. Das hat mich extrem gestresst.

Hast du das Problem in den Griff bekommen?

Ja. Das klingt unspektakulär, ich weiß. Aber wenn du weißt, was vor dir liegt – 6.000 Höhenmeter, Bikepark-Tag in Sölden und Paganella, 100-Kilometer-Etappen – dann ist so eine Stelle kein Witz. Ich musste mir dann auch während der Tour jeden Abend eine gute Stunde Zeit nehmen, die Stelle intensiv zu pflegen.

Wie verlief eure Route?

München – Garmisch – durchs Leutaschtal zur Area 47. Von dort ins Ötztal hoch bis Sölden, wo wir einen ganzen Tag in der Bike Republic verbracht haben. Dann über das Timmelsjoch nach Meran, weiter nach Andalo und Molveno am Paganella – und als Finale nach Riva del Garda, wo uns Uli Stanciu die letzte Stage durch die Weinberge gelotst hat. Ohne den wären wir nie so abwechslungsreich nach Riva gekommen.

Was war die größte Challenge für dich?

Die gebauten Trails zu fahren mit meinem Adaptive Bike. Zum Beispiel in Sölden. Ich kannte keinen der Trails und bin da in der Regel blind reingefahren. Danny hat mich immer wieder gebremst und sogar ein bisschen um mich gebangt. Das hatte er mir zumindest unten im Tal erzählt. Er hat sich wirklich Sorgen gemacht. Und dann hat er gesagt, was ich mache, sei für ihn extremer als das, was er macht. Da musste ich lachen.

Auf dem Bowhead über Trails , zu fahren hört sich auch nicht ungefährlich an.

Klar, zudem kenne ich die Trails nicht. Das ist eine andere Art von extrem.

Wie war's mit Danny unterwegs zu sein, als die Filmer nicht dabei waren? Ist eure Freundschaft enger geworden?

Klar, so etwas verbindet. Wir hatten viel Spaß. Danny war nur am Rumtricksen, wenn er Gelegenheit dazu gefunden hat. Auch als die Kamera nicht dabei war.

Kein Moment, wo du gedacht hast: Jetzt nervt er mich?

Nein. Gegen Ende, wenn die Arme wirklich schwer sind und man noch mal auf die Drohne warten muss – da war's vielleicht kurz angespannt. Aber nicht wegen Danny.

Dein Adaptive Bike läuft mit zwei Bosch-Akkus à 750 Wh. Hat 1.500 Wh jeden Tag gereicht?

Jeden Tag. Den härtesten – 100 Kilometer, letztes Drittel nur bergauf – hab ich mit noch 10 Prozent Rest Akku abgeschlossen. Das neue Bosch-System hat dabei einen Unterschied gemacht, den ich so nicht erwartet hatte. Bei mir geht Bergauffahren ja nur mit den Armen, daher sind zusätzliche Watt per ePower essentiell, um überhaupt voranzukommen, denn mein Bike hat über 45 kg Gesamtgewicht.

Und dein fahrerisches Highlight?

Das startete in Sölden bergab und endete in Andalos Paganella Bikepark. Dieses Gefühl, von Kurve zu Kurve zu kippen, das Bike aus dem Becken herauszuführen – nicht mit den Schultern, nicht mit den Armen, sondern aus der Hüfte. Fast wie Wedeln, nur ohne Schnee. Das hatte ich nicht unbedingt erwartet, und es war richtig gut.

Was war dein schönster Naturmoment?

Molveno, mit der Brenta direkt gegenüber. Ich habe Ende der 90er regelmäßig dort Fotos für die BIKE gemacht. Plötzlich stehst du wieder da – mit anderem Bike, anderem Körper – und schaust auf genau dieselben Felsen. Das ist ein seltsames, aber auch sehr schönes Gefühl.

Wie lange hast du auf diese Tour hingefiebert?

Der Traum war schon seit den frühen 2000ern da – Gardasee Bike Festival, Christoph Listmann, Karl Platt, die ganzen Transalp-Geschichten. Realistisch wurde es dann, als ich das Bowhead hatte. Kurzum: Eine Alpenüberquerung steht schon lange auf meiner Liste, doch ich hatte nie das passende Bike. Jetzt habe ich es. Doch immer wieder kamen gesundheitliche Dinge dazwischen, wie eben eine Druckstelle. Umso besser, dass es jetzt funktioniert hat.

Bist du jetzt angefixt und schmiedest schon weitere Abenteuerpläne?

Nicht konkret, doch ich wurde gefragt, ob ich beim Gravel Burn in Südafrika mitmachen will. Das ist bereits Ende Oktober – also sehr kurzfristig. Das ist zumindest eine Idee. Und Schottland mit Danny wäre schon ein gewisser neuer Traum.

Was war dein Gefühl, als du in Riva angekommen bist?

Dass das das Größte war, was ich je gemacht habe. Nicht das Extremste in den Augen anderer, doch für mich in meiner Situation schon.

Empfohlener redaktioneller InhaltInstagram

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogenen Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzbestimmungen.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

Meistgelesen in der Rubrik Touren

Shorts