So planen Sie Ihre Transalp perfekt

Gitta Beimfohr

 · 09.06.2017

So planen Sie Ihre Transalp perfektFoto: Markus Greber
So planen Sie Ihre Transalp perfekt

Schwitzen, staunen, triumphieren: Eine Alpenüberquerung ist der Traum vieler Biker. Auch wenn der Sommer noch weit weg ist, das Projekt Transalp beginnt jetzt: Planung, Ausrüstung, Routen-Wahl...

Es gibt hunderte verschiedene Routen über die Alpen, doch am Anfang steht immer die Grundsatzfrage: geführte Tour oder selbst entworfene Route? Der Weg über den Veranstalter ist im Prinzip leicht. Strecke auf der Anbieter-Website wählen, auf "buchen" klicken, und schon ist das Saisonziel gesteckt. Durschnittlich 1100 Euro sind dafür fällig. Trainieren müssen Sie natürlich selbst, und eine Ausrüstung brauchen Sie auch noch. Um alles andere kümmern sich jedoch die Guides. Für Biker mit wenig Zeit, geringer alpiner Erfahrung oder fehlenden Mitstreitern ist die geführte Tour die beste Wahl. Die Wahl der passenden Route kann aber gerade für Transalp-Neulinge eine Herausforderung sein. Achten Sie darauf, dass die Tour möglichst viele der Highlights enthält, die auf den folgenden Seiten beschrieben werden. Für andere wiederum liegt genau in der Vielfalt der Möglichkeiten der Reiz: Es gibt in den Alpen praktisch keinen Weg, keinen Pass und keinen Trail mehr, der noch nicht befahren wurde. Im Vergleich zu früher vereinfacht das die Planung immens.

Verlagssonderveröffentlichung

Sollten Sie den Pfad der Selbstplaner einschlagen, müssen Sie schon lang nicht mehr Andi Heckmair, Uli Stanciu oder Achim Zahn heißen, um eine spannende Route zu finden. Die Alpenpioniere haben jeden Weg noch ausprobieren müssen – trotz bester Kartenkenntnis. Heute ist nahezu jeder Pfad auf seine Fahrbarkeit geprüft und wird auf Web-Seiten wie YouTube zur virtuellen Mitfahrt angeboten. Doch Sie müssen sich nicht nur um die Route und die Navigation kümmern, Sie müssen auch Unterkünfte buchen, Gepäcktransport und Rücktransfer organisieren. Dazu gibt es Bücher, Roadbooks und Touren-Portale im Internet mit komplett fertig erstellten Routen – dank GPS kann man damit direkt losfahren. Und unterm Strich kommen Sie mit einer selbst organisierten Alpenüberquerung rund 400 Euro günstiger als mit einer geführten.

In unserem Transalp Special finden Sie auf den folgenden Seiten alles, was Sie brauch, damit die Transalp perfekt wird...


Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe BIKE 1/2017 können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen:


DIE KLASSISCHEN TRANSALP-ROUTEN

Einmal aus eigener Kraft die Alpen überqueren, das ist der große Traum vieler Biker. Durchbeißen, genießen, abtauchen in gewaltige Landschaft. Doch, wo genau soll die Route langführen? Wir hätten da ein paar Vorschläge.

Eine "echte" Transalp-Tour führt einmal quer über den Alpenriegel, meist von Nord nach Süd. Die Route sollte – auch im Alpenhauptkamm – möglichst durchgängig fahrbar sein und auf jeder Etappe durch landschaftliche Highlights führen. Von Garmisch zum Gardasee wäre zum Beispiel so eine typische Klassiker-Tour. Sie überwindet den Hauptkamm ohne Tragepassage am Zillertaler Pfitscherjoch, dreht eine ausgiebige Panoramaschleife durch die Dolomiten und endet am beliebtesten Ziel aller Alpenüberquerer, dem Gardasee. Als normaler Touren-Biker mit mittlerem Fitnessgrad schafft man diese Route mit insgesamt etwa 400 Kilometern und 11000 Höhenmetern in sieben bis acht Tagen. Komplett aus eigener Kraft, selbstverständlich.

Doch der Fantasie und Fitness sind keine Grenzen gesetzt. Von Garmisch zum Gardasee gelangt man auch auf der Via Claudia mit nur 3000 Höhenmetern. Andere setzen sich als Höhepunkte noch Eisjöchl oder Madritschjoch ins Höhenprofil und feiern am Gardasee 20000 gemeisterte Höhenmeter. Ändert man dazu noch Start- und/oder Zielort, verästelt sich das Wegenetz bis ins Unendliche. Man muss sich also ein wenig in den Alpen auskennen, um eine gute Routen-Wahl zu treffen. Egal, ob Sie nun beim Veranstalter buchen, sich kostenlose GPS-Tracks aus dem Internet runterladen, oder sich eine Route mit dem Transalp-Buch von Uli Stanciu zusammenklicken. Hier die landschaftlichen Highlights, die in klassischen Alpenüberquerungen einfach auftauchen müssen.

• Das große Karwendeltal (1) ist sicher der schönste Einstieg in eine Transalp. Von Scharnitz aus zieht sich der Schotterweg meist sanft zum Hochalmsattel hinauf vorbei an imposanten Kalksteinwänden.

  KarwendeltalFoto: Jörg Reuther
Karwendeltal

• Wirklich komplett fahrbare Hauptkammübergänge gibt es nur wenige. Die leichteste Route ist die Fernpass-Reschenpass-Kombination. Gefolgt von Pfitscherjoch im Zillertal und dem legendären Brennergrenzkamm (2).

  BrennergrenzkammFoto: Markus Greber
Brennergrenzkamm

• Sie zählen zu den schönsten Gebirgen der Welt und erzählen dabei noch Gänsehautgeschichten vom Ersten Weltkrieg: Die bleichen Dolomiten (3) dürfen in einer klassischen Alpenüberquerung nicht fehlen. Allerdings schrauben sie die Höhenmeterbilanz einer Tour ganz schön nach oben. Steile Anstiege auf oft grobem Geröll sind hier normal. Die besten Passagen: Fanestal, Forcella Ambrizzola, Val Venegia, Porta Vescovo, Alleghe, Sella, Seiser Alm.

  DolomitenFoto: Markus Greber
Dolomiten

• Die Ostalpen haben einen einzigen Viertausender, und der thront über dem Engadin: der Bernina (4049 m). Bis zum Gipfel kann man ihm nicht auf den Pelz rücken, aber die Landschaft um ihn herum, mit ihren vielen Gletschern, Seen und Flowtrails erinnert stark an Kanada. Alpenüberquerer mit Ziel Comer See kommen hier durch.

• Es gibt Biker, die eine Alpenüberquerung nur in Angriff nehmen, um einmal das Val d’Uina (5) live zu erleben. Nahe Scuol wurde der Weg hier auf über 1000 Metern Länge als Galerie in den Fels geschlagen. Wegen hochgradiger Absturzgefahr darf man das Bike hier zwar nur schieben. Aber das Erlebnis ist großartig und die Kulisse in höchstem Maße fotogen.

  Val d'UinaFoto: Franz Faltermaier
Val d'Uina

• Wie das immer so ist: Als das wunderschöne Val Mora im Val Müstair von einem Alpenüberquerer entdeckt wurde, war es noch eines der einsamsten Täler der Alpen. Heute ziehen hier viele Veranstalter mit ihren Gruppen durch. Zu Recht: Es geht hier zwar nur auf Schotter entlang, aber die Straße führt fast eben durch das herrliche Hochtal dahin – von kleineren Zwischenrampen mal abgesehen.

• 2500 Höhenmeter am Stück! Passionierte Biker bauen sich gerne das 2895 Meter hohe Eisjöchl als Königsetappe in die Route ein. Der Bergpfad wurde aber vor vier Jahren ganz neu angelegt und ist nun selbst auf den letzten 900 Höhenmetern fahrbar.

• Als wäre das Gebirge einst von den Dolomiten abgesprengt und einfach auf die andere Seite der Etsch gewürfelt worden: Optisch, aber auch geologisch ist die Brenta tatsächlich mit den berühmten bleichen Bergen verwandt. Felsnadeln türmen sich hier senkrecht in den Himmel, ummantelt von dichtem Wald, in dem das italienische Braunbären-Projekt zu Hause ist. Für Biker gibt es leider nur wenige Traversen, die Sinn machen. Eine davon ist der Passo Bregn da L‘Ors.

• Fast so wichtig wie die Route selbst ist das Ziel. 80 Prozent aller Alpenüberquerungen enden am malerischen Gardasee (4). Wer mal etwas Neues ausprobieren möchte, wird sich wundern, wie schön es sich auch am Lago Maggiore oder am Comer See feiern lässt.

  GardaseeFoto: Markus Greber
Gardasee


VERANSTALTER

Das Angebot an geführten Alpenüberquerungen ist riesig. Auch die Preise für die vermeintlich gleiche Tour variieren oft stark – wobei das meist an den ebenfalls sehr unterschiedlichen Leistungen liegt. Ein Begleitfahrzeug transportiert zum Beispiel nicht nur Gepäck, sondern auch Ersatzmaterial und dient im Notfall auch als Shuttle, wenn ein Teilnehmer mal einen Tag aussetzen möchte.

Auch die Unterkünfte reichen von Hütte mit Halbpension bis hin zu 4-Sterne-Hotels. Achten Sie bei der Buchung unbedingt auf die Größe der Gruppe. Mehr als zehn Teilnehmer sollten es nicht sein. Immer mehr Veranstalter bieten ihre Touren aber auch als "Selfguided"-Version an. Sie bekommen ein GPS-Gerät mit der Route, gehen individuell auf Tour, dürfen aber Gepäcktransport, Unterkünfte und Rücktransfer mitnutzen.


Hier die Adressen der wichtigen Transalp-Veranstalter:


DIE LEICHTEN TRANSALP-ROUTEN

Weniger als 1000 Höhenmeter am Tag und keine fahrtechnischen Schreckmomente – an eine leichte Alpenüberquerung können sich auch Einsteiger wagen.

Keine ewigen Auffahrten, keine verblockten Trails – eine leichte Alpenüberquerung führt auf Schotter und Asphalt sanft durch die Täler. Transalp-Einsteiger und Mountainbiker, die schnell ans Ziel kommen wollen, tummeln sich auf diesen Routen. Ihr Vorteil: Im Tal schmilzt der Schnee deutlich früher als oben auf den Passübergängen. Statt bis Ende Juni warten zu müssen, kann man hier oft schon Ende April eine Ausfahrt gen Süden starten oder noch spät im Herbst die Seite wechseln. Nachteil: Wer im Tal bleibt, sieht auch das Panorama nur von unten. Aber man kann diese Routen ja nach Kraft und Laune aufpeppen und ausdehnen. Die Via Claudia führt durch Orte, in denen sich jederzeit ein Abstecher lohnen würde – zum Beispiel im Vinschgau oder in Bozen. Die Auswahl an leichten Transalp-Routen ist allerdings sehr gering: Es gibt eigentlich nur die Via Claudia und die Pista del Sole. Auf beiden Traversen herrscht jede Menge Radl-Verkehr – Mountainbiker teilen sich die Strecken mit Trekkingbikern.


1 Via Claudia Augusta 345 km / 3857 hm / 5 Etappen
Von Ehrwald durchs Lechtal, Inntal und Etschtal auf leichten Radwegen an den Gardasee. Die längsten Anstiege warten am Fernpass (1266 m) und am Reschenpass (1504 m). Diese Route haben viele Veranstalter im Programm, wobei die Strecke aber auch relativ gut ausgeschildert und stark frequentiert ist. GPS-Daten: www.bike-gps.com

  Via Claudia AugustaFoto: Uli Stanciu
Via Claudia Augusta


2 Pista del Sole 415 km / 4823 hm / 5 Etappen
Von München an den Gardasee: Die einzige wirklich ernstzunehmende, längere Bergauf-Passage wartet am 1370 Meter hohen Brennerpass. Dahinter geht es auf dem neu gebauten Radweg gen Süden fast nur noch bergab. Diese Route lässt sich mit dem Abstecher über den Brennergrenzkamm schön aufpeppen. GPS-Daten: www.bike-gps.com

  Pista Del SoleFoto: Fotolia
Pista Del Sole


DIE KURZEN TRANSALP-ROUTEN

Kurz und knackig, aber gehaltvoll. Eine kurze Alpenüberquerung eignet sich für ein verlängertes Wochenende und konzentriert sich auf Highlights.


Achtung: Kurz bedeutet nicht unbedingt leicht. Zwar macht es für Kondition und Sitzfleisch einen Unterschied, ob man acht oder nur drei bis vier Tage im Sattel sitzt. Doch auch eine kurze Alpenüberquerung sollte über den Alpenhauptkamm führen, um gerade noch als "echte" Transalp durchzugehen. Auf einer kurzen Tour filetiert man also den anstrengendsten Teil einer Alpenüberquerung heraus. Das heißt: Die Anstiege sind lang, steil und steinig. Aber Sie haben es auch mit dem landschaftlich reizvollsten Teil zu tun – ergo: die Aussichten von ganz oben sind gigantisch und die Abfahrten mitunter episch lang. Gute Fahrtechnik sollte man in jedem Fall mitbringen – die Trails im Hochgebirge sind anspruchsvoll und oft auch ausgesetzt. Aber wenn Sie schon ein paar Tage und viele Kilometer gegenüber einer klassischen Transalp einsparen, dann können Sie die geschonten Kräfte ja auch in aufregendere Trails, knackige Anstiege und herausfordernde Downhills investieren.


1 Landeck – St. Moritz 170 km / 4300 hm / 3 Etappen
Auch dieser Transalp-Quickie führt durch das Alta-Rezia-Gebiet, überquert aber andere Pässe. Von Landeck aus geht es das Inntal hoch bis nach Nauders. Von hier auch ins Val Mora, aber dann weiter über Alpisella- und Trelapass zu den berühmten Flowtrails am Bernina (Foto) hinüber. Geführte Tour von
www.ulpbike-tours.de

  Landeck – St. MoritzFoto: Marco Toniolo
Landeck – St. Moritz


2 St. Anton – Poschiavo 187 km / 5567 hm / 4 Etappen
Drei 1000 Höhenmeter hohe Anstiege warten auf diesem kurzen Transalp-Klassiker. Die Belohnung sind die Supertrails von Fimberpass, Pass da Costainas und Bernina. Landschaftlich überzeugen auch das Val Mora und der Passo Val Viola. Die Tour ist ein Konzentrat für Freunde von Hochgebirgs-Trails. Infos und GPS-Daten: www.bike-gps.com

  St. Anton – PoschiavoFoto: Moritz Ablinger
St. Anton – Poschiavo


TRANSALP-ROUTEN FÜR EUNDURO-BIKER

Eine Transalp ohne Schweißvergießen? So einfach ist es nicht. Bei der Enduro-Transalp verkürzen Lifte und Shuttle-Busse nur die Anstiege. Und die Planung einer solchen Route ist deutlich aufwändiger.

Auch Enduro-Biker haben das Abenteuer Alpenüberquerung längst für sich entdeckt. Allerdings gibt es für sie neben großer Landschaft noch ein höheres Ziel: Es geht darum, möglichst viele, epische Trail-Abfahrten zu erleben. Langatmige Talroller und Höhenmeter, die mit dem schwereren Sportgerät zermürbend wären, werden dagegen, wo immer es geht, mit Lift und Shuttle abgekürzt. Völlig ohne Höhenmeter geht es also auch mit dieser Variante nicht.

  Die Abfahrt vom 3123 Meter hohen Madritschjoch ist fast schon Pflicht auf einer Enduro-Transalp. Foto: Markus Greber
Die Abfahrt vom 3123 Meter hohen Madritschjoch ist fast schon Pflicht auf einer Enduro-Transalp. 

Die Streckenführung mit Lift-Einbindung verlangt natürlich einiges mehr an Planung und Logistik. Daher bucht man diese Variante am besten beim Veranstalter. Der funktioniert den Begleitbus schnell zum Shuttle um und hat mit den Alpenregionen oft noch eine Zufahrtserlaubnis ausgedealt. Wer dennoch lieber selbst plant, wird einige Zeit tüftelnd bei der Recherche sitzen, denn nicht jeder in der Karte eingezeichnete Lift läuft auch im Sommer, oder transportiert Bikes. Wobei die Lift-Betriebe gerade in den Ski-Arenen wie Ischgl, Engadin oder Livigno inzwischen längst erkannt haben, dass mit Bikern gutes Geld zu verdienen ist. Nur sollten die Lifte natürlich auch sinnvoll in eine Transalp-Route passen. Dazu muss man manchmal einen etwas unnatürlichen Schlenker in Kauf nehmen. Im Hauptkamm wird es allerdings schwierig. Schiebe- und Tragepassagen bleiben einem hier nicht erspart. Vorsicht übrigens in Italien: Hier darf man zwar selbst im klapprigsten Sessellift Platz nehmen, aber oft nur, wenn die Bikes weniger als 160 Millimeter Federweg haben.

  Von Sulden aus hilft die Gondel hinauf. In Südtirol shuttlen auch kleine Sessellifte.Foto: Matthias Rotter
Von Sulden aus hilft die Gondel hinauf. In Südtirol shuttlen auch kleine Sessellifte.


Von Ischgl zum Comer See
Ischgl ist wahrscheinlich der beste Startort für eine Enduro-Transalp, da hier die Idjochbahn schon mal ein großes Stück den Hauptkamm hinaufhilft. Sie setzt die Transalp-Aspiranten auf 2740 Metern Höhe ab, und die Fahrt ins Trail-Abenteuerland kann sofort beginnen. Auf genialen Kammpfaden schaukelt man bis zum Salaaser Kopf hinüber, bis der Fimberpass vor seiner genialen Trail-Abfahrt doch noch kurz zum Schieben zwingt. In diesem Muster – Gondel, fahren, schieben und dann hinein in den langen Abfahrts-Trail – geht es die folgenden Etappen weiter über den Violapass, das Val Poschiavo und über den Piz Nair bei St. Moritz weiter bis zum Comer See. Kurz vor dem Sprung ins Badewasser wartet noch der Trail über den inzwischen kultigen Tracciolino. Strecke gesamt: 335 km / 6450 hm bergauf / 13500 hm bergab / 5 Etappen. Preis inkl. HP, Shuttle und Gepäcktransport: ab 1400 Euro. Infos: www.trailxperience.com

  Von Ischgl zum Comer SeeFoto: Markus Greber
Von Ischgl zum Comer See


Vom Mont Blanc zum Mittelmeer
In acht Tagen 18000 Höhenmeter bergab – und zwar auf den rauen, naturbelassenen Hochgebirgs-Trails der Westalpen. Da kosten selbst die Abfahrten jede Menge Körner. Dennoch bleiben einem auch hier Bergauf-Passagen nicht erspart. Jeden Tag warten im Durchschnitt 1000 Höhenmeter, die gerade auf den letzten Metern zum Pass hin noch einmal wehtun. Aber so geht man wenigstens gut aufgewärmt in die Abfahrt. Die Highlights unterwegs: Col du Grand Ferret, Col de la Seigne, Col d’Encombres, Pic Malrif und der Ligurische Grenzkamm. Jeder dieser noch weitestgehend unbekannten Pässe wartet mit einem nicht enden wollenden Abfahrts-Trail auf. Viele davon sind mit mittlerer Fahrtechnik gut zu fahren, für andere braucht man Gefühl fürs Grobe. Strecke gesamt: 8000 hm bergauf / 18000 hm bergab / 8 Etappen. Preis inkl. HP, Shuttle und Gepäcktransport: ab 1400 Euro. Infos: www.powder-trails.de

  Vom Mont Blanc zum MittelmeerFoto: Matthias Rotter
Vom Mont Blanc zum Mittelmeer


Diese Veranstalter bieten spezielle Enduro-, Freeride- oder auch Trail-Routen über die Alpen an. Da die Gruppen mit vier bis sieben Teilnehmern deutlich kleiner gehalten werden als bei normalen Klassiker-Touren, ist eine frühe Buchung ratsam.


Tipp: Sollte eine Tour schon ausgebucht sein, bieten viele Veranstalter ab einer bestimmten Gruppenstärke auch individuelle Routen an. Nennen Sie den Guides einfach ein paar der hier vorgestellten Highlights, und er wird eine möglichst sinnvolle Route für Sie entwerfen. Wenn gewünscht sogar mit Gepäcktransport.


SIeben Highlights für Enduro-Biker


1 Val Müstair
Ganz neue Trails wurden in die ehemaligen Schmugglerberge gezogen. Infos: www-altarezia.eu

  Val MüstairFoto: Markus Greber
Val Müstair


2 Livigno
Lifte und Flowtrails in alle Richtungen – und ebenfalls im Alpenhauptkamm gelegen. Hier lohnt es sich auch, den ein oder anderen Abschnitt des neuen Tutti-Frutti-Trails einzustreuen, bevor es auf die Trail-Verbindung zum Bernina Pass hinübergeht.

  LivignoFoto: Markus Greber
Livigno


3 Madritschjoch (3123 Meter)
Er gilt als der höchste, fahrbare Pass der Ostalpen. Eine echte Schinderei! Besser man nimmt die Gondel ab Sulden. Die letzten 400 Höhenmeter müssen geschoben werden. Oben wartet einer der besten Trails der Ostalpen!


4 Kronplatz
Der Trail-Berg kurz vor dem Fanes-Tal. Mehrere gebaute Abfahrten warten am Südtiroler Aussichtsberg. Das Herunterzirkeln des kurvengeladenen Herrensteigs macht irren Spaß.


5 Val Poschiavo
Vom Bernina-Pass führt einer der genialen Flow-Country-Trails ins Puschlav hinunter. In Poschiavo angekommen, setzt man sich dann aber besser in die Rhätische Bahn, steigt am Bernina-Pass wieder aus und nimmt sich die Engadiner Trails noch vor.


6 St. Moritz
Großartiger Flow von der Corviglia, durchs Val Suvretta und vom Piz Nair hinunter. Die Spitzen-Trails sollten bei einer Enduro-Transalp in Richtung Comer See nicht fehlen!


7 Pale di San Martino
Auf die Hochebene mit dem Rifugio Rosetta gelangt man nur mit dem Lift. Dahinter wartet ein Supertrail.


TRANSALP-ROUTEN FÜR GANZ HARTE BIKER

Manche werden erst warm, wenn der Atem nach Blut schmeckt und in den Beinen das Laktat brennt. Auch für diese Klientel haben Touren- und Rennveranstalter ein kleines, aber feines Angebot parat.


BIKE-Transalp
Sieben Tage, 1200 Biker, ein Ziel: Die BIKE-Transalp ist kollektive Ausdauerhatz und Mutter der Etappenrennen. Die Route von Imst nach Riva (2017) führt durch beeindruckende Landschaften. Die Strecke ist ausgeschildert, das Gepäck wird transportiert. So können sich die Zweier-Teams voll aufs Rennen konzentrieren. www.bike-transalp.de

  Bike TransalpFoto: Robert Niedring
Bike Transalp


Von Ost nach West
Streckenmäßig ist es das Härteste, was man sich in den Alpen antun kann: die Durchquerung des gesamten Alpenbogens von Salzburg nach Ventimiglia am Mittelmeer. Wobei uns ein Guide verriet: Wenn man seinen Rhythmus gefunden hat, dann sind die insgesamt 1600 Kilometer und 43265 Höhenmeter in 24 Tagen gut zu schaffen. Infos: www.mtb-fahrtwind.de

  Von Ost nach WestFoto: David Schultheiß
Von Ost nach West


Westalpen-Cross
Auf Höhe des Genfer Sees biegen sich die Alpen gen Mittelmeer. Ab hier türmen sich Mont Blanc und seine Viertausender-Kollegen auf. Das Wetter ist hier besonders rau, die Trails sind oft ruppig und erodiert, und jeden Tag wartet mindestens ein harter Anstieg mit Schiebepassage. Aber: Der Abenteuerfaktor ist hier am höchsten! Buchungsadressen siehe Veranstalterliste hier im Anschluss.

  Westalpen-CrossFoto: Stefan Neuhauser
Westalpen-Cross

Das sind die besten Adressen für alle, die für ein Prachtpanorama mit Supertrail-Abfahrt alles geben würden – und dann auch müssen:


DIE PLANUNG

Wo schlafen, wann losfahren und: Wie kommt man eigentlich wieder nach Hause? Es lohnt sich, wenn man sich um diese wichtigen Details so früh wie möglich kümmert.


Mitfahrer finden
Zu einer Alpenüberquerung sollte man niemals allein starten. Schon weil ab einer Höhe von 1200 Metern das Handy keinen Empfang mehr hat und man im Notfall völlig auf sich allein gestellt wäre. Optimal ist eine Gruppe von drei bis fünf Bikern. Sollte es zu einem Sturz kommen, kann so einer beim Verletzten bleiben, während der andere Hilfe holt. Bei mehreren Mitfahrern erhöht sich dagegen das Pannenrisiko, und auch der Hüttenstopp dauert deutlich länger. Alles Dinge, die bei einer geführten Tour mit acht bis zehn Teilnehmern schon mal Nerven kosten kann.


Die beste Touren-Zeit
Das optimale Zeitfenster für Transalp-Touren ist relativ klein: Mitte Juni bis Mitte September. Vorher kleben gerade auf den Nordseiten der höchsten Pässe oft noch hartnäckige Schneereste. Ende September kann es tagsüber zwar noch schön warm sein, aber die Tage werden jetzt deutlich kürzer. Frühmorgens muss man in höheren Lagen bereits mit Frost rechnen. Im Juli besteht dagegen die stärkste Gewittergefahr. Dem entgeht man am besten, indem man früh startet und vor 16 Uhr die Unterkunft erreicht. Achten Sie jeden Tag auf den Wetterbericht: Zieht mit einem Gewitter eine Kaltfront heran, kann es sogar im August zu einem Winter-Intermezzo kommen.


Unterkünfte
Die einen schlafen lieber im Tal, um am nächsten Tag zum Aufwärmen eine Auffahrt vor sich zu haben, die anderen lieben die morgendliche Stille am Berg. Der Vorteil einer Hüttenübernachtung ist: Sie können abends in Jogginghose und Flipflops zum Abendessen gehen und haben Gleichgesinnte zur Unterhaltung. Viele ehemals einfache Hütten entlang der einschlägigen Transalp-Routen haben inzwischen auch aufgerüstet. Doppelzimmer mit Bettwäsche und Duschen gehören fast schon zum Standard, haben aber auch einen höheren Preis. Wer einen Gepäck-Shuttle dazugebucht hat, übernachtet dagegen besser im Tal, da nicht alle Hütten mit dem Auto erreichbar sind. Am besten reservieren Sie die Unterkünfte vorab, damit Sie nach einer langen Etappe keine Alternative suchen müssen. Am Berg ist das oft mit schmerzhaften Extrahöhenmetern verbunden.


Gepäcktransport
Acht Extra-Kilo auf dem Rücken sind nicht jedermanns Sache. Eine Woche lang in derselben Wäsche auch nicht. Vielleicht haben Sie in Ihrem Bekanntenkreis jemanden, der die Tour mit dem Auto begleiten möchte und das Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft shuttelt. Wer eine sogenannte "Selfguided Tour" beim Veranstalter bucht, kann dort oft auch den Gepäcktransport mitbuchen. Andere wiederum leisten sich den Service von Taxis, da die Etappenorte oft gar nicht so viele Straßenkilometer voneinander entfernt liegen. Manchmal liegen nur 20 oder 30 Kilometer dazwischen.


Rücktransfer
Es gibt inzwischen einige Taxi-Unternehmen, die sich auf den Rücktransport von Alpenüberquerern spezialisiert haben. Allerdings sind die Termine in der Hauptsaison von Juli bis August schnell ausgebucht. Sollte Ihr Wunschtermin bereits vergeben sein, können Sie es noch bei den Transalp-Veranstaltern versuchen. Die chartern zum Teil große Busse für ihre Kunden und haben dann oft noch Plätze frei. Die gehen dann hauptsächlich an "Selfguided"-Kunden, aber wer freundlich nachfragt, kann sich eventuell noch eine Heimfahrt sichern. Preis: etwa 70 bis 90 Euro, Adressen siehe rechts. Weniger bequem ist die Rückfahrt mit dem Zug. In Italien muss man die Bike-Mitnahme vorreservieren und wird damit in Züge mit Fahrradabteil verwiesen. Die fahren aber nur nachts. Wer sein Bike handlich zerlegt und verpackt, kann mit etwas Glück aber auch im normalen Zug, ohne Reservierung, fahren.


Der bequemste Rücktransfer ist natürlich der mit dem Shuttle-Bus. Am besten, man fährt in die klassischen Transalp-Startorte wie Garmisch, Oberstdorf und Mittenwald zurück. Individuelle Start- und Zielorte sind aber gegen Aufpreis meist möglich. Gruppen ab fünf Personen bekommen oft Rabatt eingeräumt. Wichtig ist aber frühzeitiges Buchen!


LITERATUR

   Traumtouren Transalp: Die Bibel aller Alpenüberquerer. Das Planungsbuch von Uli Stanciu enthält fertige Touren, aber auch eine CD-iRom für alle, die sich eine ganz persönliche Route am PC entwerfen wollen. Unschlagbar: die genauen Höhenprofile und GPS-Daten. Delius Klasing, 49,90 Euro.  <a href="https://www.delius-klasing.de/traumtouren-transalp-3464" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier bestellen -></a>Foto: Delius Klasing Verlag
Traumtouren Transalp: Die Bibel aller Alpenüberquerer. Das Planungsbuch von Uli Stanciu enthält fertige Touren, aber auch eine CD-iRom für alle, die sich eine ganz persönliche Route am PC entwerfen wollen. Unschlagbar: die genauen Höhenprofile und GPS-Daten. Delius Klasing, 49,90 Euro. Hier bestellen ->
   Alpencross West/Süd: Autor Achim Zahn setzt bei seinem Touren-Baukas­tensystem gewisse Alpengrundkenntnisse voraus, gibt dafür aber auch Trail-Tipps für Fortgeschrittene. Der beste Routen-Ratgeber für die rauen und einsamen Westalpen – inzwischen auch mit CD-Rom. Bruckmann Verlag, 34,90 Euro.Foto: Delius Klasing Verlag
Alpencross West/Süd: Autor Achim Zahn setzt bei seinem Touren-Baukas­tensystem gewisse Alpengrundkenntnisse voraus, gibt dafür aber auch Trail-Tipps für Fortgeschrittene. Der beste Routen-Ratgeber für die rauen und einsamen Westalpen – inzwischen auch mit CD-Rom. Bruckmann Verlag, 34,90 Euro.
   Transalp-Roadbook: Seit 1997 überquert An­dreas Albrecht die Alpen und verfasst von jeder seiner Routen ein Booklet mit Roadbook, Karten und GPS-Daten. Preis: 9,80 Euro pro Tour. Eine Übersicht all seiner Transalp-Routen gibt es im Internet unter <a href="http://www.transalp.info/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">www.transalp.info</a>Foto: Delius Klasing Verlag
Transalp-Roadbook: Seit 1997 überquert An­dreas Albrecht die Alpen und verfasst von jeder seiner Routen ein Booklet mit Roadbook, Karten und GPS-Daten. Preis: 9,80 Euro pro Tour. Eine Übersicht all seiner Transalp-Routen gibt es im Internet unter www.transalp.info


AUSRÜSTUNG

Bei einer Alpenüberquerung hat man möglichst wenig dabei. Das Material, das Sie über die Berge wuchten, muss dafür hochfunktionell und möglichst ein paar Monate lang eingefahren sein.


Rucksack: 30-Liter-Rucksack oder Bike-Packing?
Es ist die Gepäckfrage, die viele von einer Alpenüberquerung abschreckt. Klar, der Rucksack drückt einen in den Sattel, beschwert jeden Anstieg und schiebt auf den Abfahrten an. Umso wichtiger ist es, dass er gepackt nicht mehr als acht Kilo wiegt und perfekt sitzt. Wer dennoch Probleme mit dem Rücken fürchtet, sollte über Bike-Packing nachdenken. Schwere Dinge im Rahmendreieck unterzubringen, ist eine gute Idee, behindert aber eventuell auf einer Tragepassage. Probieren Sie es aus! Tipp: Stecken Sie alles, was trocken bleiben muss, in Plastiktüten – auch wenn Ihr Rucksack eine Regenhülle hat.

  Rucksack von DeuterFoto: Hersteller
Rucksack von Deuter


Kurze oder lange Regenhose?
Eine kurze Regenhose ist schneller angezogen, weil man die Schuhe nicht extra ausziehen muss. Und der Schutz lohnt schon bei einem keinen Schauer. Nicht nur, weil die Radhose sonst nass und dreckig wird. Feine Sandpartikel arbeiten sich sonst bis ins Sitzpolster vor und könnten dort wie Schleifpapier auf der Haut reiben.

  Kurze oder lange Regenhose?Foto: Philipp Schieder,Georg Grieshaber
Kurze oder lange Regenhose?


Schuhe: Klickies oder Flatpedals?
Kommt drauf an, was man gewöhnt ist. Allerdings bringt man es bei einer Alpen­überquerung auf Tausende von Pedalumdrehungen. Sind Cleats und Klickpedal perfekt eingestellt, beugt man Knieschmerzen so am besten vor. Auch die Kraftübertragung ist effizienter, man spart Kraft.

Die Flatpedal-Kombination ist dagegen bequemer und gibt vielen Bikern auf Abfahrten ein Gefühl von Sicherheit, da in kniffligen Passagen nicht ausgeklickt werden muss. Bergauf aber stehen die Füße gern mal unbemerkt schief auf dem Pedal. Bei stundenlanger schiefer Kurbelei melden sich irgendwann die Knie. Wenn Sie sich fürs Klickpedal entscheiden, sollten die Schuhsohlen ein rutschfestes Profil haben und die Cleats darin versenkt sein, damit man bei Tragepassagen nicht wegrutscht.

  Klickies oder Flatpedals?Foto: Daniel Simon,Georg Grieshaber
Klickies oder Flatpedals?


WERKZEUG

Da man auf einer Transalp oft auf sich selbst gestellt ist, sollte man für den Notfall vorsorgen. Mit diesem kleinen Werkzeugpaket kann man sich aus fast jeder Patsche heraushelfen.

• Mini-Tool
• Luftpumpe (2 pro Gruppe)
• Dämpferpumpe (1 pro Gruppe)
• Leatherman (1 pro Gruppe)
• 2 Ersatzschläuche
• Flickzeug
• Klebeband
• Kettenschloss
• Bremsbeläge
• Kabelbinder
• Ersatzschaltauge
• Kettenöl
• Ersatz-Cleats
• Ersatzspeichen (richtige Länge!)
• 2 Schalt-/Bremszüge


Gewicht sparen
So wie beim Werkzeug, braucht man auch andere Dinge in der Gruppe nur ein- bis zwei mal. Zum Beispiel Shampoo (auch zum Trikot-Waschen), Karten und Batterien. Verteilen Sie diese Dinge gleichmäßig auf alle Rucksäcke.

  Gewicht sparen heißt die Devise, denn auf dem Bike ist nicht viel Platz.Foto: Hersteller
Gewicht sparen heißt die Devise, denn auf dem Bike ist nicht viel Platz.


PACKLISTE


Das haben Sie an
» Helm
» Bike-Brille
» Funktionsunterhemd
» Trikot
» Bike-Hose
» Socken
» Bike-Schuhe
» Handschuhe


Im Rucksack (25–30 l)
» Ersatz-Bike-Hose
» Ersatztrikot
» Wechselunterhemd
» Armlinge/Beinlinge
» Regenhose (kurz)
» Regenjacke
» Leichte Freizeithose
» Fleece-Jacke/-Pulli
» T-Shirt
» 2 Unterhosen
» 2 Paar Socken
» Flipflops / Hüttenschuhe
» 2 Trinkflaschen
» Handy (+ Ladegerät)
» GPS-Gerät (+ Batterien)
» Hüttenschlafsack
» Riegel / Gels
» Bargeld, Ausweis
» Werkzeug (siehe rechts)


Körperpflege (25–30 l)
» Kleines Handtuch
» Zahnbürste
» Shampoo, Zahnpasta
» Rasierer
» Kamm
» Deo
» Sonnencreme
» Ohropax


TRAINING

Die gute Nachricht: Sie brauchen keinen speziellen Trainingsplan, um eine Alpenüberquerung zu schaffen. Aber die Fitness sollte passen, und das Bike muss perfekt auf Sie abgestimmt sein.

Sie wollen kein Rennen gewinnen. Ihr Ziel ist es, mehere Tage in Folge im Sattel zu sitzen, jeden Tag einen längeren Anstieg hochzukurbeln und auf der anderen Bergseite sturzfrei wieder ins Tal zu rauschen. Das Ganze mit Mehrgewicht auf dem Rücken.Wer die Tour genießen will, braucht eine gute Grundlage und ganz wichtig: eine kräftige Rumpfmuskulatur. Die wunden Punkte eines Alpenüberquerers sind nämlich Po, Rücken, Nacken und Knie. Ihre Kondition kann noch so gut sein – wenn unterwegs in eine der genannten Problemzonen der Schmerz einfährt, könnte die Tour zu Ende sein, bevor Sie den Alpenhauptkamm gesehen haben. Jetzt im Winter ist die beste Zeit, alle Details am Bike noch mal zu überprüfen und zu justieren. Wenn Sie sich dann im Frühjahr zur ersten Trainingsfahrt wieder in den Sattel schwingen, schleifen sich eventuelle Haltungsfehler nicht gleich wieder ein.

  Alles am Rad muss perfekt eingestellt sein. Falls man selbst nicht weiterkommt, einen "Bike Fitting"-Profi um Hilfe bitten. Foto: Georg Grieshaber
Alles am Rad muss perfekt eingestellt sein. Falls man selbst nicht weiterkommt, einen "Bike Fitting"-Profi um Hilfe bitten. 


1 Im Winter
Nutzen Sie die Bike-freie Zeit für Bewegungen, die möglichst viele Muskelgruppen beanspruchen. Besonders die beim Radfahren vernachlässigte Rumpfmuskulatur. Das gleicht Dysbalancen aus und stärkt den Rücken. Das Rucksackgewicht wird dann im Sommer deutlich weniger Probleme machen.

Konditionssportarten wie Langlaufen und Skitouren-Gehen helfen Ihnen, Ihre Form aus dem Herbst ins nächste Frühjahr hinüberzuretten. Und: Was Sie sich jetzt nicht an Speck anfuttern, müssen Sie bis zum Touren-Start auch nicht wieder abtrainieren.

  WintertrainingFoto: Robert Niedring
Wintertraining


2 Ab dem Frühjahr
Beginnen Sie mit leichten Trainingsausfahrten. Achten Sie beim lockeren Dahinpedalieren darauf, ob die neu eingestellte Sitzposition eventuell noch optimiert werden kann. Auch neu angeschaffte Teile wie Sattel, Hosen und Rucksäcke lassen sich jetzt gut einfahren. Ziehen Sie Ihre Touren in den kommenden Wochen nach und nach in die Länge, aber ohne die Intensität zu steigern. Grundlangenausdauer nennen das die Experten. Damit bereiten Sie Ihren Körper auf die langen Transalp-Etappen vor. Er lernt, dass er sich die nötige Energie dafür aus den gespeicherten Fettzellen ziehen soll.

  Training im FrühjahrFoto: Moritz Ablinger
Training im Frühjahr


3 Sechs Wochen davor
Spätestens jetzt sollten Sie alle Ausrüstungsteile besorgt haben, damit Sie sie entsprechend einfahren können. Suchen Sie sich fürs Wochenende Touren mit langen, steilen Anstiegen heraus und fahren Sie die am besten mit vollbeladenem Transalp-Rucksack. So passen Sie Ihre Fahrweise schon mal dem Mehrgewicht an, und wenn es noch etwas zu optimieren gibt, merken Sie es schnell. So trainieren Sie die Kraftausdauer, die Ihnen bei der Transalp über den Berg helfen wird. Wichtig: Eine Woche vor Ihrem Touren-Start lassen Sie es wieder ganz locker angehen, damit sich der Körper erholt.

  Transalp-Training sechs Wochen vor dem StartFoto: Kirsten J. Sörries
Transalp-Training sechs Wochen vor dem Start


Schnelle Hilfe bei Schmerzen


Verspannter Nacken
Mögliche Ursache: eine zu gestreckte Sitzposition. Eine Erhöhung des Lenkers (Vorbau, Spacer) könnte helfen. So sitzen Sie aufrechter, und der Rucksack schiebt nicht mehr in den Nacken.


Stechen im Knie
Mögliche Ursache: Zu tiefer Sattel oder falsche Cleat-Stellung. Erhöhen Sie die Beinstreckung und schieben Sie den Sattel eventuell etwas nach hinten. Sitzen die Cleats am Schuh noch optimal? Fahren Sie am Berg kleine Gänge und schützen Sie die Knie vor Kälte!


Ziepen im unteren Rücken
Mögliche Ursache kann ebenfalls eine zu gestreckte Sitzposition sein. Ist Ihr Bike-Rahmen vielleicht zu groß? Der Rucksack sitzt oft schief oder zu weit oben. Achten Sie auf eine horizontale Sattelposition!


Wundes Gesäß
Druckschmerzen an den Sitzknochen sind nach der ersten Ausfahrt völlig normal. Wenn diese Schmerzen immer wieder auftauchen und wunde Stellen dazukommen, sollten Sie über einen ergonomisch angepassten Sattel nachdenken. Oder über die Anschaffung einer neuen Bike-Hose – die Sie natürlich ohne Unterhose tragen. Schließen Sie auch aus, dass Sie eventuell zu hoch sitzen.

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