Die Alpen ohne QualenDrei Traumrouten für Genuss-Radler

Barbara Merz-Weigandt

 · 01.06.2026

Dank vieler gut ausgebauter Tal-Radwege wie zum Beispiel dem Tauernradweg lassen sich die Alpen auch für Genuss-Radler entspannt überqueren.
Foto: Salzburger Land / Skyshot
​Die Alpenüberquerung mit dem Fahrrad galt lange als Herausforderung für trainierte Sportler. Doch immer mehr gut ausgebaute Radwege machen den Traum vom Nord-Süd-Erlebnis auch für Genussradler erreichbar – mit sanften Anstiegen, spektakulären Ausblicken und kulturellen Höhepunkten.

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Von den grünen Voralpen bis zur mediterranen Adria, von bayerischen Biergärten zu venezianischen Kanälen: Die Alpenüberquerung per Rad ist längst kein Extremsport mehr. Clever geplante Routen nutzen alte Bahntrassen, folgen Flusstälern und wählen die niedrigsten Pässe. So wird das alpine Abenteuer auch für Familien und Gelegenheitsradler zum unvergesslichen Erlebnis.

Die Königsroute: Ciclovia Alpe-Adria

Mit gutem Grund gilt die Ciclovia Alpe-Adria als schönste leichte Alpenüberquerung Europas. Auf 410 Kilometern verbindet sie Salzburg mit dem italienischen Küstenstädtchen Grado an der Adria. Das Besondere: Der höchste Punkt liegt beim Naßfeld-Pass auf nur 530 Metern – und auch der wird über sanfte Steigungen erreicht.

Die Route führt zunächst durch das Salzburger Land, vorbei an türkisfarbenen Seen und durch das wildromantische Gasteinertal. Der Clou: Zwischen Böckstein und Mallnitz überwinden Radler den Alpenhauptkamm ganz ohne Schwitzen – im Autoreisezug durch den 8,5 Kilometer langen Tauerntunnel.

Südlich der Alpen wartet Kärnten mit seinen berühmten Badeseen, bevor die Strecke nach Italien führt. Besonders reizvoll sind die letzten 50 Kilometer auf der ehemaligen Bahntrasse „Alpe-Adria-Trail": autofrei, fast eben, durch 150 Tunnel und über spektakuläre Viadukte bis zur Lagune von Grado.

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  • Für wen: Familien, Einsteiger, Genussradler
  • Dauer: 6-8 Tage
  • Beste Zeit: Mai bis September
  • Info: www.alpe-adria-radweg.com

Die Kulturroute: München-Venezia

Wer Alpenpanorama mit italienischem Flair kombinieren möchte, wählt den Radweg München-Venezia. Die knapp 560 Kilometer lange Route verbindet die bayerische Landeshauptstadt mit der Lagunenstadt und überwindet die Alpen am Brennerpass (1370 Meter).

Klingt anspruchsvoll? Ist es aber nicht: Von München folgt die Route dem Isartal stetig, aber moderat aufwärts. Der eigentliche Brenner-Anstieg ab Innsbruck lässt sich bequem mit der Bahn überbrücken – oder man radelt die gut ausgebaute, 30 Kilometer lange Steigung in gemütlichem Tempo.

Die Belohnung folgt südlich des Brenners: Eine genussvolle Abfahrt durchs Eisacktal nach Bozen, weiter durch mediterrane Weinberge und Apfelhaine bis Trient. Der letzte Abschnitt führt durch die malerische Valsugana, vorbei am türkisblauen Caldonazzo-See, und schließlich über die venezianische Ebene bis zum Markusplatz.

Kulturell ist diese Route kaum zu toppen: mittelalterliche Städtchen wie Mittenwald und Sterzing, die Südtiroler Weinstraße, Fresken von Giotto in Padua und schließlich Venedig mit seinem unvergleichlichen Charme.

  • Für wen: Kulturinteressierte, sportliche Genussradler
  • Dauer: 7-10 Tage
  • Beste Zeit: April bis Oktober
  • Info: www.muenchen-venezia.info

Die Flussroute: Inn-Radweg vom Maloja nach Passau

Der Inn-Radweg ist die entspannteste Variante der Alpenüberquerung – technisch gesehen jedenfalls. Denn die 520 Kilometer von der Quelle des Inn am Malojapass (1815 Meter) bis zur Mündung in die Donau bei Passau führen durchgehend bergab oder eben.

Der Startpunkt am Maloja-Pass erreicht sich bequem per Postauto ab St. Moritz. Von dort rollt man gemütlich durchs Oberengadin, vorbei an der Seenplatte um St. Moritz, durch mondäne Kurorte und ursprüngliche Bergdörfer. Der Inn ist hier noch ein munterer Gebirgsbach.

Ab der österreichischen Grenze wird der Fluss breiter, die Täler weiten sich. Innsbruck mit seiner prächtigen Altstadt und dem Goldenen Dachl ist der kulturelle Höhepunkt. Weiter geht es durchs Tiroler Unterland nach Bayern, vorbei an barocken Kirchen, durch historische Städtchen wie Wasserburg, bis schließlich die drei Flüsse in Passau zusammenfließen.

Die Route ist durchgehend hervorragend ausgeschildert und nutzt meist asphaltierte, autofreie Wege direkt am Fluss. E-Bikes sind nicht nötig – die Landschaft zieht gemütlich vorbei, und man hat Zeit, die alpinen Kontraste zu genießen.

  • Für wen: Alle Altersgruppen, auch untrainierte Radler
  • Dauer: 7-9 Tage
  • Beste Zeit: Mai bis September
  • Info: www.innradweg.com

Praktische Tipps für die leichte Alpenüberquerung

Ausrüstung: Ein solides Trekkingrad oder E-Bike reicht völlig. Packtaschen sind komfortabler als Rucksäcke. Wichtig: Regenkleidung und Schichten zum Anziehen – das Wetter in den Alpen kann schnell wechseln.

Gepäcktransport: Viele Veranstalter bieten Gepäcktransport von Hotel zu Hotel an. So radelt man mit leichtem Tagesrucksack und findet abends die Koffer im nächsten Quartier vor.

Kondition: Für alle drei Routen genügen 50-70 Kilometer pro Tag. Mit E-Bike-Unterstützung schaffen auch untrainierte Radler diese Distanzen locker.

Planung: Unterkünfte sollten in der Hauptsaison vorgebucht werden. Die meisten Hotels entlang der Routen sind radfahrerfreundlich und bieten sichere Abstellräume.

Fazit: Die Alpen für alle

Die drei vorgestellten Routen beweisen: Eine Alpenüberquerung mit dem Rad ist kein Extremsport mehr, sondern ein Genusserlebnis für jedermann. Ob entlang alter Bahntrassen, über sanfte Pässe oder einfach bergab am Fluss – die Berge lassen sich auf viele Arten bezwingen. Und am Ende wartet immer die Belohnung: das unbeschreibliche Gefühl, die Alpen aus eigener Kraft durchquert zu haben – von der kühlen Nordseite bis in den warmen, mediterranen Süden.


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Barbara Merz-Weigandt

Barbara Merz-Weigandt

Chefredakteurin

Barbara Merz-Weigandt, Chefredakteurin von MYBIKE, dem Magazin für engagierte Alltags- und Reiseradler, lebt am Starnberger See. Ihre große Leidenschaft: das Reisen. Mit dem Tourenrad überquerte sie die Alpen – auf der Via Claudia Augusta, der Ciclovia München-Venezia und dem Alpe-Adria-Radweg. Mit Motorsegler und Rad erkundete sie die Inselwelt Kroatiens und die lykische Küste, alle Balearen und Kanaren hat sie mit dem Fahrrad bereist. Am liebsten ist sie mit dem Mountainbike auf den Trails in den Bayerischen Voralpen, den Dolomiten oder auf La Palma unterwegs.

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